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Göttingen Trotz Protest: Wird die katholische Boni II in Göttingen eine Schule für alle?
Die Region Göttingen Trotz Protest: Wird die katholische Boni II in Göttingen eine Schule für alle?
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19:06 23.10.2019
Ist die Bonifatiusschule II (hier ihr Standort an der Bürgerstraße) bald offen für Kinder aller Glaubensrichtungen? Quelle: Alciro Theodoro Da Silva
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Göttingen

Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es in Göttingen bald eine offene Oberschule – ohne Beschränkung für nicht katholische Kinder. Stimmt die Politik zu, wird die Stadt mit der katholischen Bonifatiusschule II kooperieren. Danach soll die bisherige Konkordatsschule zwar in Trägerschaft des Bistums Hildesheim bleiben, sich aber für alle Schüler öffnen – unabhängig von religiöser und weltanschaulicher Orientierung. Zugleich soll sie einen besonderen Schwerpunkt zur Berufsorientierung bilden.

Mit dieser Kooperation könne die Stadt zunehmende Probleme bei der Unterbringung bestimmter Kinder in einer weiterführenden Schule lösen, erklärt Göttingens Schuldezernentin Maria Schmidt. Zum einen gebe es immer mehr Kinder mit besonderem Förderbedarf, die überwiegend von den Gesamtschulen aufgenommen werden. Da für diese Kinder aber jeweils zwei Plätze angerechnet werden, fehlen Schulplätze für andere Kinder. Zum anderen gebe es immer mehr Kinder auch in höheren Jahrgängen, die zuziehen, als Migranten nach Göttingen kommen oder den Anforderungen an einem Gymnasium nicht gewachsen sind. Für sie gebe es aber in den Gesamtschulen keine freien Plätze.

„Etabliert, anerkannt und gerne angewählt“

„Wir brauchen also mehr bedarfsgerechte Schulplätze“, so Schmidt: „zum Wohle der betroffenen Kinder und um die Situation an den Gesamtschulen und Gymnasien zu entspannen“. Die Bonifatiusschule II biete sich an. Sie sei etabliert, anerkannt und werde gerne angewählt. Und das Bistum wolle jetzt den offenen Weg gehen.

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Dafür nennt der Sprecher des Bistums, Volker Bauerfeld, zwei Gründe. Bisher darf die Schule laut Konkordatsvertrag nur einen bestimmten Prozentsatz nicht katholischer Kinder aufnehmen. Somit müssten alljährlich viele Schüler abgewiesen werden. Damit sei es aber auch immer wieder schwer, wie geplant zwei Klassen je Jahrgang zu bilden. Zwei kleine Klassen wiederum seien schulfachlich und wirtschaftlich nicht zu vertreten. Zudem widerspreche eine Quote dem Inklusionsgedanken und wirke ausgrenzend.

Auch am Rosengarten hat die Boni II einen Standort. Quelle: Christina Hinzmann

Ein weiterer positiver Effekt für den Schulträger Kirche: Mit der Öffnung dürften die Schülerzahlen steigen und damit auch der Bedarf an Lehrern. Die könnten dann relativ problemlos aus Duderstadt abgezogen werden. Dort wird das Bistum seine Integrierte Gesamtschule (IGS) St.-Ursula schließen – 2023 werden die letzten Schüler verabschiedet, bestätigt Bauerfeld.

Konzept zur stärkeren Berufsorientierung

An diesem Donnerstag soll der Schulausschuss des Rates entscheiden, im November der Rat selbst. Stimmt er zu, soll die Verwaltung mit dem Bistum eine konkrete Vereinbarung ausarbeiten. Darin sollen auch finanzielle Fragen und der Einfluss der Stadt auch auf inhaltliche Fragen gesichert werden. Es soll außerdem ein Konzept zu einer starken Berufsorientierung geben. Und auch ein neuer Name für die künftig offene Oberschule ist im Gespräch. Vom Land genehmigt werden müsse die Schulöffnung nicht, sagt Schmidt.

