Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Das erste Tor zur Welt: Flüchtlingslager Bremke
Die Region Göttingen Das erste Tor zur Welt: Flüchtlingslager Bremke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 06.08.2013
Von Ulrich Schubert
Ankunft: Flüchtlinge und Heimkehrer kommen über die Zonengrenze nach Bremke und Friedland. Quelle: Musterschmidt Verlag
Anzeige
Bremke

Es klingt aus heutiger Sicht ein wenig poetisch, wie Walter-Müller Bringmann über jenen Ort schreibt, der vor über 60 Jahren sein Tor zur Freiheit und zu einem neue Leben nach den „schlimmsten Strapazen, der Unfreiheit und Angst“ wurde. Als er diese Zeilen schreibt, hat er gerade den Zweiten Weltkrieg überlebt – er ist überglücklich, aber heimatlos und auf der Flucht.

Bringmann erlebt den Aufbau und die ersten Jahre des Flüchtlings- und Grenzdurchgangslagers Friedland mit und veröffentlicht seine Aufzeichnungen zehn Jahre später in einem „Buch von Friedland“. Der beschauliche Ort aber, in dem nach schlimmen Kriegsjahren sein „Leben wieder beginnt“, ist nicht Friedland.

Anzeige

Es ist das kleine Dorf Bremke, ein paar Kilometer weiter nordwestlich. Nur wenige wissen heute, dass zunächst hier unter britischer Regie vor Friedland Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge aus der sowjetischen Zone aufgenommen und versorgt wurden.

Weil nur wenig über die Aufnahmestation Bremke bekannt ist, sucht der „Heimat- und Kulturverein Hurkut Gleichen“ Zeitzeugen, Fotos und Papiere, die das Leben im Lager Bremke dokumentieren.

Wieder nach Hause

„Es kommen jetzt jeden Tag Dutzende von Menschen aus Richtung Heiligenstadt“, schreibt Bringmann in seinen Aufzeichnungen vom 25. Juli 1945.

Und weiter: „Zumeist sind es Evakuierte, die vor den Bomben der alliierten Luftflotten aus den Städten des Ruhrgebietes in die ruhigeren Gegenden des Thüringer Waldes oder in kleine sächsische Dörfer transportiert wurden, sie möchten jetzt wieder nach Hause“. Bringmann „verschlug“ es fünf Tage zuvor nach Bremke.

Sein „Hauswirt hat die Küche voller fremder Menschen, vielerlei Art und mancherlei Herkommen“ – Baracken und Nissenhäuser wie später in Friedland gibt es in Bremke noch nicht. Und „da sitzen sie in abgerissener, schmutziger Kleidung, seit Tagen unterwegs, ohne warmes Essen, ohne ein Bett gesehen zu haben“.

Transport der Menschen zu kostspielig“

Mehr als 200 000 Menschen werden ab Juni 1945 in Bremke registriert, berichtet Bringmann. Parallel dazu nimmt das Lager Friedland ab September 1945 seinen Betrieb auf. Es liegt verkehrsgünstiger an der Bahnlinie. Hier werden irgendwann alle Flüchtlinge registriert, die auf ihrem Weg Richtung Westen diese Region streifen.

Bremke wird zu einer „Auffangstelle mit Zubringerdienst für Friedland“. Das britische Kommando und die Hilfsorganisationen beschließen, nur das Lager in Friedland  weiter zu führen.

„Der Transport der Menschen von Bremke nach Friedland wird zu kostspielig“, erklärt Bringmann. Denn „Benzin und Autoreifen sind in dieser Zeit Dinge von ausgesprochenem Luxuswert.“ Am 31. Mai 1946 wird das „Nebenlager Bremke“ nach knapp zwölf Monaten wieder aufgelöst.

Für eine Chronik sucht der Gleichener Heimatverein Hurkut Flüchtlinge und Helfer, die über ihre Zeit im Lager Bremke erzählen wollen, außerdem Dokumente, Fotos und ähnliches. Kontakt: Karl Schlotter, Telefon 05 51 / 90 03 61 58.

Anzeige