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Göttingen Doppelmörder Jan O. will am 26. November ein Geständnis ablegen
Die Region Göttingen Doppelmörder Jan O. will am 26. November ein Geständnis ablegen
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20:09 25.11.2010
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Bislang schweigt der 26-jährige mutmaßliche Täter Jan O. zu den beiden Teenager-Morden. Seine Opfer, die 14 Jahre alte Nina und der 13-jährige Tobias, sollen heute und am Sonnabend beerdigt werden. Heinz Behrends, Superintendent des Kirchenkreises Leine-Solling, lobte im Vorfeld der Trauerfeiern die Presse für ihr Verhalten beim Gedenkgottesdienst am Dienstag in Bodenfelde. Der Kirchenvorstand hatte entschieden, dass Presse-Vertreter keine Bilder während des Gottesdienstes in der Kirche machen dürfen, um die Angehörigen zu schützen. „Die Vertreter der Printmedien und der Fernsehanstalten haben sich daran gehalten und die Würde der Feier respektiert“, erklärt Behrends. „Wir wissen, unter welchem Informations-Druck die Medienvertreter stehen“, so Behrends, „um so mehr wissen wir die Zurückhaltung im Zusammenhang des Gottesdienstes zu würdigen. Er hofft, dass dieses auch für die Beisetzungen gelte.

Jan O. sitzt in der JVA Rosdorf in Untersuchungshaft, bislang hat er sich nicht zu seinen Taten geäußert. Die Eltern des Mörders reden allerdings um so mehr. Die Mutter des mutmaßlichen Doppelmörders kontaktierte von sich aus die Medien. Der „Allgemeinen Zeitung“ in Uelzen sagte sie: „Ich will seine Taten nicht entschuldigen, aber mein Sohn ist auch ein Opfer.“ Ob ihr Kind tatsächlich das Potenzial zum Serienmörder habe, wisse sie nicht, sagte die Mutter. „Ich bete, dass es die beiden einzigen Opfer waren.“ Sie werde ihren Sohn im Gefängnis besuchen und auch den Prozess verfolgen. „Ich hasse ihn nicht, ich stehe zu ihm – egal, was er getan hat“, sagte sie. Gewalt sei in ihrer Familie Alltag gewesen. Jan O.s Vater habe sie vor den Augen des Sohnes immer wieder geschlagen. Der Mann hatte bereits am Vortag erklärt, er traue seinem Sohn die Taten durchaus zu.

Die Ermittler überprüfen auch, ob der 26-Jährige für weitere Verbrechen als Täter infrage kommt. „In der Region Südniedersachsen haben wir keine weiteren Fälle“, sagte der Northeimer Kripo-Chef Andreas Borchert. Mit Hilfe des Landes- und des Bundeskriminalamtes werde allerdings untersucht, ob Jan O. noch in anderen Regionen aktiv war. Dafür gebe es derzeit aber keine Hinweise. Der Polizeibeamte sagte, Jan O. habe kurz vor dem Mord an Tobias noch weitere Jugendliche angesprochen. „Er hat immer wieder Kontakte versucht, ohne dass es zu tragischen Folgen gekommen ist.“

bib/dpa

Im Interview: Psychiater Prof. Borwin Bandelow

Der Doppelmord von Bodenfelde hinterlässt bei vielen Bürgern ein Gefühl von Wut und Trauer. Was für ein Mensch ist dazu in der Lage, zwei Kinder brutal zu ermorden und sich mit der Tat auch noch im Internet zu brüsten? Britta Bielefeld hat dazu Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Göttingen, befragt.

Tageblatt: Wer ist in der Lage, zwei Kinder zu töten?

Bandelow: Ich habe mit diesem Täter nicht gesprochen. Allgemein aber gilt, dass hinter einer solchen Tat meist eine schwere, sogenannte antisoziale Persönlichkeitsstörung steckt.

Wodurch zeichnet sich eine solche Störung aus?
Oft sind solche Täter bereits seit ihrer Kindheit auffällig, haben Drogen- und Alkoholprobleme. Charakteristisch ist zudem, dass sie nicht aus ihren Fehlern lernen, also immer wieder in Konflikte geraten.

Jan O. hat seine jungen Opfer erstochen und erwürgt. Wie erklärt sich ein derart fehlendes Mitgefühl?
Oft stecken hinter solchen Taten sexuelle Motivationen, beispielsweise ein Hass auf Frauen. Dieser Fall ist allerdings sehr außergewöhnlich, weil der junge Mann aus reiner Mordlust gehandelt hat.

Haben Sie bereits mit solchen Patienten gearbeitet?
So etwas ist extrem selten. Bislang habe ich nur einen Täter, der Mordlust als Motiv hatte, kennen gelernt.

Wie gefährlich sind solche Täter?
Manchmal kommt zu der Persönlichkeitsstörung noch verminderte Intelligenz hinzu. Dann sind diese Menschen hoch gefährlich.

Jan O. hat sich im Internet damit gebrüstet, ein Mädchen „abgeschlachtet“ zu haben und kündigte an, weiter zu machen. Wie bewerten Sie das?
Dahinter könnte stecken, dass er eigentlich gehofft hat, dass die Polizei ihn schnappt.

Sind solche schweren Störungen therapierbar?
Wenn neben der Steuerungsfähigkeit auch noch Einsicht und Reue eingeschränkt sind, wird das schwierig.

Was wird mit dem Täter geschehen?
Dazu muss erst einmal ein ausführliches Gutachten erstellt werden. Möglicherweise ist Jan O. aber ein Kandidat für die Sicherungsverwahrung.