Maria Schmidt Quelle: r

Der Schuldezernent des Landkreises Göttingen, Marcel Riethig, wertet den Vorstoß als „einen klugen Plan“. So könnten die offenkundigen Unterbringungsprobleme gelöst werden. Die bestehende Schul-Kooperation von Stadt und Landkreis sieht er in keiner Weise gefährdet. Sie regelt vor allem die Aufnahme von Kindern im 5. Jahrgang an den drei städtischen Gesamtschulen und an der IGS des Kreises in Bovenden. Der Haken: Bovenden kann nur angeboten werden. Laut Schulgesetz darf die Stadt abgewiesene Kinder nicht zwingend dorthin verweisen, nur empfehlen. Die jüngste Entwicklung in der Göttinger Schulpolitik sieht der Kreisdezernent allerdings als Chance, gemeinsam für eine Änderung des Schulgesetzes zu werben – und damit für ein Anmeldeverfahren, das alle vier Schulen gleichwertig einbezieht.

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Grüne, CDU, FDP und Linke haben in vorangegangenen Diskussionen Zustimmung für eine Kooperation mit der Boni II signalisiert – allerdings auch andere Lösungen eingeworfen. Dazu zählt eine eigene städtische Oberschule im Gebäude der auslaufenden Heinrich-Heine-Schule in Grone. Die SPD lehnt die geplante Kooperation mit der Kirche ab (siehe nebenstehenden Text). Der Schulausschuss tagt am Donnerstag, 24. Oktober, um 16 Uhr im Forum der Neuen IGS, Theodor-Heuss-Straße 25.

Darum ist die SPD gegen die Kooperation:

SPD will Boni II voll in städtische Trägerschaft überführen

Die SPDwird eine Kooperation zwischen Stadt und katholischer Kirche für eine offene Oberschule in Trägerschaft des Bistums in Göttingen ablehnen. Sie schlägt stattdessen vor, die Bonifatiusschule II in städtische Trägerschaft zu übernehmen.

Mit dem vorliegenden Grundsatzbeschluss „kaufen wir für viel Geld die Katze im Sack“, kritisiert Frauke Bury, Ratsmitglied und Vorsitzende des Schulausschusses. „Und wir fürchten, dass eine traditionell kirchliche Schule nicht wirklich offen ist für Kinder und Jugendliche aller Glaubensrichtungen“, ergänzt Conny Schley für den Vorstand des SPD-Stadtverbandes.

 

Das Bistum Hildesheim will die Oberschule Boni II für Kinder aller Glaubensrichtungen öffnen. Die Stadt wiederum braucht Schulplätze in allen Sek-II-Jahrgängen für Schüler, die in anderen Schulen nicht unter kommen. Vor diesem Hintergrund schlägt die Verwaltung eine Kooperation mit der Kirche vor: Die Boni II bleibt danach in kirchlicher Trägerschaft, kann aber von allen Kindern und Jugendlichen besucht werden. Der Stadt soll per Vertrag Einfluss auf Schulinhalte eingeräumt werden. Sie soll sich auch an den Sachkosten beteiligen.

An diesem Donnerstag soll der Schulausschuss des Rates darüber entscheiden, im November der Rat. Die SPD hält den Weg für falsch und will einen Änderungsantrag stellen. „Wir erkennen zwar die besonderen Standortvorteile der Boni II und auch ihren guten Ruf“, betont Bury. Auch die Möglichkeit, dort bei einer Öffnung in allen Jahrgängen Quereinsteiger aufzunehmen, sei von großem Wert. Um diese guten Möglichkeiten optimal zu nutzen und damit die Probleme lösen zu können, „brauchen wir aber vollen Zugriff“. Das heißt. Übernahme und alleinige Trägerschaft der Stadt.

Nur so werde ausgeschlossen, dass die Schule als Angebotsschule nicht doch Kinder ablehnt, sagt Schley. Zudem sei es sehr unwahrscheinlich, dass zum Beispiel muslimische Eltern ihre Kinder in eine katholisch geführte Schule schicken, selbst wenn sie faktisch offen ist. Außerdem gebe es im Verhandlungsauftrag, viele offene Fragen, so Bury: zum Beispiel zur Finanzierung und zu geforderten Konzepten für eine Duale Oberschule.

Von Ulrich Schubert

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