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Göttingen Der November als Zeit des Gedenkens
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20:31 15.11.2018
Der November ist traditionell eine Zeit des Gedenkens.
Der November ist traditionell eine Zeit des Gedenkens. Quelle: epd
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Göttingen

Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag: Der November ist traditionell geprägt von stillen Tagen. Sie sind eine Zeit des Innehaltens, der Besinnung und des Gedenkens. Viele Menschen besuchen Gräber von Angehörigen, die sie mit Kerzen und Gestecken schmücken, und in den Gottesdiensten wird der Name derjenigen verlesen, die im vergangen Jahr gestorben sind.

Für Pastor Martin Hauschild sind sie vor allem ein Stück Erinnerungskultur, denn Trauer gehe im Alltag schnell unter. Es sei gut, dass es dafür mit diesen Tagen einen festen Zeitraum gibt. Denn: „Das Thema Abschied und Tod beschäftigt uns irgendwann alle.“

Früher sei der Umgang damit klarer gewesen, der Friedhofsgang gewissermaßen gesamtgesellschaftlich verordnet. Heute blieben viele Menschen mit ihrem Verlust und ihrer Trauer allein. Um ein Zeichen dagegen zu setzen, organisiert Hauschild gemeinsam mit dem Bestatter Florian Benstem ein Fest der Erinnerung. Unter dem Motto „Weil es gemeinsam heller wird“ soll eine Gemeinschaft für Trauernde, „ein Schonraum“, geschaffen werden, erklärt Benstem. Zusammen zu singen, der Musik zuzuhören und den Verstorbenen zu gedenken, gebe Kraft und tröstet, ist Hauschild überzeugt. Auch falle es leichter, über Endlichkeit und Abschied in der Gemeinschaft nachzudenken.

Kein Raum für Trauer

Bereits seit sechs Jahren gibt es das Fest der Erinnerung, das immer am Buß- und Bettag gefeiert wird. Die Idee sei entstanden, weil er während seiner zehnjährigen Tätigkeit als Bestatter beobachtet habe, „dass trauernde Menschen oft in Isolation kommen“, sagt Benstem. Trauer sei ein großer Ausnahmezustand und die Betroffenen seien sehr dünnhäutig, gleichzeitig gebe es dafür wenig Raum im öffentlichen Leben. Früher hätten Menschen durch dunkle Kleidung signalisieren können, dass sie trauern. „Heute muss man nach zwei Tagen wieder funktionieren, doch so einfach ist Abschied nicht“, ergänzt Hauschild. Viele zögen sich deshalb zurück und mieden die Gesellschaft oder würden aus Unsicherheit gemieden.

In Göttingen gebe es zwar ein gutes Angebot für Trauernde, doch die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, sei seiner Erfahrung nach „wahnsinnig hoch“, berichtet Benstem. Beim Fest der Erinnerung könnten Menschen vielleicht leichter die Erfahrung machen, „dass man damit gar nicht alleine ist“.

Neben dem Angebot für Trauernde möchte Hauschild mit der Veranstaltung Achtsamkeit vermitteln. Deshalb richte sie sich nicht nur an Menschen, die jemanden verloren haben. Wer in diesen Tagen die Lichter auf den Friedhöfen sieht, werde daran erinnert, dass auch sein Leben endlich ist. Die Frage: „Was mache ich mit meiner Lebenszeit?“, stelle sich unweigerlich. „Wer sich mit Trauer beschäftigt, wird vorsichtig mit dem eigenen Leben, seiner Lebenszeit und den Menschen um sich herum“, sagt Hauschild.

Trauercafé schafft Gemeinschaft

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Stephan Brüger mit seinem Trauercafé. Seit fünf Jahren kommen dort Menschen zusammen, die jemanden verloren haben. Brüger ist Inhaber des Bestattungshauses Pfennig. Bei seiner Arbeit sei er von Angehörigen angesprochen worden, die auf der Suche nach einem Angebot für Trauernde waren, das nicht von der Kirche oder einer anderen Institution organisiert wird, aber nichts Passendes gefunden hätten. Das habe ihn dazu veranlasst, das Trauercafé einzurichten, erzählt er.

