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Göttingen Diskussionsabend zur Zukunft der botanischen Gärten in Göttingen
Die Region Göttingen Diskussionsabend zur Zukunft der botanischen Gärten in Göttingen
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18:50 24.10.2013
Von Andreas Fuhrmann
Soll in Zukunft wieder besser gepflegt werden: Alter Botanischer Garten in Göttingen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Sie sparten nicht mit Kritik. Immerhin sprach sich Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel erneut für die Erhaltung der grünen Oasen aus – auch wenn es noch eine Menge zu tun gebe.

Zuvor hatte Beisiegel in einem kurzen Vortrag die Bedeutung der botanischen Gärten für die Universität herausgestellt. Sie dienten nicht nur Forschung und Lehre, sondern seien auch als Sammlungen von hoher Bedeutung. Im Rahmen der Sammlungsinitiative habe die Universität Geld erhalten, das nun in Teilen auch in die botanischen Gärten fließen solle.

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Sie hoffe, so Beisiegel, dass das für einen Neustart ausreiche. Natürlich dienten die Gärten auch den Bürgern. Das zeigten schon die vielen Briefe, die sie in jüngster Zeit erhalten habe. Tenor: „Das muss besser werden.“

Alter Botanischer Garten

Gemeint ist damit vor allem die Situation im Alten Botanischen Garten. Das räumte auch Kustos Michael Schwerdtfeger ein. So seien in den vergangenen Jahren immer mehr Gärtnerstellen eingespart worden, auf nunmehr 7,5 Stellen. Dafür müsse die Uni jährlich rund 500 000 Euro aufbringen.

Als er studiert habe, habe es noch doppelt so viele Gärtner gegeben, sagte Schwerdtfeger.„Damals war der Garten picobello.“ Nun aber seien „schlimme Zeiten“ für botanische Gärten angebrochen. „Kollegen sind doch sehr entsetzt, wenn sie uns besuchen.“

Mit Entsetzen haben viele Bürger auch das Ergebnis der Umbauarbeiten im Eingangsbereich des Alten Botanischen Gartens aufgenommen. Für ein paar Parkplätze sei dort „Geld zum Fenster hinausgeschmissen“ worden, sagte ein Zuhörer. Zudem sei es Usus, bei solchen Maßnahmen auch neue Bäume zu pflanzen, ergänzte die Göttinger Naturschutzbeauftragte Britta Walbrun. „Das hätte dem Eingang auch gut getan.“

Weiden im historischen Garten?

Stattdessen sollten nun in einem Teil des historischen Gartens Weiden angepflanzt werden, „das kann man doch vergessen“, ärgerte sich ein Mann. Das sei geplant, weil dieser Bereich nicht mehr gepflegt werden könne, sagte Schwerdtfeger. Das sei ihr neu, sie werde darüber mit der Fakultät sprechen, versprach Beisiegel. Wenn, dann müsse der historische Garten ganz erhalten werden.

Das sei ein weiteres Beispiel mangelnder Kommunikation, sagte eine Frau: „Bevor man Tatsachen schafft, kann man doch mal über so etwas reden. Man hört nur noch Gerüchte.“ So heiße es zum Beispiel auch, dass eine Gärtnerstelle bislang noch nicht besetzt wurde. Da sei etwas „in der Verwaltung hängen geblieben“, sagte Schwerdtfeger. Beisiegel versprach, sich auch darum zu kümmern und bat um Verständnis. „Verwaltungen arbeiten eben manchmal langsam.“

Auch die Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern im Alten Botanischen Garten müsse besser werden, sagte ein Mann. Beisiegel stimmte ihm zu: „Das ist nicht gut gelaufen.“ Aber auch daran wolle man arbeiten. Das betonte auch Schwerdtfeger. „Wir wollen das auf vernünftige Füße stellen.“

Grüne Klasse

Schwierig dürften ähnliche Anstrengungen mit der sogenannten grünen Klasse werden, die viele wieder reaktivieren wollen. Der Universität sei es schlichtweg nicht erlaubt, Geld für den Schulbereich auszugeben, sagte Beisiegel. Daher sei die Verantwortliche der grünen Klasse, Gabriele Weis, über Drittmittel bezahlt worden.

„Für die Führungen von Schulklassen hätten wir uns von der Stadt Unterstützung erwünscht“, sagte Schwerdtfeger.Die ließ zwar in Person von Verwaltungsmitarbeiterin Claudia Leuner-Haverich ausrichten, dass sie die botanischen Gärten schätze. Zu Finanzierungsmodellen für die grüne Klasse aber sagte sie nichts. Stattdessen machen sich die Bürger Gedanken.Vielleicht könne man den botanischen Garten ja in das Programm der Kinder-Uni integrieren, sagte eine Frau. Das sei eine gute Idee, erwiderte Beisiegel.

Gute Ideen. Davon werden noch einige gebraucht. Denn Rolf Callauch, Kustos des Neuen Botanischen Gartens, äußerte sich skeptisch zur Zukunft der Gärten. Er sei zwar froh, dass sich Beisiegel der Sache annehme. Aber: „Der Wind steht nicht gut für botanische Gärten.“