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18:38 27.08.2019
Anne Schreiner und Eckart Stedeler engagieren sich seit über 30 Jahren für Frieden ein. Jetzt haben sie mit anderen das neue Göttinger Friedensforum initiiert. Quelle: Ulrich Schubert
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Göttingen

In Göttingen hat sich ein neues Friedensforum gegründet. Aufgeschreckt durch die jüngste globale Entwicklung setzen sich die Initiatoren aktiv für Frieden und gegen ein zunehmendes globales Wettrüsten ein. Das Friedensforum sieht sich in der Tradition des früheren Göttinger Friedensbüros als ein Bündnis vieler Organisation und Einzelpersonen.

Noch kann das neue Friedensforum nicht an die großen Aktionen der früheren Göttinger Friedensbewegung gegen das Wettrüsten der USA und Sowjetunion anknüpfen. Mehrere Tausend Teilnehmer haben damals auf Kundgebungen in der Stadt für Frieden und gegen den NATO-Doppelbeschluss demonstriert. Unzählige Gruppen haben sich im zivilen Ungehorsam gegen Raketen-Stützpunkte in Europa positioniert. Zu den ersten Aktionen des neuen Forums in diesem Frühjahr kamen nur ein paar Dutzend.

Zieten, Ehrenmal und Deserteure

„Aber ich bin überrascht, wie viele Menschen und vor allem auch junge Leute uns doch unterstützen“, sagt Anne Schreiner. Die 75-jährige ehemalige Kindergartenleiterin gehörte schon in den 1980er-Jahren zu den aktiven Friedensdemonstranten in Göttingen. Ebenso der 69-jährige ehemalige Berufsschullehrer Eckart Stedeler.

Sie haben damals in ganz Deutschland an Blockaden und Großdemos teilgenommen und sich mit andere in Göttingen für echten und symbolischen Frieden sowie Abrüstung eingesetzt. „Wir haben unermüdlich den Abzug der Bundeswehr aus der Göttinger Zietenkaserne gefordert“, erinnert sich Stedeler. Auch „Störaktionen“ gegen Feierlichkeiten am umstrittenen Ehrenmal im Rosengarten sind Schreiner und Stedeler noch präsent. Sie haben mit ihren Mitstreitern die Initiative „Reservisten verweigern den Kriegsdienst“ unterstützt und sich für eine Gedenktafel für gefallene Deserteure der Weltkriege eingesetzt. Diese hängt seit 1990 am Hiroshimaplatz.

2013 musste das Friedensbüro schließen

Basis nahezu aller Göttinger Aktionen war damals das Göttinger Friedensbüro. Es war seit 1984 zentrale Anlaufstelle vieler Friedens-Gruppen, koordinierte ihre Aktionen und initiierte selbst Proteste. Getragen wurde das Büro von einem Verein. Finanziert wurde es aus Spenden. 2013 wurde es geschlossen. Es gab Probleme mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins und die Göttinger Friedensbewegung stand vor einer Spaltung, erklärt Stedeler.

Jetzt lassen der 69-Jährige und Schreiner die Bewegung im neuen Friedensforum wieder aufleben. „Aufgeschreckt“ habe sie die Aufkündigung des INF-Vertrages (Intermediate Nuclear Forces) durch US-Präsident Donald Trump im Februar. Das 1988 von Reagan (USA) und Gorbatschow (Sowjetunion) unterzeichnete bilaterale Abrüstungsabkommen über Kurz- und Mittelstreckenraketen habe über Jahrzehnte in gewisser Weise für Entspannung gesorgt. Dieser bewährte Kontrollmechanismus „ist jetzt ernsthaft in Gefahr“, erklärt Stedeler, „warum wir wieder auf die Straße gehen müssen“.

Angst vor immer mehr Atommächten

Hinzu kämen die Spannungen zwischen den USA und China, die schwierige Kommunikation Europas mit Russland und die instabile Lage im Iran. Erst Recht, weil auch andere Länder wie Pakistan und Indien nach eigenen Angaben Atomwaffen bauen.

Vor diesem Hintergrund hat das neue Bündnis im Umfeld der jüngsten Ostermärsche in der Göttinger Fußgängerzone bereits eine erste Kundgebung organisiert. „Auch, um das alte Friedensbündnis aus seinem Schattendasein zu holen“, sagt Schreiner. Zum Antikriegstag und 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges am kommenden Wochenende ist die nächste Aktion geplant, darüber hinaus ein Vortragsabend am 9. September.

Die nächsten Aktionen:

Zum Antikriegstag am Sonnabend, 31. August,organisiert das Göttinger Friedensforum eine Kundgebung. Sie beginnt um 11 Uhr am Nabel auf der Kreuzung Weender Straße/Theaterstraße.

Aktueller Anlass ist der 80. Jahrestags des Beginns des Zweiten Weltkriegs: Am 1. September 1939 marschierte die Reichswehr in Polen ein. In den folgenden Kriegsjahren starben 60 Millionen Menschen. Während der Kundgebung sind Beiträge verschiedener Göttinger Gruppen geplant, darunter der DGB, die Initiative „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“, das globalisierungskritischen Netzwerk Attac und die Bewegung „Fridays for Future“.

Darüber hinaus ist am Montag, 9. September,
ein Vortragsabend zur aktuellen Friedensbedrohung geplant. Der Journalist Andreas Zumach referiert zum Thema „Iran-Konflikt – wie lässt sich ein Krieg noch vermeiden?“. Beginn ist um 19 Uhr im Haus der Reformierten Gemeinde, Untere Karspüle 11.

Die neue Gruppe:

Und das Bündnis hat sich einen neuen Namen gegeben. Als Göttinger Friedensforum sieht sich die Gruppe als „Dachorganisation und offene Anlaufstelle für alle Einzelpersonen sowie Initiativen in der aktuellen Friedensbewegung“, erklärt Schreiner. Etwa sechs Mitglieder gehörten zum Kern – neben Stedeler und Schreiner auch jüngere Aktive. Das Forum komme zurzeit einmal im Monat zusammen. Nächstes Treffen ist am Mittwoch, 18. September, um 19 Uhr in den Räumen der „Selbsthilfe Körperbehinderter“ an der Neustadt 7 in Göttingen.

Von Ulrich Schubert

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