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Göttingen Über Israelkritik, Nahost-Konflikt und deutsche Angst
Die Region Göttingen Über Israelkritik, Nahost-Konflikt und deutsche Angst
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20:51 17.01.2020
Podiumsdiskussion "Antisemitismus oder berechtigte Kritik an Israel? Wo verläuft die Grenze?" im Deutschen Theater in Göttingen. V.l. Konstantin Kuhle, Jürgen Trittin, Rita Süssmuth, Alexander Schacht, Iris Hefets und Meron Mendel. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Die Verleihung des Göttinger Friedenspreises an die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ hatte in Göttingen im vergangenen Jahr einen Eklat ausgelöst. Die umstrittene Jury-Entscheidung und die Reaktionen aus Politik und Gesellschaft waren nicht nur Anlass für die Podiumsdiskussion am Freitagabend im Deutschen Theater, sie sorgten auch für ein volles Haus.

Gastgeber Erich Sidler betonte eingangs deutlich, dass das Theater der richtige Ort sei, diese Art der gesellschaftlichen Debatte zu führen. Er mahnte die Podiumsteilnehmer aber gleichzeitig, sich auf die Frage des Abends zu konzentrieren: Ist es möglich, Kritik am Staat Isreal zu üben, ohne sich dem Antisemitismusvorwurf ausgesetzt zu sehen. Im Vorfeld der Preisverleihung war der „Jüdischen Stimme“ wegen ihrer Unterstützung der Bewegung „Boycott Divest Sanction“ (BDS) eben genau dieser Vorwurf gemacht worden.

Themen überlagern sich

Doch das Podium erlag trotz der guten Moderation durch den Journalisten Daniel-Alexander Schacht immer mehr der Versuchung, das abgesteckte Terrain zu verlassen. So überlagerten die fünf Experten – neben den beiden in Israel geborenen Teilnehmern Iris Hefets und Meron Mendel waren das die aktiven und ehemaligen Göttinger Bundestagspolitiker Rita Süssmuth (CDU), Jürgen Trittin (Grüne) und Konstantin Kuhle (FDP) – zeitweise mehrere Fragestellungen.

Wie sieht moderner Antisemitismus aus und welche Narrative befördern ihn? Welche Verantwortung erwächst Deutschland in diesem Kontext? Ist die Fokussierung der vereinten Nationen auf den Staat Israel legitim? Und natürlich: Ist der Nahost-Konflikt lösbar? Zusätzlich lieferte sich Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne-Frank Frankfurt, mit Hefets, die als Vorstandsmitglied der „Jüdischen Stimme“ den Friedenspreis angenommen hatte, eine Auseinandersetzung darüber, welche Friedensorganisationen der guten Sache eher schaden als nützen.

Fehlende Stimmen

Trotz einer Länge von über zwei Stunden waren das eindeutig zu viele Themen für einen Abend. Gleichzeitig stellten die Gesprächsteilnehmer auch ein Defizit fest: Weder der Zentralrat der Juden (trotz intensiver Bemühungen) noch ein Vertreter der Palästinenser hatten eine Stimme in der Diskussionsrunde. Am Ende bedankte sich Sidler für das Interesse an einem Thema, das vermutlich an diesem Abend nicht zum letzten Mal in Göttingen diskutiert wurde.

Von Markus Scharf

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