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Göttingen Den Nachbarn erstochen: 56-Jähriger in Göttingen vor Gericht
Die Region Göttingen Den Nachbarn erstochen: 56-Jähriger in Göttingen vor Gericht
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20:01 13.05.2013
Von Jürgen Gückel
Tatort Groner Landstraße 9b: Spurensicherung kurz nach dem Leichenfund am ersten Januarwochenende 2013. Quelle: dpa
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Göttingen

Der andere, ein 56 Jahre alter Frührentner, verantwortet sich seit Montag wegen Totschlags vor dem Schwurgericht.

„Irgendwie habe ich zugestochen, einfach so“, sagte der Angeklagte gestern. „Ich konnte gar nicht glauben, dass ich getroffen habe. Wie im schlechten Film“, ergänzte er sein Geständnis. Dann sagt er noch: „Ich war erstaunt, wie tief das Messer reinging.“ Die Rippen durchdrang es und traf 17 Zentimeter tief ins Herz. Der Getroffene stand auf, brach dann zusammen und starb binnen Minuten.

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Dann hat es noch elf Tage gedauert, ehe der Angeklagte Hilfe rief. So lange lebte er mit der Leiche des 41 Jahre alten Mannes, der zwar im selben Haus ein Apartment hatte, der aber seit acht Monaten nur noch bei ihm wohnte, in einem Raum. Schließlich ging er zu Nachbarn und rief von dort den Notruf an: „Bei mir liegt eine Leiche.“

Und das Motiv? „Er hat mich beleidigt. Er fand das toll, sich über mich lustig zu machen, über mich, der sich für ihn den Arsch aufgerissen hat.“ Immer und immer wieder habe das spätere Opfer ihn in dieser heiligen Nacht und an den vorausgegangenen mit Schimpfwörtern belegt und dazu gegrinst.

Er habe, sagt der Angeklagte, „27 Schimpfwörter in allen möglichen Sprachen“ gekannt. In jener Tatnacht, der vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag, habe er ihn immer wieder mit einem Wort belegt, das angeblich portugiesisch sein sollte und eines der übelsten sexistischen Schimpfwörter sei, die der Mitbewohner gekannt habe.

3,12 Promille im Blut, als er starb

Er habe ihn vielfach aufgefordert, das zu lassen, bis er schließlich zum Messer gegriffen, ihm gedroht und schließlich zugestochen habe, als der nicht aufhörte und weiter nur grinste.

Eine wichtige Rolle bei der Tat spielte der Alkohol. Heiligabend hatte der Angeklagte schon drei Liter Wein getrunken. Am Tattag sollen es bis zu dreieinhalb gewesen sein. Sein Opfer hatte 3,12 Promille im Blut, als es starb. Der Angeklagte missbraucht zudem seit 27 Jahren Arzneimittel, sogenannte Tranquilizer.

Am Tattag will er zwei Tabletten genommen haben. Es sei so viel getrunken worden, dass man nicht einmal das Geschnetzelte gegessen habe, das er Heiligabend gekocht und tags darauf auf Teller verteilt habe. Der 41-Jährige habe immer gesagt. „Kein Hunger: Drei Bier sind ein Mittagessen.“

Er habe sich, sagt der Angeklagte, ein harmonisches Fest gewünscht, „besinnlich, wie ich es kenne“. Der Mitbewohner aber habe ihn unablässig provoziert. „Er sollte doch einfach nur aufhören damit.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert