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Göttingen "Das Auto dachte, dass es noch dazwischen passt"
Die Region Göttingen "Das Auto dachte, dass es noch dazwischen passt"
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14:04 23.12.2015
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Dabei sah es auf den ersten Blick so aus, als habe die Frau einem 57 Jahre alten Geländewagen-Fahrer am Holtener Berg die Vorfahrt genommen. Ein 16-jähriger Zeuge hatte den aufnehmenden Polizeibeamten gesagt, das SUV sei auf der Europaallee, also der Vorfahrtstraße, unterwegs gewesen, als der Kleinwagen der Frau aus der Genfstraße kommend einfach eingebogen sei. Dann sei es seitlich zur Berührung gekommen. "Das Auto dachte, dass es noch dazwischen passt", formulierte der Schüler jetzt im Zeugenstand.

 

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Er wäre eigentlich der ideale Zeuge gewesen. Der Papierlage nach, hatte er alles gesehen. Ganz anders die 58-Jährige. Die will kein Auto gesehen haben, als sie von der Genfstraße einbog. "Wie vom Himmel gefallen", sei das SUV plötzlich da gewesen. Sie könne es sich nur so erklären, dass der Unfallgegner viel zu schnell unterwegs war oder aus einer der Parklücken kam und angefahren sie, als sie gerade einbog. Der SUV-Fahrer jedoch, ein 57-Jähriger, will ganz normal die Vorfahrtstraße gefahren sein, habe sogar noch gehubt, als der Kleinwagen einfuhr. Trotz Bremsens habe er mit dem linken Kotflügel das andere Auto seitlich berührt. Die Frau sei einfach weitergefahren, und er habe sie erst mit Lichthupe und Signalhorn zum Anhalten gebracht. "Ich hatte den Eindruck, die hat nicht einmal den Zusammenstoß gemerkt."

 

Ein Polizist sagt aus, er habe sich auf Angaben des 16-jährigen Zeugen verlassen und deshalb die Frau "an die Eins gesetzt". Die Eins, das ist der erstgenannte Unfallbeteiligte auf dem Aufnahmeformular - in der Regel der Verursacher.

 

Der Schüler allerdings erweist sich im Zeugenstand als schwaches Glied: "Ich vergesse immer meine Erinnerungen", sagt er. Dann schilderd er verwirrend, wie es gewesen sein könnte. Denn gesehen, das muss er am Ende zugeben, hat er beide Autos erst nach der Kollision. Er habe nur Bremsen und Hupen gehört.

 

Ohne Unfallsachverständigen, entscheidet die Richterin, komme man hier nicht weiter. Sie schlägt Einstellung vor. Die 120 Euro Bußgeld für einen fahrlässigen Verkehrsverstoß bleiben der Frau erspart. Wie den Fall die Versicherungen sehen, die die Schuldfrage parallel klären müssen, um sich den Schaden aufzuteilen, bleibt vorerst aber offen.