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Göttingen Demo vor Göttinger CDU-Haus
Die Region Göttingen Demo vor Göttinger CDU-Haus
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00:26 01.07.2019
Tobias Darge verlas einen Katalog mit Forderungen für mehr Klimaschutz, gerichtet an die Adresse der CDU. Quelle: Meinhard
Göttingen

 Mitstreiter vom Göttinger Klimabündnis haben am Freitagvormittag vor dem Gebäude des CDU-Kreisverbandes in der Reinhäuser Landstraße für ein stärkeres Engagement der Christdemokraten beim Klimaschutz demonstriert. Unter dem Motto „Tatort Klimazerstörung – wir ermitteln wegen unterlassener Hilfeleistung“ brachten die Teilnehmer der Aktion mehrere Forderungen zum Ausdruck, darunter die Zielsetzung eines Kohleausstiegs bis spätestens 2030. Der Campact-Aktivist Tobias Darge aus Göttingen las mehrere Forderungen vor. Der Zeitpunkt sei jetzt gewählt worden, um die CDU vor der politischen Sommerpause zu einem raschen Handeln beim Klimaschutz zu drängen.

Kohleausstieg vor 2038

Deutschland sei vor vielen Jahren Vorreiterland beim Klimaschutz gewesen, argumentierte Darge. Längst hätten andere Staaten der Bundesrepublik diesen Rang abgelaufen. Mehr als ein Viertel der europäischen Länder, sagte Darge, haben Kohleausstiege bis 2025 oder 2030 beschlossen (Deutschland bis 2038). China sei inzwischen führend beim Ausbau erneuerbarer Energien. Um Schritt halten zu können, müssten jetzt rasch Maßnahmen zum Klimaschutz getroffen werden. Darüber hinaus gelte es, weltweit Verantwortung zu übernehmen. Die Folgen eines Klimawandels, der auch von Deutschland ausgehe, würden „zuallererst Menschen im globalen Süden“ tragen, die ihre ökonomische Lebensgrundlage verlieren. „Weil aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels die Böden versalzen oder Inselstaaten im Meer versinken“, sagte Darge.

Gespräche im Vorgarten

Neben Wasser haben die CDU-Leute ihre Gäste mit aufgeschnittenen Melonen bewirtet. Quelle: Meinhard

Vertreter der hiesigen CDU hatten sich auf die Demonstration vorbereitet. Auf die knapp 60 vor allem jungen Aktivisten von Campact, Attac und anderen Initiativen warteten Wasser, Melonen und Gesprächsangebote. Es dauerte eine Weile, bis die ersten Demonstranten das dreiteilige Angebot annahmen und die Straße mit dem Vorgarten des CDU-Kreisverbandes tauschten. Hier entspannen sich nachdrücklich geführte Gespräche, für die auf CDU-Seite neben dem Landtagsabgeordneten Thomas Ehbrecht auch CDU-Ratsfrau Carina Hermann, der Fraktionschef der CDU im Rat der Stadt Göttingen, Olaf Feuerstein, Marlies Schügl von der Mittelstandsvereinigung der CDU und andere bereit standen.

Carina Hermann sagte, dass sie sich mit ihrem 17-jährigen Sohn den Clip des Youtubers Rezo angesehen habe und einsehen musste: „Wir sollten uns das nicht nur anhören, sondern uns auch damit beschäftigen, was er sagt.“ Ehbrecht meinte, dass die CDU ihr nachweislich vorhandenes Engagement für den Umweltschutz nicht ausreichend genug darstelle.

CDU als Umwelt-Partei

Auch andere Vertreter der CDU wiesen darauf hin, dass die Union in Göttingen sehr wohl umweltpolitische Themen aufgreife. „Wir haben das Naturschutzgebiet im Göttinger Wald initiiert und durchgesetzt, dass dort Pferde statt Rückemaschinen eingesetzt werden“, sagte Feuerstein. Außerdem hätte die CDU als erste Partei den Einsatz von E-Bussen gefordert und forciert. Ein Teilnehmer der Kundgebung sagte: „Ich habe früher auch gedacht: Hauptsache Arbeitsplätze. Aber wir machen unseren Planeten kaputt. Und wir reden nur. Wir müssen raus aus der Falle des Klimawandels.“ Sein Vorwurf an die Politiker: „Aber das schafft Ihr nicht.“

Neben dem Klimaschutz kamen unter anderem Themen wie Rüstungsexporte, Agrarindustrie und Digitalisierung zur Sprache. Auf Zetteln notierten die Teilnehmer der Aktion ihre Wünsche und Forderungen an die CDU. Die Christdemokraten sagten zu, diese Schriftstücke auf jeden Fall und sehr ernsthaft auszuwerten.

Protest gegen Schlachthöfe

Nicht alle Demonstranten nahmen das Angebot der CDU an, im Vorgarten des Hauses mit den Christdemokraten zu sprechen. Quelle: Meinhard

Die 21-jährige Julia W. demonstrierte konkret gegen die industrielle Tierproduktion, gegen Schlachthöfe und die „unannehmbaren Arbeitsbedingungen“ dort. Es finde in Deutschland kaum eine Veredelung von Lebensmitteln statt, bemängelte die junge Frau im Gespräch mit dem Tageblatt. Ihre Stellungnahme sei allgemein an die Gesellschaft und im Besonderen an die CDU als Regierungspartei gerichtet.

Anne Schreiner nahm auf Krücken gestützt an der Aktion teil. Um ihren Hals trug sie ein Plakat mit der Aufschrift „Oma für mehr Klima-Rettung“. „Ich finde es toll, was die jungen Leute machen. Das ist sehr unterstützenswert“, betonte sie,

Das begonnene Gespräch zwischen beiden Seiten soll am 13. Juli fortgesetzt werden. Dann will sich der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler mit den Klimaschützern treffen.

Im Anschluss der Aktion vor dem CDU-Haus zog eine Gruppe der Demonstranten zum Gebäude des SPD-Unterbezirkes in der Nikolaistraße. Schließlich tragen auch die Sozialdemokraten Regierungsverantwortung in Bund und Land, hieß es.

Von Ulrich Meinhard

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