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Göttingen Klassenkampf in der Rikscha
Die Region Göttingen Klassenkampf in der Rikscha
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11:57 01.06.2019
An Rikscha hat keiner gedacht – auch bei den Grünen nicht, sagt Christoph Oppermann. Foto: Swen Pförtner Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Wir schreiben das Jahr 2019. Nein, keine Sorge. Das ist nur eine Floskel. Ich habe das gerade für Sie erledigt. Also: 2019. Frühjahr. Deutschland ist aufgewühlt, die Republik ratlos. Wie umgehen mit diesem Wahlergebnis? Das verdient einen genaueren Blick:

Rikscha statt SUV

20,5 % freuen sich ein Loch in die Tofu-Plautze. Noch eine weitere Wahl, und die Grünen sind stärkste Partei. Jetzt geht’s endlich los mit der Energie-, Verkehrs- und Klimawende. Viehmast wird verboten, individueller Pkw-Verkehr ebenso. Weil die Grünen sich allerdings inzwischen mehrfach gehäutet und von ihrem linken Gründungskern längst vollständig getrennt haben, machen sich findige Alt-Kapitalisten eine Argumentationslücke zunutze. Autofahren ist verboten, Radfahren erlaubt. An Rikschas hat kein Grüner gedacht, und so wird der dialektische Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit in der Fußgängerzone erst richtig gut sichtbar.

Funktioniert der Habeck-Look?

28,9 % haben die AKK-Truppe gewählt. Klingt fast wie PKK, ist inzwischen auch ähnlich gefährlich. Zahlreiche Wähler mit dem Makel eines Y-Chromosoms fragen sich: Müssen wir jetzt alle rumrennen wie der Habeck? Gute Frage. Wer will schon so aussehen, wie die eigene Schwiegermutter sich den Testosteron-Prototypen eines Womanizers im Rosamunde-Pilcher-Schmachtfetzen vorstellt?

SPD: Nicht wieder Karaoke!

15,8 % (die letzten Mohikaner, die die SPD noch auf dem Wahlzettel gefunden haben) denken überhaupt nicht an die Grünen, sondern haben immer noch Angst, dass die Vorsitzende gleich wieder Gesang anstimmt. Völlig berechtigt. Noch einmal Pippi-Langstrumpf-Karaoke, und die 5-Prozent-Hürde ist in greifbarer Nähe.

5,5 % rechnen kurz zusammen: 49,4 % haben Schwarz-Grün gewählt. Kein Mensch braucht uns Linke. Jedenfalls aktuell nicht für irgendeine Mehrheit. Auch kein schöner Gedanke.

Das gilt auch für die 5,4 % von der FDP.

11 % für die AfD: Ne – dazu fehlt mir die Phantasie.

Von der Göttingen-CDU lernen

Festzustellen bleibt, dass die etablierten Parteien wie CDU, CSU und SPD erhebliche Schwierigkeiten haben, mit der Zeit zu gehen und irgendeine Wählerklientel an sich zu binden. Das führt zu individuell sehr unterschiedlichen, insgesamt aber sehr putzigen Reaktionen. Eine Parteivorsitzende findet es total unfair, wenn ein YouTuber mit Schlumpf-Frisur die CDU nicht cool findet, eine andere will aus Trotz gleich noch mal wählen lassen – dieses Mal sich selbst. Beides wirkt nicht mal oberflächlich clever.

Wer bodenständig Politik machen will, wer als Kümmerer gelten will, darf in der Wahl der Themen nicht zimperlich sein. Hier gilt: Von der CDU Göttingen lernen heißt siegen lernen. Stadthalle ist als Thema durch, jetzt kommt das nächste dicke Ding: die vier ovalen Toilettenanlagen innerhalb des Walls. Hierzu fragt die Rats-Union im Vorgriff auf die Sitzung des Bau- und Planungsausschuss eisenhart nach:

„Wie sieht für die abzubauenden vier Standorte innerhalb des Walls der konkrete Zeitplan aus?

1. Bis wann werden an den verbleibenden drei Standorten die neuen Toiletten zur Verfügung stehen?

2. Ist daran gedacht, den Erneuerungsprozess zeitlich so zu entzerren, dass nicht alle Toiletten gleichzeitig abgebaut werden?

3. Sind bei einer längeren Vakanz provisorische Zwischenlösungen geplant?“

Das sind so Fragen. Wer strategische Mehrheiten sucht, muss sich eben auch um Trissebuden kümmern, statt sich an YouTubern abzuarbeiten.

Schönes Wochenende!

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de 

Twitter: https://twitter.com/tooppermann 

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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