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Göttingen Doppelt so viele Fans wie 1990 feiern am Göttinger Gänseliesel
Die Region Göttingen Doppelt so viele Fans wie 1990 feiern am Göttinger Gänseliesel
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20:17 14.07.2014
Von Britta Bielefeld
13. Juli 2014: die Fans feiern den vierten Stern – bis 2.30 Uhr. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Deutschland ist Fußball-Weltmeister“: Das ist die Schlagzeile der Titelseite des Göttinger Tageblatts vom 5. Juli 1954.

Das Wunder von Bern dominiert allerdings nur die überregionalen Seiten, in Göttingen wurde damals offenbar nur wenig öffentlich gefeiert. Oder wenn, dann wurde nicht darüber berichtet. In Göttingen geht es stattdessen um einen Pfarrer Leppich, dessen Vorträge drei Tage lang durchs den Lokalteil wandern. Die Feier des „achten Weltwunders“ mit einer halben Million Fans wird aber zumindest aus München zu einem Thema für das Tageblatt.

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Der zweite Titel 1974: „Die deutsche Elf ist Weltmeister“, heißt es auf der Titelseite über einem strahlenden Franz Beckenbauer nebst Pokal. Feiern in Göttingen? Immerhin: Reporter Hermann Hillebrecht berichtet über „überfüllte Gaststätten“ und die Stimmung der Fans, mit denen er gemeinsam das Spiel in der Gaststätte am Sandweg schaut.In Zeiten von Bleisatz, analoger Fotografie, Stift und Block ist von spätabendlichen Berichten noch wenig zu lesen.

Aber dann: 1990. „Hupkonzert“, „Fahnenmeer“, „Tausende feiern WM-Erfolg“. Das Gänseliesel wird gestürmt, Kollege Kuno Mahnkopf berichtet – allerdings erst in der Dienstagausgabe – über die „längste Göttinger Nacht nach der Silvesternacht“. Das Spiel in Rom, bei dem Deutschland Argentinien wie auch 2014 mit 1:0 besiegt, wird um 20 Uhr angepfiffen – damals zu spät für aktuelle Berichterstattung.

Vor der Erfindung des Internets, der Digitalfotografie, von I-Pads und Smartphones müssen die Leser einen Tag warten. Schon vor 24 Jahren zog es aber rund 3000 begeisterte schwarz-rot-goldene Fußballfreunde zum Markt, um dort gemeinsam den Sieg der Nationalelf zu feiern.

Die Freude über den WM-Titel 2014 verlief nach Angaben von Polizei und Feuerwehr turbulent, aber friedlich. „Allerdings wurde mehr Alkohol konsumiert als bei früheren Spielen“, sagt Jasmin Kaatz von der Polizei. Auffällig: Rund 2500 Fahrzeuge machten beim Autokorso mit, die „neuralgischen Punkte“ wie Einfahrtstraßen in die City wurden von der Polizei gesperrt. Einige Wenige kleinere Auffahrunfälle gab es dennoch.

Die Rettungswagen der Feuerwehr waren im Dauereinsatz. „Rund 32 Einsätze nach 0 Uhr“ zählte Frank Dittrich von der Berufsfeuerwehr. Auch hier: Die meisten Einsätze standen in Zusammenhang mit Alkohol. Überwiegend handelte es sich um kleinere Verletzungen. Kaatz weiter: „Gegen 2.30 Uhr kehrte wieder Normalität in der Stadt ein.“