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Göttingen „Keine Angst vor Demenzerkrankungen“
Die Region Göttingen „Keine Angst vor Demenzerkrankungen“
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08:00 08.03.2019
Chefarzt Roland Nau vom Evangelischen Krankenhaus Weende   Quelle: mic
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Göttingen

Die Angst vor einer Demenzerkrankung möchte Professor Roland Nau, der Chefarzt der Geriatrie am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, Patienten und Angehörigen nehmen.

Deutsche hätten vor kaum etwas mehr Angst als vor einer Demenzerkrankung, erklärte der Professor am Mittwoch bei einem Vortrag im Holbornschen Haus in Göttingen. Die Kontakt-, Informations-, Beratungsstelle im Selbsthilfebereich, die zum Gesundheitszentrum Göttingen gehört, organisierte die Veranstaltung. Rund 40 Zuhörer folgten Naus Ausführungen.

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Demenzerkrankungen seien eine ernste Angelegenheit, räumte der Chefarzt ein. Im Frühstadium gebe es bisher keine Behandlungsmöglichkeiten. Dass die Patienten ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen könnten und einen Betreuer benötigten, mache sie depressiv. Nau riet den Zuhörern in einer Patientenverfügung vorbeugend eine Person ihres Vertrauens zu benennen, die gegebenenfalls diese Aufgabe übernehme. Angehörige seien eventuell damit konfrontiert, dass der Patient sich und andere gefährde. Die Primärpersönlichkeit bleibe aber lange erhalten. Angehörige sollten mit Demenzerkrankten viel unternehmen. Man könne noch viel Freude zusammen haben, betonte der Chefarzt.

Der Vorreiter: Alois Alzheimer

„Als der deutsche Psychiater Alois Alzheimer 1906 erstmals die nach ihm benannte Demenzerkrankung beschrieb, reagierten seine Kollegen weitgehend desinteressiert“, berichtete Nau. Damals hätten wenig Menschen eine Demenz entwickelt. Oft seien es Syphiliserkrankte gewesen. Heute, durch das gestiegene Durchschnittsalter, litten mehr Menschen unter dementiösen Symptomen. Jeder zehnte 80-Jährige, jeder dritte 90-Jährige und jeder zweite 100-Jährige sei betroffen.

Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen

„Die Krankheit beginnt mit Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen“, führte der Chefarzt aus. Im Gespräch würden Erkrankte den roten Faden verlieren oder nicht mehr folgen können. Empfindlich reagierten sie auf Veränderungen. Oft falle eine Demenz erstmals bei einem Krankenhausaufenthalt auf, wenn sich ein Patient in der ungewohnten Umgebung nicht mehr zurecht finde. Mit fortschreitender Krankheit würden sich Patienten dann auch in vertrauter Umgebung verlaufen. Die Rechenfähigkeit nehme so stark ab, dass Betroffene nicht mehr einkaufen könnten.

Unternehmungen gegen den Bewegungsdrang

„Der Ausbruch der Krankheit macht Betroffene zunächst oft traurig“, sagte Nau. Sie zögen sich zurück und hegten Suizidgedanken. Viele könnten sich zu nichts mehr aufraffen. Unbestimmte Ängste quälten die Patienten. Manche entwickelten einen Wahn, glaubten, dass sie bestohlen würden oder dass der Partner fremd gehe. Sie würden Dinge sehen, die nicht da seien. Nau ermutigte Angehörige, mit Demenzkranken viel zu unternehmen. Sie müssten ihren Bewegungsdrang ausleben, damit sie nachts schlafen könnten. Unangenehm für Angehörige seien Reizbarkeit und Aggressivität. Auch enthemmtes Verhalten lasse sich beobachten.

Kochsalzmangel oder Tumore können eine Demenz vortäuschen

„Nicht alle Patienten, die Symptome einer Demenz zeigen, leiden an einer Demenzerkrankung“, führte der Chefarzt aus. Ursache könne auch ein Kochsalzmangel sei, der zum Beispiel unbeabsichtigt durch Kombination von Medikamenten auftrete. Andere Ursachen seien ein Mangel an den Vitaminen B1 und B12, eine Depression, aber auch Tumore oder Blutungen im Gehirn.

Eine gemüse- und fischreiche Ernährung beugt einer Demenz vor

„Das Risiko, an Demenz zu erkranken, lässt sich durch eine Ernährung mit viel Gemüse und Fisch verringern“, verriet Nau. Man solle dreimal in der Woche 30 Minuten lang Ausdauersport treiben, etwa joggen oder schwimmen. Tanzen, musizieren und Neues auszuprobieren, halte geistig fit. Wichtig sei es, soziale Kontakte zu pflegen.

Von Michael Caspar

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