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Göttingen „Wir fordern das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit“
Die Region Göttingen „Wir fordern das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit“
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00:20 31.03.2019
Astrid Schmidt (Verdi) über Belastungen bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit. Quelle: Lisa Marie Bohlander
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Göttingen

Sorgearbeit meint, sich beispielsweise um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Häufig arbeiten Frauen in Teilzeit, um eben dieser Arbeit nachgehen zu können, was auch durch kulturelle Rollenzuschreibungen bedingt ist. „Das ist ein wichtiger Punkt in der Diskussion“, sagt Schmidt.

Arbeitnehmer mit zusätzlicher Sorgeverantwortung sind in der Dienstleistungsbranche von zeitbedingten Vereinbarkeitsschwierigkeiten betroffen, wenn sie wenig Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung haben. Insbesondere Beschäftigte, die abends und am Wochenende arbeiten, leiden darunter, für beide Aufgaben und das Privatleben genug Zeit zu finden.

Zeitprobleme häufig bei Angestellten im Einzelhandel

Angestellte im Einzelhandel, die sich zusätzlich um Kinder oder Pflegebedürftige kümmern, haben häufig Schwierigkeiten mit der Verbindung der beiden Aufgabenfelder, zeigt die Studie. Dort profitieren bloß die Unternehmen von flexiblen Arbeitszeiten, indem sie ihre Angestellten in Reserve halten. Auch zählen häufige Überstunden und sich kurzfristig ändernde Arbeitszeiten zu den Problemen.

„Mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit noch Sorgearbeit betreiben, sagen, dass sie regelmäßig nach der Arbeit zu erschöpft sind, um sich noch um die Familie und das Privatleben kümmern zu können“, sagt Schmidt. Davon sind Berufstätige mit Sorgearbeit häufig betroffen, wenn sie mit Arbeitsstress, Arbeitsverdichtung und Zeitdruck konfrontiert sind. Insbesondere in Krankenhäusern leiden Angestellte, die zusätzlich Sorgearbeit leisten, unter belastungsbedingten Schwierigkeiten. Häufig sind Beschäftigte zusätzlich mit ständigen Erreichbarkeitsanforderungen und zu hohem Leistungsdruck konfrontiert. „Wir fordern das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit“, proklamiert Schmidt.

Handlungsauftrag für Gewerkschaften

Die Studie „Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit im Dienstleistungssektor“ ist eine gemeinsame Publikation der Verdi-Bereiche Innovation und Gute Arbeit, Genderpolitik und Frauen- und Gleichstellungspolitik. Die Daten kamen vom DGB-Index Gute Arbeit, einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2017. Dabei sollten Arbeitnehmer ihre Arbeitsbedingungen selbst beurteilen.

Von den insgesamt 4811 Befragten kamen 3280 aus dem Dienstleistungssektor, den die Studie näher betrachtete. Verdi betrachtete die Verteilung von Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern und untersuchte, wie sehr die Arbeitnehmer von Zeitmangel und Erschöpfung betroffen waren. Die Studie wird im Mai offiziell veröffentlicht.

Aus Perspektive der Beschäftigten in der Dienstleistungsbranche würden zeitliche Ressourcen und weniger entgrenzte Arbeitszeiten helfen, den Beruf und die Betreuungsarbeit besser zu koordinieren. „Das ist für uns als Gewerkschaften ein Handlungsauftrag“, sagt Schmidt. Letztendlich bleibe die Anerkennung und gerechte Verteilung von Sorgearbeit eine gesellschaftspolitische Frage.

Von Lisa Marie Bohlander

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