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Göttingen Denkmal für die Göttinger Sieben: „Mauscheleien“ und „potente Spender“
Die Region Göttingen Denkmal für die Göttinger Sieben: „Mauscheleien“ und „potente Spender“
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19:32 25.07.2014
Von Michael Brakemeier
Konzept des Denkmals: Kritiker bemängeln hieran die falschen Proportionen des geplanten 4,1 mal 4 mal 2,5 Meter großen Sockels. Quelle: Möbus
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Göttingen

Damit ist das ausgeblieben, was sich Verwaltung und der Kreis der Denkmalschenker erhofft hatten: ein „einstimmiges Votum“, wie Hilmar Beck, Leiter des Fachbereiches Kultur, bereits im Mai formulierte.

Denkmale in Göttingen sind immer strittig“, schwante es ihm. Auch Andreas Büchting, Sprecher des Schenkerkreises und Aufsichtsratsvorsitzender der Einbecker KWS Saat AG sagt: „Es war die Erwartung und das Ziel der Stifter, eine breite Zustimmung für unser Denkmal der Göttinger Sieben zu erhalten. Trotz vieler Bemühungen ist das nicht gelungen.“

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Er empfinde es als anmaßend, „wenn die Denkmalkritiker der Künstlerin aufs Heftigste Hybris unterstellen, obwohl sie weder Christiane Möbus persönlich noch ihr Werk kennen“. Für Büchting war die Debatte im Rat parteipolitisch gesteuert.

„Das haben die Göttinger Sieben nicht verdient“

„Das haben die Göttinger Sieben nicht verdient. Seit 200 Jahren haben die Göttinger ihrer nicht gedacht, darauf hat auch Günter Grass verwiesen.“ Das Denkmal wolle anecken und nicht sieben vergessene Namen verklären, sagt Büchting. Er sei gespannt, ob die, die das Geschenk abgelehnt haben, nun „ein ihnen genehmeres Denkmal“ realisieren werden.

Vor allem die CDU und FDP im Rat hatten erhebliche Bedenken „gegen die Gleichstellung der Künstlerin mit den Göttinger Sieben auf dem geplanten Sockel“. Neben den Namen der Göttinger Sieben soll der Name von Möbus auf dem dem Ernst-August-Denkmal in Hannover nachempfundenen Sockel stehen.

Auch die Piraten hielten das Kunstwerk für „ästhetisch umstritten“. Ihnen fehlt die Offenlegung, wer zu dem Kreis der Schenker gehört. Pirat Martin Rieth fürchtet, dass daraus Begehrlichkeiten der Spender gegenüber der Stadt entstünden, ganz nach dem Motto:

„Hey, ich habe doch damals 100 000 Euro dafür gespendet, dass hier ein Denkmal für Zivilcourage aufgestellt wird, nun werft mir bitte nicht vor, dass ich dies oder jenes mache.“ Die Piraten sprechen von „Mauscheleien“.

„Wir bleiben nicht anonym, aber diskret“

Büchting kontert: „Wir bleiben nicht anonym, aber diskret.“ Neben ihm gehören Ottobock-Chef Hans Georg Näder, Kunstmäzen und Verleger Tete Böttger, Rechtsanwalt Jürgen Beyer und Immobilienmaklerin Gesa Baum-Beyer, Verlegerin Christiane Freudenstein-Arnold sowie der Soziologe Michael Schumann zu den Initiatoren. Büchting räumt ein: „Die Liste ist nicht vollständig.“

Etwa ein Dutzend der Stadt Göttingen verbundene Persönlichkeiten, hinter denen weder Unternehmen noch Organisationen stehen, gehörten dazu.

Gleichwohl haben Büchting und Co. für ihre Schenkung die Stiftung Niedersachsen zwischengeschaltet, die so nun der Künstlerin Möbus den Auftrag für das Denkmal erteilen und dieses der Stadt übereignen kann. „Durch die Stiftung Niedersachsen treten die einzelnen Namen der Stifter in den Hintergrund“, sagt Büchting.

„Gravierende“ Nachteile für die Stadt Göttingen

Ohne diesen Schritt wäre die Stadt nach dem niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz verpflichtet gewesen, die Zuwendungsgeber, die Zuwendungen und die Zuwendungszwecke der Kommunalaufsichtsbehörde zu übermitteln.

Aus verschiedenen Richtungen der Ratspolitiker ist zu hören, dass vor allem Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) und Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) daran gelegen war, die „potenten Spender“ nicht zu „verprellen“. Ganz „unverholen“, so gibt ein Politiker an, sei von der Verwaltungsspitze vor der Ratssitzung eine „Art Drohposition“ aufgebaut worden.

Würde die Schenkung abgelehnt, hätte das „gravierende“ Nachteile für die Stadt Göttingen, habe es geheißen.

480 000 Euro lässt sich der Stifterkreis das Denkmal kosten. Ab dem nächsten Jahr soll es auf dem Bahnhofsplatz stehen.