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Göttingen Alter Göttinger Bahn-Film neu veröffentlicht
Die Region Göttingen Alter Göttinger Bahn-Film neu veröffentlicht
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00:23 01.04.2018
Die Bahn im Jahr 1962: Szene aus dem DB-Schulungsfilm.
Die Bahn im Jahr 1962: Szene aus dem DB-Schulungsfilm. Quelle: DB AG/VGB
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Göttingen

 Herausgebracht hat den Schulungsfilm der Deutschen Bundesbahn (DB) die Verlagsgruppe Bahn (VGB). Der 22-minütige Film ist aktuellen Folge ihrer Zeitschriften-Reihe „Bahn-Epoche“ als DVD mit dem Titel „Göttinger Bahnhofsszenen“ beigelegt.

Für Freunde der historischen Eisenbahn interessant sind unter anderem Aufnahmen des ganz normalen Bahnbetriebs Anfang der 1960er Jahre. Zu sehen sind unter anderem die Personenzug-Dampflokomotive P 8 (Baureihe 38.10), die schwere Schnellzuglok 01, auch in Doppeltraktion, und die damals sehr moderne Großdiesellok V 200. Zum Schluss zeigt der Film auch das Flaggschiff der Bundesbahn, den Dieseltriebzug TEE, bei seiner Fahrt durch das südniedersächsische Hügelland.

Eigentliches Thema ist allerdings die Service-Qualität bei der Bundesbahn. Der Schulungsfilm appelliert an die DB-Mitarbeiter, ihren Kunden mit Höflichkeit, Respekt und Freundlichkeit zu begegnen, statt sie nach dem Motto „Dienst nach Vorschrift“ oder „Dafür bin ich nicht zuständig“ kalt ablaufen zu lassen. Szenisch werden unfreundliche, mürrische oder unwillige Eisenbahner vorgestellt, denen die auch in anderen Filmen vorkommende Trickfilmfigur „Paulchen – der gute Geist“ auf die Sprünge hilft oder gegebenenfalls auch mal in den sprichwörtlichen Hintern tritt. Immer wieder werden die Eisenbahner an das damalige Motto des Unternehmens erinnert: „Sicher, schnell, bequem – lieber mit der Bundesbahn“.

Auch im Güterverkehr hilft „Paulchen“, Missstände abzustellen – beispielsweise durch sorgloses Rangieren auf dem Göttinger Ablaufberg nördlich des Bahnhofs. Oder den groben Umgang mit der bahn anvertrauten Transportgütern, für die dann die Bundesbahn erhebliche Schadensersatzleistungen aufbringen muss.

Kaum überraschend, wirkt einiges aus dem Film unfreiwillig komisch. So die kleine Kriminalgeschichte von dem Dieb, der sich am selig schlummernden Eisenbahner vorbei in den Gepäckwagen schleicht, um nach Wertgegenständen zu suchen. Doch als sich der Dieb mit seiner Beute auf den Weg in sein Abteil machen will, ist der ziemlich rundliche Eisenbahner aufgewacht und streckt den Mann mit einem energischen Handkantenschlag zu Boden.

Standbilder aus dem Göttinger Bundesbahn-Schulungsfilm aus dem Jahr 1962.

Außerdem werden eine Vielzahl von Dienstleistungen gezeigt, von denen sich die Bahn mittlerweile zu einem erheblichen Teil verabschiedet hat: Den Fahrradtransport oder Koffer- und Gütertransport in normalen Zügen etwa, in denen regulär Gepäckwagen eingestellt waren. Oder

In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Göttingen eine eigene, der Bundesbahn zugeordnete Filmabteilung. „Die Göttinger waren damals sehr aktiv“, sagt VGB-Chef Thomas Hilge, dessen Redaktion den Schulungsfilm von 1962 dem DB-Archiv und damit dem Vergessen entrissen hat. Die Göttinger Bahnfilm-Tradition begann bereits 1948, als „Alte Stadt im Lebensstrom“ gedreht und geschnitten wurde. Der 16-minütige Streifen war gedacht als Werbefilm für die damalige Reichsbahn, die nach der Behebung der immensen Kriegsschäden wieder einen regelmäßigen und zuverlässigen Betrieb anbieten konnte. Der Film zeigt den Tagesablauf in der Stadt Göttingen und den Bahnalltag zur Dampflokzeit.

Das Problem: Als der Film fertiggestellt war, hatte sich die Reichsbahn in Bundesbahn umbenannt. Die Folge: Das Schwarz-Weiß-Zeitdokument verschwand im Archiv, bis das Tageblatt den Film im Jahr 2004 neu herausbrachte.

Der DB-Schulungsfilm von 1962 ist enthalten in Heft 26 „Bahnsteigleben! Aufbruch und Alltag zwischen den Zügen“ der Reihe Bahn-Epoche der VGB für zwölf Euro.

Von Matthias Heinzel