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Göttingen Göttinger Schüler streiken für mehr Klimaschutz
Die Region Göttingen Göttinger Schüler streiken für mehr Klimaschutz
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00:22 17.12.2018
Morgens um acht Uhr versammeln sich die ersten Schüler zum Streik für den Klimaschutz vor dem Neuen Rathaus Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

8 Uhr, null Grad, ein Ziel: 25 Schüler haben am frühen Freitagmorgen vor dem Neuen Rathaus mit Plakaten und Durchhaltevermögen für „echten Klimaschutz“ und „schnellen Kohleausstieg“ demonstriert. Bis zum Mittag stieg die Zahl auf 100 an. Die Aktion war Teil der Kampagne „Fridays for Future“.

Mehr Bilder von der Demo:

Für mehr Klimaschutz und für einen schnellen Kohleausstieg haben am Freitag (14. Dezember) mehr als 80 Schüler in Göttingen demonstriert.

Und sie wollen weiter streiken, kündigten Ragna Diederichs (17) und Linus Steinmetz (15) vom Hainberg-Gymnasium an. „Im nächsten Jahr, vielleicht schon im Januar, planen wir, wieder zu demonstrieren“, sagte Steinmetz. Vorbild ist Greta Thunberg: „Mit ihr können sich viele hier identifizieren“, so Diederichs.

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15-jährige Schwedin Greta Thunberg Vorbild für viele Schüler vor Ort

Die von der 15-jährigen Schwedin im August ausgelöste Initiative ist zur internationalen Bewegung avanciert. Thunberg bestreikt seit Wochen freitags ihren Unterricht, demonstriert vor dem schwedischen Parlament für einen konsequenten Kampf gegen den Klimawandel – geradliniger und entschlossener als „ihre“ Abgeordneten ihrer Meinung nach handeln würden. Ihre Meinung wird geteilt.

Am Dienstagabend sei der Streik in einer WhatsApp-Gruppe angesprochen worden, sagten Diederichs und Steinmetz. „Das hat sich ganz schnell in den sozialen Medien verbreitet“, so die 17-Jährige. Durch den Tageblattartikel, den sie am Donnerstagabend online und am Freitagmorgen gelesen hätten, hätten weitere Schüler „spontan gesagt, dass sie auch streiken werden. Echt Cool.“

Schüler betonen: Göttinger Schulleiter haben Sympathien

Trotz Fernbleibens vom Unterricht befürchtet niemand ernsthaften Ärger: „Wir wissen, dass unser Schulleiter Sympathie für uns hat“, sagte HG-Schülerin Pauline Giesbert. „Die OHG-Schulleitung auch“, ergänzte Steinmetz. Das unentschuldigte Fehlen nehmen alle in Kauf. Die Jugendlichen streiken nicht gegen Maßnahmen ihrer Schulen, sondern für eine „Welt, für die es sich zu lernen lohnt“.

Lehrerin mit Schülern vor dem Neuen Rathaus

Dieses Argument stößt auf offene Ohren. Um 10.30 Uhr kamen 20 Schüler vom Otto-Hahn-Gymnasium auf den Hiroshimaplatz – begleitet von Latein- und Französisch-Lehrerin Gertrud Jaekel, „in Absprache mit der Schulleitung“. Sie wollten „etwa eine halbe Stunde“ bleiben. „Ich unterstütze das Anliegen der Schüler. Es gibt zurzeit wohl kein wichtigeres Problem weltweit“, erklärte die 63-Jährige. Wie sie dürften nicht wenige Lehrer stolz auf die 13- bis 17-Jährigen sein, die vor dem Rathaus ausharrten und der Kälte trotzten.

Weitere Teilnehmer waren vom Max-Planck-Gymnasium, Theodor-Heuss-Gymnasium und von der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule zur Kundgebung gekommen. Die Schüler hielten abwechselnd Plakate und setzten sich in kleinen Gruppe auf Decken, um zu lernen.

Beitrag dazu leisten, dass „die Welt nicht zerstört wird“

Die Schülerinnen Paula Müller und Hannah Wedekind betonten: „Was wir im Unterricht verpassen, werden wir nachholen. Dieses Thema ist ganz wichtig. Es darf nicht sein, dass unsere Welt zerstört wird“, so Müller. „Wir sind hier, weil wir nicht wollen, dass unsere Welt zu einem Plastikplaneten wird“, sagte Wedekind.

Hannes Kramer (14 / HG), Pauline Giesbert und einige Mitschüler hatten zwischenzeitlich an einer Rede gefeilt, die Kramer per Megafon vorlesen sollte – die kürzte er spontan ab, da alle wussten worum es geht: „Es ist schade, dass wir Unterricht verpassen. Aber es wird sich nichts ändern, wenn wir nichts tun. Die Politiker stören unsere Zukunft, nicht ihre eigene.“

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler: „Klimaschutz muss lokal unterstützt werden.“

In Kenntnis der Rechtslage, „die eine solche Demonstration nach Einschätzung des Kultusministeriums während der Schulzeiten nicht vorsieht“ (Stadt-Sprecher Dominik Kimyon), erklärte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Nachmittag: „Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, die lokal unterstützt werden muss. Da bin ich ganz bei den jungen Leuten. Mit dem ‚Göttinger Weg‘ ist unsere Stadt ist in Sachen Klimaschutz schon sehr gut aufgestellt. Wir werden auch weiterhin aktiv unseren Beitrag für mehr Klimaschutz leisten.“

Interview im Göttinger/Eichsfelder Tageblatt dem deutschen Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber 

Alle wichtigen Informationen über den Klimaschutz der Stadt Göttingen

Von Stefan Kirchhof

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