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Göttingen Rechtsruck und Gedenkstätten
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13:04 01.02.2019
Diskussion im Alten Rathaus. Quelle: Jonathan Michaeli
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Göttingen

Auf dem Podium saßen der Historiker Prof. Habbo Knoch, die Historikerin und Publizistin Cornelia Siebeck und die DGB-Gewerkschaftssekräterin Agnieszka Zimowska. Kurzfristig abgesagt hatte die Schriftstellerin und Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano – zur Enttäuschung vieler Besucher, aber auch der drei Podiumsgäste.

Traditionell organisiere das Bündnis diese Veranstaltung tatsächlich am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, erklärten Vertreter des Bündnisses. Doch die Verschiebung passe, denn eigentlich brauche Gedenken mehr als einen offiziellen Gedenktag. Mit einem Überblick über Eklats der vergangenen Jahre, für die vor allem AfD-Politiker oder AfD-Anhänger verantwortlich waren, startete der Abend: Hausverbot für Höcke in Buchenwald, Gaulands „Vogelschiss“-Entgleisung, eine Besuchergruppe von Alice Weidele, die im KZ Sachsenhausen unangenehm aufgefallen war und so fort. Von der Tätergesellschaft war in dem Eingangsstatement die Rede.

Nachfahren von Opfern

Diesen Begriff wollte Siebeck umgehend korrigieren. In dieser Gesellschaft lebten auch Nachfahren von Opfern und jene, die durchaus andere Beziehungen zum NS-Staat hätten. Sie lenkte den Blick auf einen Kulturkampf über die Deutung der Nationalgeschichte. Sie forderte dagegen ein „Lernen aus der Vergangenheit, ein kritisch-reflexives Geschichtsbewusstsein“. Seit den späten 1990er-Jahren habe es in Deutschland den Anschein einer Art Erinnerungskonsenses über den Umgang mit den Nazi-Gräueln gegen. Inzwischen forderten rechte Kräfte wieder Nationalstolz ein. Siebeck: „Den Konsens hat es nie gegeben.“

„Meine Perspektive ist eine migrantische“, sagte Zimowska. Ihre Familie sei in Polen im Widerstand gewesen. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung sagte sie: „Es hat sich etwas verändert, eine Verschiebung findet statt.“ Etablierte Parteien verlören an Vertrauen, im gesamten europäischen Raum sei eine Verschiebung nach rechts festzustellen. Die AfD sei neoliberal und antieuropäisch gestartet und bewege sich heute viel weiter rechts.

Gezielte Provokationen

Knoch, ehemaliger Leiter der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, verwies auf Hausverbote für AfD-Politiker in Konzentrationslagern und den Unwillen, sich mit ihnen unmittelbar auseinanderzusetzen. „Wir laden die nicht ein, denen wir widersprechen.“ Doch sei es überhaupt gut, deren Denken Raum zu geben?, fragte Koch. Die eingangs aufgezählten Ereignisse wertete er durchweg als gezielte Provokationen, als typische Vorgehen von Populisten. Daher glaube er nicht, dass es im Kern um die AfD gehe. Es sei notwendig, die Grundlagen und Normen zu sichern, auf denen die Gesellschaft gründe. Schließlich brachte Knoch den Begriff der Delegation in die Debatte ein. Der beschreibe die Haltung vieler, die meinten, sie müssten sich nicht engagieren, weil das die Gedenkstätten, also der Staat übernähmen.

Siebeck reagierte kategorischer. Die AfD stehe in völkisch-nationalistischer Tradition. „Neben ihr will man an Gedenktagen nicht stehen.“ Zimowska berichtete von einem Anschlag auf ein Gräberfeld einer Gedenkstätte bei München. Erst dadurch sei sie damals als 16-Jährige auf den Ort aufmerksam geworden. „Das hat den Ort bekannt gemacht. Das Schweigen wurde gebrochen.“ Gedenkstätten sollten „keine isolierten, einsamen Orte sein.“

Von Peter Krüger-Lenz

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