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Göttingen David Evans singt und spielt den Blues in Südniedersachsen
Die Region Göttingen David Evans singt und spielt den Blues in Südniedersachsen
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18:39 16.06.2013
Von Matthias Heinzel
Seit einem halben Jahrhundert im Dienst des Blues: David Evans, hier am Sonnabend in Lödingsen.
Seit einem halben Jahrhundert im Dienst des Blues: David Evans, hier am Sonnabend in Lödingsen. Quelle: Heller
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Lödingsen

Aber Blues in Südniedersachsen – geht das? Zwar ist es nicht der Mississippi, der nebenan träge durch sein Bett schwappt, sondern nur die Schwülme, und statt komplett verqualmtem Hinterzimmer und Bourbon bis zum Abwinken gibt es Uslarer Bergbräu oder einen trockenen Rotwein, und zum Rauchen muss man vor die Tür. Dennoch funktioniert der Blues an diesem Sonnabend auch im kleinen Saal des Gasthauses Schwülmetal. Vor allem, weil der heute 69-jährige Evans einen sehr authentischen, fast urtümlichen Blues spielt.

Feldforschung in Südstaaten

Das ist kein Wunder: 1965 bis in die Mitte der 1970er Jahre betrieb er in den Südstaaten eine Art Feldforschung: Er traf die Blues-Altmeisters des Südens, sammelte dabei nicht nur Aufnahmen und Interviews, sondern lernte von ihnen auch das Musizieren – Gitarren- und Gesangstechnik sozusagen aus allererster Hand.  Zu Evans‘ musikalischen Wegbegleitern zählen Charley Patton, R. L. Burnside und Jack Owens.

So spielt Evans in Lödingsen Klassiker wie „Good Morning, Little Schoolgirl“, aber auch eigene Kompositionen, die stilistisch von den Vorbildern praktisch nicht zu unterscheiden sind. Das gelassene Grinsen dazu, der bluesige Hut, ein paar lockere Sprüche, der raue Schmerz in der Stimme – das passt. Auch an der Schwülme.

Göttinger Band Generation Gap

Das offenbar fachkundige Publikum weiß es zu schätzen. Zu später Stunde bekommt Evans noch ein bißchen Verstärkung: Auf die Bühne treten Howard Schultens und Axel Küster von der Göttinger Band Generation Gap. Der Urtümlichkeit der Musik tut das nicht den geringsten Abbruch – Küster spielt die Mundharmonika, Schultens den Jug: eine große Glasflasche, in die man mit gespannten Lippen stoßweise hineinbläst. Heraus kommt eine saubere Basslinie, die dem sparsamen Gitarrenblues Fundament verleiht – ein schönes Experiment. Und bluesig noch dazu.