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Göttingen Die ersten syrischen Flüchtlinge treffen in Friedland ein
Die Region Göttingen Die ersten syrischen Flüchtlinge treffen in Friedland ein
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20:46 11.09.2013
Von Jürgen Gückel
Ankunft im Tor zur Freiheit: 106 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien treffen am Mittwochabend in Friedland ein. Quelle: Vetter
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Friedland

106 hergerichtete Betten in zwei für sie reservierten Bettenhäusern und fünf Rollstühle für die gehbehinderten Flüchtlinge erwarteten die Neuankömmlinge – und jede Menge Medienvertreter.

Dabei ist die Ankunft von Flüchtlingen aus Syrien in Friedland schon lange nichts besonderes mehr. Am Morgen zählte Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer 170 Syrer in seinem Haus. Sie alle waren allein, oft auf illegalen Wegen und nicht als Begünstigte des offiziellen Aufnahmeprogramms nach Deutschland gekommen und hatten in Friedland Asylantrag gestellt.

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Die ersten 106 von insgesamt 5000 Bürgerkriegsflüchtlingen sind im Grenzdurchgangslager Friedland eingetroffen. ©Vetter

Auch die 106 Neuankömmlinge, überwiegend Familien, davon allein 35 schulpflichtige Kinder, werden von Donnerstag an ihre Pässe abgeben, ihre Durchlaufpapiere und Essenskarten erhalten und ihren Asylantrag stellen. Bei ihnen aber, weil sie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bereits ausgewählt hat, wird es reibungslos gehen.

Binnen 14 Tagen werden sie Friedland wieder verlassen können und in ihre künftigen Heimatorte im ganzen Bundesgebiet verteilt.

Etwas kürzer als normal sind in diesen Tagen auch die Durchlaufzeiten für die eigenständig eintreffenden Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Afghanistan, Libanon, Pakistan, Türkei, Eritrea, Vietnam oder Georgien. Mit der etwas schnelleren Bearbeitung schafft sich das Grenzdurchgangslager den Platz für das per Sondermaschinen eintreffende Kontingent.

„Tor zur Freiheit“

Sie alle wurden in den Lagern im Libanon, wo sie für die Aufnahme in Deutschland ausgewählt wurden, untersucht. Einige sind gehbehindert, andere haben Augenprobleme, so dass in den nächsten Tagen Ärzte ins Lager kommen, um sie zu versorgen.

Die 60 Erwachsenen dürfen – anders als andere Asylbewerber – gleich mit einem Wegweiserkurs in Friedland beginnen, weil klar ist, dass sie länger bleiben. Ihr erster Weg in Friedland, dem „Tor zur Freiheit“, führte gestern in den Speisesaal.

Es gab typisch deutsches Abendessen mit Brot, Käse, Tee – und Wurst, natürlich ohne Schweinefleisch.

„Gebot der Menschlichkeit“ und „lebensrettende Geste“

Die Aufnahme syrischer Flüchtlinge ist von allen Seiten begrüßt worden. Viele allerdings halten die Zahl von nur 5000 Menschen, die vorerst von der Bundesrepublik aufgenommen werden, für zu niedrig. Die in Göttingen ansässige Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die Aufnahme von „mindestens 50 000 Syrern“.

GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch spricht von einer „dringend notwendigen lebensrettenden Geste“. Vor allem Angehörige der Minderheiten wie Kurden, christliche Assyrer-Aramäer, Drusen, Ismailiten und Yesiden sollten Zuflucht finden.

Auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann meldet sich zu Wort. Es sei ein „Gebot der Menschlichkeit“, Flüchtlinge aufzunehmen. Erfreulich sei, dass die SPD-geführten Länder zusätzliche Aufnahmekontingente anböten. Schließlich seien sechs Millionen Syrer auf der Flucht, zwei Millionen in Nachbarländern unter unerträglichen Bedingungen.

Daran erinnern auch Pro Asyl und Flüchtlingsrat Niedersachsen. Sie fordern unbürokratischen Familiennachzug und verweisen auf Schweden, das 8000 Syrer aufnahm und freien Familiennachzug gewährt.