Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Werbung für Kunst und Kultur in Göttingen
Die Region Göttingen Werbung für Kunst und Kultur in Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 21.02.2019
Die KAZ-Akrobaten zeigen, wie der Mensch in einer gefühllosen digitalen Welt zur Maschine degradiert werden kann. Quelle: Peter Heller
Anzeige
Göttingen

 Mit Ausschnitten aus aktuellen Programmen und Repertoires haben etwa 200 Künstlerinnen und Künstler verschiedener Gruppen aus Göttingen und der Region an zwei Abenden das Publikum im Deutschen Theater Göttingen (DT) begeistert. Die Kunst-Gala war in ihrer 18. Auflage erstmals im DT zu Gast, weil die Stadthalle derzeit nicht genutzt werden kann.

Ausschnitte der Gala (Sonnabend):

Anzeige

Zunächst ergriffen die Vorstandsmitglieder des Kunst-Vereins das Wort. Nils König berichtete über die eng getakteten Proben seit 10 Uhr morgens, Inge Mathes über die Aktion „Rette dein Theater“. Anne Moldenhauer warb dafür, sich auf neue Göttinger Kulturorte einzulassen – und die Ersatzspielstätten des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO – Lokhalle), des Jungen Theaters (ehemalige Voigtschule) und des Kinos Lumière (ehemalige Baptistenkirche) zu entdecken.

Willi Arnold erklärte zum Konzept der Gala: „Wir wollen damit auch dazu anregen, die Gruppen, die hier Ausschnitte präsentieren, das ganze Jahr über zu besuchen.“ Außerdem appellierte er an das Publikum, sich gegen rechte Angriffe auf die Kulturszene zu wenden. Schließlich erinnerte er an die im vergangenen Jahr verstorbene Göttinger Kulturinstitution Michael Schluff.

Bildergalerie zur Kunst-Gala:

Ein vielseitiges Programm wurde den Besuchern der beiden Gala-Vorstellungen am 16. und 17. Februar geboten – hier einige Impressionen aus dem vielfältigen Programm.

Die Moderation übernahm dann DT-Intendant Erich Sidler, der charmant durch das Programm führte – und gelegentlich auch seine eigene Meinung unterbrachte: „Ich bin wohl einer der wenigen, der mit der jetzigen Stadthalle viel anfangen kann“, erklärte er etwa. Seine Begründung: Ein Zuschauerraum, in dem man von jedem Platz aus die Bühne sehen kann, habe auch Vorteile. Im DT sei dies nicht der Fall.

Höhepunkte am laufenden Band

Und trotzdem genoss das Publikum – auch aus dem Rang – das sorgfältig zusammengestellte Programm der diesjährigen Gala. Den musikalischen Auftakt lieferte das Solling Swing Orchestra mit Klassikern wie „In the mood“. Mit dem alltäglichen Konkurrenzkampf der heutigen Arbeitswelt setzten sich Tänzerinnen der Ballettschule Art la danse auseinander.

Um das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Individualität und dem Sog der getakteten Masse ging es auch in der zu Recht umjubelten Performance der KAZ-Akrobaten. Der nächste Höhepunkt schloss sich direkt an: Das Blechbläserensemble „GSO-Brass“ spielte insbesondere Händels „Einzug der Königin von Saba“ mit einer Leichtigkeit, als wäre das perfekte Beherrschen dieser Instrumente das erste, was ein Kind nach der Geburt lernt.

Kunst-Gala 2019 im Deutschen Theater – mit der jungen Vertikaltuch-Künstlerin Tosca. Quelle: Hans Peter Pagendarm

Die erst 15-jährige Tosca überzeugte mit spektakulärer Vertikaltuch-Akrobatik. „Sie hat sich das selber beigebracht“, betonte Sidler. Von der jungen Künstlerin sei in den kommenden Jahren sicher noch einiges zu erwarten. Auf recht drastische Art beschäftigte sich Christoph Buchfink mit dem Organhandel und dem „Ersatzteillager Mensch“. Sein Figurentheater-Stück „Hybrid B“ schwankte gekonnt zwischen knallharter Gesellschaftskritik und humoristischer Auflockerung.

Das Finale des ersten Teils bestand aus einer Vorschau auf die kommende Musikrevue des Jungen Theaters, „Personal Jesus“. Das titelgebende Depeche-Mode-Stück war allerdings nicht zu hören, dafür „Highway to Hell“ von AC/DC oder auch „Heroes“ von David Bowie. Das Werk Bowies sollte auch im zweiten Teil noch einmal Thema werden: DT-Schauspieler präsentierten musikalische Auszüge aus dem Bowie-Musical „Lazarus“, das im Juni Premiere feiern soll. Sidler kündigte hierfür einen „aufwendigen Bühnenaufbau“ an.

Gemeinsames Finale

Einen Vorgeschmack auf ein Lokhallen-Konzert am 7. Juni – dann gemeinsam mit dem GSO – lieferte die Göttinger Stadtkantorei mit einem Auszug aus Carl Orffs „Carmina Burana“. Die von Sidler als „wenig robust“ bezeichneten „Schmetterlinge im Bauch“ beschäftigten den Choreografie-Kurs des Hochschulsports Göttingen, bevor Bernd van Werven mit kreisenden Lichtstäben bunte Figuren und Bildfolgen auf die ansonsten dunkle Bühne zauberte. Zum Abschluss sorgte die Göttinger Blues’n’Boogie-Küche noch einmal für musikalische Ausrufezeichen – von Aretha Franklins „Think“ bis zur gefeierten Blues-Brothers-Zugabe „Sweet Home Chicago“, bei der alle Künstler des Abends noch einmal gemeinsam performen durften.

Dazu gehörten auch all jene Akteure, die in der Pause auf den anderen Bühnen des Hauses glänzten: die Theaterwerkstatt, das Domino-Improtheater und die inklusive Theatergruppe der evangelisch-reformierten Kirche im DT-2, Kim Lucian Shastri im DT-X und „petit noir a trois“ im Bellevue. Der Erlös der beiden ausverkauften Galas – insgesamt 15 000 Euro – soll diesmal Kooperationsprojekten der Göttinger Kulturschaffenden zugute kommen.

Von Markus Riese

18.02.2019
18.02.2019
18.02.2019