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Göttingen „Der erste Kranz wird immer der schönste“
Die Region Göttingen „Der erste Kranz wird immer der schönste“
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19:36 26.11.2010
Binden Adventskränze: (v.l.) Marianne Lorenz, Christa Hammer und Gisela Debuch.
Binden Adventskränze: (v.l.) Marianne Lorenz, Christa Hammer und Gisela Debuch. Quelle: Theodoro da Silva
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Christa Hammer zeigt, wie sie den Rohling bindet. Immer ein wenig versetzt fügt sie Lebensbaumzweige aneinander und umwickelt sie mit – möglichst grünem – Blumendraht. „Es ist wichtig, dass man ein bisschen nachzieht“, weist die Erfahrene die Anfänger ein. Die Zweige trocknen ja noch“, erklärt sie.

„Für einen Türkranz nimmt man es schön bunt“, weist Hammer auf die große, duftende, immergrüne Auswahl, die sie auf dem Tisch bereitgestellt hat: Douglasie, Eibe, stachelige Blätter. Aus Bovenden hat Hammer vieles mitgebracht. Seit 20 Jahren bindet die 75-Jährige dort Kränze für den Basar im „Haus der Mitte“. Für „Brot für die Welt“ werden sie verkauft. Was an Zweigen und Blättern übrig ist, nimmt die Eddigehäuserin mit. Wer Lust hat, kann mit diesen Resten seit drei Jahren im Alten Pfarrhaus seinen Kranz für zu Hause binden.

Karl Alois Bütefisch kommt mit neuen Zweigen. „Die sind zu groß“, wendet Hammer ein. Doch Bütefisch hat große Pläne. Er bindet einen ganzen Ast zum Rohling, um diesen dann mit kleineren Zweigen zu verdichten. „Ich bin hier die Anfängerin“, stellt sich Marianne Lorenz fröhlich vor. Aus Kassel ist sie angereist, um mit ihrer Schwester Monika Mehles aus Bovenden hier mitzumachen. Für neue Ideen haben sie eine Zeitschrift mit Beispielkränzen mitgebracht. Doch zunächst halten sie sich an die Anleitung von Hammer und binden ihre Rohlinge. Dass die ein bisschen viereckig werden, macht nichts. „Das gleicht sich aus“, sagt die Vorbinderin. Wichtig sei es, herauszufinden, in welche Richtung man am besten wickelt. Nachdem alle ihren Weg gefunden haben, sorgt Peter Burkhardt mit Weihnachtsgeschichten für die passende Atmosphäre.

Gisela Debuch bindet keinen Rohling. Sie hat einen Strohkranz mitgebracht. Gekonnt fängt sie an, ihn mit Zweigen zu bestücken. „Meine Mutter hat immer so einen riesigen Kranz gebunden“, erzählt sie und zeigt ein Wagenrad. Fünf Kinder seien sie zu Hause gewesen. Das Binden ihres Adventskranzes sei damals wie ein Fest gewesen. Kein Wunder, dass Debuch es noch gelernt hat. Ihr schlichter Kranz wird als erster fertig. Mit Vorleser Burkhardt trinkt sie einen Tee.

„Der erste Kranz wird immer der schönste“, weiß Mehles, die in diesem Jahr zum dritten Mal dabei ist. Für Lorenz scheint das zuzutreffen. Sie hat für ihren Kranz rote Beeren gefunden. Nur zum Ende kann sie nicht alleine kommen. Hammer zeigt, wie man den Draht sicher festdreht. Ob man seinen Kranz nur mit Kerzen verziert oder mit Schleifen und anderem Schmuck, das bleibt dem Geschmack des Binders überlassen. Und dann kann der Erste Advent morgen kommen.

Von Ute Lawrenz