Zwischen 18 und 20 Teilnehmer kämen regelmäßig. „Sie weinen und lachen gemeinsam. Erfahren Miteinander und Gemeinschaft als wertvoll, weil jeder Teilnehmer die Gemütslage versteht“, berichtet Brüger. Daraus hätten sich bereits Freundschaften entwickelt.

Das Fest der Erinnerungen beginnt am Mittwoch, 21. November, um 19 Uhr in der St.-Albani-Kirche. Der Eintritt ist frei, wer möchte, kann für das Hospiz an der Lutter spenden. Die Teilnehmer des Trauercafés treffen sich alle 14 Tage dienstags ab 15 Uhr im Café im Posthof in der Pro Seniore Residenz Posthof an der Groner Landstraße 75. Die nächsten Termine können der Internetseite unter http://www.trauercafe-goettingen.de/termine.html entnommen werden.

Der Volkstrauertag in Südniedersachsen

Ökumenische Andacht zum Volkstrauertag mit anschließender Kranzniederlegung am Ehrenmal am Obertor Duderstadt. Quelle: Arne Bänsch

Den Volkstrauertag begehen die Bürger in der Region vielerorts mit Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen. Das Tageblatt hat im Folgenden einige dieser Veranstaltungen, darunter zentrale Gedenkfeiern, zusammengestellt.

Eine Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages richtet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Kreisverband Göttingen Stadt und Kreisverband Göttingen-Land am Sonntag, 18. November, aus. Beginn ist um 11.15 Uhr in der Halle des Alten Rathauses Göttingen, es besteht die Möglichkeit, gegen 11.55 Uhr mit einem Sonderbus der Göttinger Verkehrsbetriebe vom Markt zum Stadtfriedhof zur Kranzniederlegung zu fahren.

Eine Feierstunde zum Volkstrauertag und die Ausstellungseröffnung „Der Erste Weltkrieg in Northeim – Kriegsende 1918. Und dann?“ wird am Sonntag, 18. November, in der Stadthalle Northeim, Medenheimer Straße 4, und anschließend im Heimatmuseum, Am Münster 32, abgehalten. Davor ist um 10.30 Uhr eine Kranzniederlegung an der Ehrenstätte der Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Städtischen Friedhof geplant.

Eine Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag steht am Sonntag, 18. November, auf dem Programm in der Kirche St. Servatius in Duderstadt. Beginn ist um 17 Uhr. Die ökumenische Andacht halten Pastorin Christina Abel und Propst Bernd Galluschke ab. Es schließt sich ein Schweigemarsch zum Ehrenmal am Obertor an, wo Kränze niedergelegt werden.

Den Volkstrauertag begehen die Bürger in Hardegsen mit einer Gedenkfeier am Sonntag, 18. November. Das Programm umfasst einen evangelischen Gottesdienst in der St.-Mauritius-Kirche um 9.30 Uhr, anschließend eine Kranzniederlegung am Ehrenmal, die Eröffnung der Ausstellung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge um 11.30 Uhr und eine Kaffeetafel ab 14.30 Uhr im Burgstall.

Die zentrale Veranstaltung der Stadt Leinefelde-Worbis zum Volkstrauertag ist für Sonntag, 18. November, um 14 Uhr in der Kirche „St. Johannes der Täufer“ in Kaltohmfeld angesetzt. Im Anschluss werden am Mahnmal Kränze niedergelegt.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einer Gedenkveranstaltung begehen die Bürger in Hann. Münden den Volkstrauertag am Sonntag, 18. November. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr in der Evangelisch-reformierten Kirche, Burgstraße 8, anschließend beginnt die Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung am Mahnmal der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Der Opfer des Ersten Weltkrieges wird am Volkstrauertag in Osterode am Sonntag, 18. November, mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal Ührder Berg um 11 Uhr gedacht. Um 11.30 Uhr beginnt eine Gedenkfeier auf dem Ehrenfriedhof, Scheerenberger Straße.

Von Nora Garben

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