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Göttingen Doppelmord: Jan O. legt Geständnis ab
Die Region Göttingen Doppelmord: Jan O. legt Geständnis ab
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16:27 26.11.2010
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Jan O. hat die Taten vor dem Ermittlungsrichter in vollem Umfang eingeräumt . Er habe sein erstes Opfer, die 14-jährige Nina, am Montag, 15. November, zwischen 19 und 20 Uhr zufällig in der Nähe des Tatorts getroffen. Dort tötete er das Mädchen - mit Schlägen gegen den Kopf sowie durch Einwirkung eines spitzen Gegenstands, wie es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Göttingen heißt. Als Motiv gab Jan O. sexuelle Absichten an. Das Mädchen habe sich jedoch gewehrt.

Den 13-jährigen Tobias hat Jan O. nach eigener Aussage am Sonnabend, 20. November, nach 20 Uhr ebenfalls in der Nähe des Tatorts getroffen. Er habe sich entdeckt gefühlt und deshalb den Jungen getötet.

Auch ein bereits vorliegendes DNA-Ergebnis weist auf Jan O. als Täter hin: Nach den Untersuchungen des Landeskriminalamtes Niedersachsen stammt ein Blutrest an der Kleidung des Beschuldigten von dem 13-jährigen Tobias.

Gegen den 26-Jährigen war am Dienstagabend Haftbefehl erlassen worden. Er soll Nina und Tobias auf grausame Weise umgebracht haben. Nina ist am Freitagmittag unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. Am Sonnabend soll auch Tobias beerdigt werden.

In Bodenfelde findet am Freitag, 26. November, die Trauerfeier für die von dem mutmasslichen Doppelmörder Jan O. getötete 14-jährige Nina statt. Nina wird in ihrem Heimatort Bodenfelde beerdigt. Das zweite Opfer, der 13-jährige Tobias, wird am Sonnabend beigesetzt.

Etliche Trauergäste brachen in Tränen aus, als in der kleinen Christuskirche im niedersächsischen Bodenfelde der Gottesdienst für die ermordete Nina beginnt. Rund 500 Menschen waren gekommen, um dem Mädchen das letzte Geleit zu geben, unter ihnen auch viele Mitschüler. „Wir stehen verzweifelt, erschüttert und sprachlos vor der grausamen Tat und müssen von Nina Abschied nehmen“, sagte Pastor Mark Trebing vor dem zwischen Kerzen stehenden und mit weißen Blumen geschmückten Sarg. „Sie war doch noch so jung und hatte noch so viel Lebensweg vor sich. “ Jetzt gehe Nina einen anderen Weg „ganz nah bei Gott“, versuchte der Pastor die Hinterbliebenen in der bewegenden Trauerrede zu trösten.

Nach dem Gottesdienst gingen viele mit einer Kerze in der Hand dem Sarg voraus, um eine Menschenkette auf dem mehrere hundert Meter langen Weg von der Christuskirche zum Friedhof zu bilden. Bodenfelde will mit der Aktion ein Zeichen setzen für Hoffnung, Liebe und gegen Gewalt, wie auf einigen Schildern zu lesen ist. Auch eine knappe Woche, nachdem Nina und der 13-jährige Tobias ermordet aufgefunden wurden, stehen viele Einwohner des 3600-Seelen-Ortes noch immer unter Schock.

Die Stelle, an der Jan O. seine beiden Opfer umgebracht haben soll, liegt nicht weit von dem Friedhof entfernt, auf welchem der Sarg nun ins Grab hinuntergelassen wird. Die Gemeinde hat die Gräber der ermordeten Teenager entgegen dem ursprünglichen Belegungsplan in die Mitte des Friedhofs verlegt. „Die Angehörigen hätten sonst beim Besuch des Grabes auf den Tatort blicken müssen“, sagte Bodenfeldes Bürgermeister Hartmut Koch.

„Ganz Bodenfelde trauert mit den Angehörigen, wir alle sind tief betroffen“, so Koch, selbst den Tränen nahe. Der Weihnachtsmarkt in dem kleinen Ort ist wegen der grausamen Tat in diesem Jahr abgesagt worden. An kaum einem der Fachwerkhäuschen befindet sich weihnachtliche Dekoration. Doch das Leben müsse irgendwann weitergehen, sagte der Bürgermeister. Die Solidarität der Bewohner des Örtchens mit den Angehörigen von Nina und Tobias mache ihm Hoffnung.

dapd/jsp/han/bd