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Göttingen Drei Bürgermeister in zwei Jahrhunderten
Die Region Göttingen Drei Bürgermeister in zwei Jahrhunderten
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18:26 03.07.2009
Nachfahre einer Northeimer und Göttinger Honoratiorenfamilie: Tilo Rumann betreibt Ahnenforschung.
Nachfahre einer Northeimer und Göttinger Honoratiorenfamilie: Tilo Rumann betreibt Ahnenforschung. Quelle: Theodoro da Silva
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In den Städten Northeim und Göttingen haben Familienmitglieder der Familie Rumann stets politisch mitgewirkt. Es gab beispielsweise Johann Rumann und dessen Sohn Heinrich, im 16. und 17. Jahrhundert auf der Liste des Stadtarchivs von ehemaligen Göttinger Bürgermeistern. Eine Generation weiter, ebenfalls im 17. Jahrhundert, stellten die Rumänner in ihrer Herkunftsstadt Northeim den Bürgermeister: Joachim Christoph Rumann (1628-1682), Sohn des Juristen Hildebrand Giseler Rumann (1568-1631).

Über dessen Leben hat Tilo Rumann, ganz im Sinne der Familientradition Northeimer Ratsherr der „Bürger für Northeim“ (FW), einiges herausgefunden. Sein Vorfahr war Sohn des Johann Rumann und dessen erster Ehefrau Anna Weckenesel. Er besuchte das Göttinger Pädagogium und absolvierte zwischen 1584 und 1594 ein Studium der Rechte in Erfurt, Helmstedt und Heidelberg. Nach Erreichen der juristischen Doktorwürde, heißt es in der Allgemeinen Deutschen Biographie, kehrte Rumann in seine Heimat zurück.

1596/98 wurde er im Fürstentum Braunschweig-Lüneburg Hofgerichtsassessor und Konsistorialrat in Wolfenbüttel. In diese Zeit fällt seine Hochzeit mit Dorothea Jagemann († 1611), der sechs Kinder entstammen. Seit 1600 lebte er mit Genehmigung seines fürstlichen Arbeitgebers im väterlichen Haus in Göttingen. 1606 erbt Hildebrand Giseler von seinem Vater die Göttinger Kaufgilde. Sein Porträt und Lebensmotto, „nec repente nec temere“ (weder plötzlich noch zögerlich) finden sich auf Silbermedaillen wieder, die der Jurist aus Anlass seines 40. Geburtstages anfertigen ließ. Die Kopie der Gedenkmünze ist noch heute in Tilo Rumanns Besitz.

Ebenso die Noten zweier Musikstücke, die zur zweiten Hochzeit Hildebrand Giselers mit Katharina von Schneen († 1616) im Jahr 1612 komponiert wurden. Ein Hochzeitslied (Epithalamium) verfasste der Wolfenbütteler Komponist Michael Praetorius (1571-1621). Das zweite Stück stammt von dem Göttinger Musiker Siegfried Harnisch (1568-1623). Die 400 Jahre alten Dokumente ließ Tilo Rumann in der Göttinger Universitätsbibliothek restaurieren, um sie vor dem Verfall zu retten.

Großvogt zum Calenberg

Nach dem Tod auch der zweiten Ehefrau wenige Jahre später ging Hildebrand Giseler 1617 eine dritte Ehe ein. Anna Maria Wecke erlebte an seiner Seite die Belehnung durch den Landesherrn Herzog Friedrich Ulrich mit dem plessischen Dorf und der Gerichtsbarkeit Bösinghausen. Dort waren die Rumänner insgesamt 250 Jahre Erb- und Gerichtsherren.

Sechs Jahre vor seinem Ableben wird der Göttinger zum Großvogt zum Calenberg ernannt und bereist als herzöglicher Gesandter mehrfach Reichstage. Er stirbt 1631 in Hannover und wird dort am 5. April in der Marktkirche beigesetzt. Seine Frau überlebt ihn lange Zeit, ebenso zwei von vermutlich 14 Kindern. Der Sohn Joachim Christoph, späterer Bürgermeister von Northeim, setzt den Familienzweig fort, dem Tilo Rumann entstammt. Die Erinnerung an seinen Göttinger Vorfahren und dessen Zeit wird auch im Städtischen Museum Göttingen lebendig gehalten: Dort wird unter anderem eine von Tilo Rumann überlassene Rüstung aufbewahrt, die der Göttinger Bürger Hildebrand Giseler Rumann getragen hat.

Von Katharina Klocke