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Göttingen Kolumne: Advent, Advent – das Auto brennt
Die Region Göttingen Kolumne: Advent, Advent – das Auto brennt
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06:00 07.12.2019
Adventskalender jeglicher Art hängen in den Stuben. Quelle: dpa
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Göttingen

Ich habe gerade unser Auto angezündet. Und was brauchen Sie, um so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen? Verglühte Bratwurst in Halbmeterkonfektion? Fruchtgepanschten Glühwein mit Sahnehäubchen? Oder wie wäre es mit dekorationsentstellter Wohnung? Und was macht überhaupt Ihre Außenbeleuchtung? Ist sie wieder heller als die paar Funzeln vom Nachbarn? Kurze Zwischenfrage: Kann es sein, dass die LED-Befeuerung von Vorgärten und Gebäudefassaden eine neue Qualität erreicht hat? Mein subjektiver Eindruck: In einigen Ecken des Landkreises kann man mittlerweile getrost nachts die Autolichter auslassen.

Countdown zur Vor-Vorweihnachtszeit

Ich muss gestehen, ich war so richtig in Stimmung, bis die Sache mit dem Auto passierte. Bei uns dreht sich nämlich schon seit Monaten eigentlich alles nur noch um das eine. Noch bevor die Freibadsaison so richtig vorbei war, hatten meine Süßen schon ihre ersten Vorbereitungen getroffen. Seither lief der tägliche Countdown ungefähr so: (neugierig) „Papa, wann ist eigentlich der erste Advent?“ – (freundlich) „In 105 Tagen, Schatz. Genau wie vor zwei Stunden.“ – (nörgelnd) „Das ist ja noch sooooo lange.“ – (sachlich) „Ja.“ – (beharrlich) „Papa, und wann kommt der Nikolaus?“ – (genervt)„111 Tage!“ – (penetrant) „Und Weihnachten?“ – (dämonisch grinsend und sehr leise) „Fällt aus, weil ich bis dahin alle Weihnachtsmänner und Christkinder im Garten vergraben habe.“ – (verständnislos) „Was hast du gesagt? Mama, ...“

Markus Scharf Quelle: Christina Hinzmann

Der Plastikweihnachtsbaum steht seit Anfang November im Wohnzimmer. Die selbstgebastelten Papiersterne vom Vorjahr hängen in der Küche von der Lampe. Sie sehen aus, als hätte sie einer der Hunde gefunden und nur widerwillig zurückgegeben. Die Hausherrin hat dazu in diesem Jahr erstmals eigenhändig Duftkerzen gegossen. Riecht interessant und hält das Ungeziefer fern. Andere Bereiche der Wohnung darf ich schon länger nicht mehr betreten, weil dort angeblich geheime Weihnachtsvorbereitungen laufen. Warum ausgerechnet ich die nicht sehen darf, ist mir nicht klar, aber ich kann mich an Regeln halten. Vor allem, wenn meine Töchter sie aufstellen.

Eskalation im Advent

Seit der Advent nun offiziell begonnen hat, wurde die nächste Eskalationsstufe gezündet. Meine Hunde müssen peinlich blinkende Halsbänder tragen. Es dauert jeden Morgen eine Viertelstunde, bis alle verdammten Türchen an den rund 20 Kalendern geöffnet und geleert sind. Außerdem wird in den kommenden Tagen an jeder Ecke gewichtelt, Weihnachtsfeiern oder Adventsmärkte wollen organisiert, Flötenkonzerte oder Krippenspiele vorbereitet werden. Wie wir da überall hinkommen, muss ich mir noch überlegen.

Denn die Familienkutsche habe ich ja wie erwähnt pünktlich zum ersten Advent angesteckt. Natürlich ohne Vorsatz. Ich wollte eigentlich nur ein Radio einbauen. Habe ich schon oft gemacht. Ich bin geschickt, ich kann so was. Aber dann war da plötzlich ein Kurzschluss, fürchterlich viel Qualm und lauter staunende Kinder. (hustend und neugierig) „Papa, warum machst du das?“ – (nach Ausrede suchend) „Ist doch mal was anderes als immer nur der langweilige Adventskranz.“ – (laut) „Mama!“ Den Rest des Gesprächs müssen sie sich einfach ganz doll weihnachtlich vorstellen.

Wünsche Ihnen noch eine schöne Adventszeit.

Sie erreichen den Autor unter:

E-Mail: m.scharf@goettinger-tageblatt.de

Von Markus Scharf

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