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Göttingen Demo gegen Abtreibungsgegner: Das müssen Sie wissen
Die Region Göttingen Demo gegen Abtreibungsgegner: Das müssen Sie wissen
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12:19 23.10.2018
Streitthema Abtreibungen: Gegen eine Veranstaltung der Gruppe R21 formiert sich Protest. Quelle: Peter Endig
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Göttingen

„Warum man Kinder – auch vor der Geburt – nicht töten darf“ lautet der Titel der Veranstaltung der christlichen Göttinger Hochschulgruppe Reformatio 21 (R21). In der Ankündigung für die Veranstaltung bemängeln die Abtreibungsgegner von R21 die „seltsame Diskrepanz“, zwischen der Forderung nach mehr Grundrechten für Kinder und der „umstandslosen Akzeptanz ihrer Tötung in Großstadtdimension pro Jahr“ bei Abtreibungen, heißt es auf der Facebook-Seite der Gruppe. „Jedes zu Tode gekommene Kind erregt normalerweise die Republik zu Recht – warum also ist die Geburt eine Schranke, die die Wahrnehmung offensichtlich entscheidend einschränkt?“, fragt R21 .

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Als Referent soll am Dienstag, 23. Oktober, ab 19.30 Uhr Gerhard Steier sprechen. Steier war nach Veranstalterangaben bis dieses Jahr Geschäftsführer des Vereins Kaleb und ist Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL). Der umstrittene Verband von Abtreibungsgegnern organisiert den jährlichen „Marsch für das Leben“ in Berlin. Hier träfen sich konservative bis völkisch-nationale Kreise jedes Jahr, um die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen und den Frauen das Recht der Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper zu nehmen: „Schwangere Personen werden bevormundet“, kritisieren die Gegner des Marsches. 

  Darum ist die Veranstaltung umstritten

Massive Kritik gegen die R21-Veranstaltung kommt von der Basisdemokratischen Linken (BL). Allein der Titel sei gleichbedeutend mit dem bekannten Slogan „Abtreibung ist Mord“. Niemand habe das Recht, über den Körper von Frauen zu bestimmen, Urteile zu treffen oder auch zu referieren, was seiner Meinung nach mit diesen Körpern passieren solle, kritisiert die BL auf Facebook. Frauen zu zwingen, ungewollte Kinder auszutragen, wie es etwa die Gruppe R21 und auch die AfD tun, sei „ein Eingriff in die körperliche Selbstbestimmung von Frauen und allen Menschen, die schwanger werden können“. Jeder sollte das Recht haben, selbst zu entscheiden, was mit dem eigenen Körper passiert.

Die Entscheidung darüber, ob man ein Kind austrage oder nicht, sei in erster Linie eine den eigenen Körper betreffende Entscheidung, argumentiert die BL und fragt: „Sind die Leben von Frauen für Gruppen wie R21 und die Heilsarmee tatsächlich weniger wert, als das Potenzial, das sich in einem Embryo bis zu drei Monaten nach der Empfängnis birgt?“ Die Antwort liefert die BL gleich mit: „Offenbar ja.“

Veranstaltung verlegt: Heilsarmee statt Uni

Die Hochschulgruppe wollte die Veranstaltung zunächst in den Räumen der Universität abhalten. Als diese der Gruppe den Raum aber nur gegen Miete vergeben wollte, wich die R21 zur Heilsarmee, Untere-Masch-Straße 13b, aus.

Uni-Sprecher Romas Bielke erläutert, warum die Uni R21 die Räume nicht, wie bei Hochschulgruppen sonst üblich, unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. „Bei der beantragten Veranstaltung handelt es sich um eine weltanschauliche Veranstaltung, die nicht auf die Hochschulöffentlichkeit beschränkt ist, sondern sich ausdrücklich an eine breite Öffentlichkeit richtet. Da diese Veranstaltung zudem nicht in Kooperation mit der Universität stattfindet und ihr Thema keinen überwiegenden Bezug zur Universität oder ihren Angelegenheiten aufweist, erfolgt nach den einschlägigen Bestimmungen keine Raumüberlassung.“

Damit widerspricht Bielke Heilsarmee-Sprecher Andreas Quiring. Der hatte am Mittwoch in einer Pressemitteilung „politische Bedenken der Universität“ angeführt.

Heilsarmee will „offenen Diskurs“

Die Heilsarmee habe nach Anfrage von R21 „ausnahmsweise“ den Raum für die Veranstaltung mit Abtreibungsgegner Steier zur Verfügung gestellt, erläutert Quiring weiter. Zum einen, weil die Heilsarmee davon überzeugt sei, dass es zu den Grundwerten einer Demokratie gehöre und deshalb auch möglich sein müsse, einen offenen Diskurs zu führen. Zum anderen, weil die Heilsarmee glaube, dass die Gesellschaft die Verantwortung trage, für andere zu sorgen und insbesondere das Wohlergehen gefährdeter Personen, einschließlich ungeborener Kinder, zu schützen und zu fördern. „Auch wenn die Heilsarmee nicht mit allen Positionen des durch den Referenten vertretenen Vereins Kaleb übereinstimmt, möchte sie die Veranstaltung aus den genannten Gründen dennoch ermöglichen“, führt Quiring weiter aus.

Protestaufruf auch auf Twitter

Die BL ruft unterdessen für Dienstag, 23. Oktober, zu einer Kundgebung unter dem Motto „Für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung“ am Platz der Synagoge, in direkter Nachbarschaft zur Heilsarmee, auf. Beginn soll um 19 Uhr sein.

Von Michael Brakemeier

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