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Göttingen Drei Internetbetrüger vor dem Göttinger Landgericht
Die Region Göttingen Drei Internetbetrüger vor dem Göttinger Landgericht
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16:34 02.12.2013
Akten in einem Göttinger Gericht.
Akten in einem Göttinger Gericht. Quelle: dpa
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Göttingen/Northeim

Auch die Angebote waren verlockend: Mal gab es hochwertige Kaffeemaschinen oder i-Phones zu „unschlagbar günstigen Preisen“, mal eine „Tiefpreisgarantie“ für alle Elektronikartikel.

Mehr als 1600 Kunden kauften in den attraktiven Online-Shops ein. Auf die bestellte Ware warten sie allerdings heute noch: Die Internet-Shops existierten gar nicht, sondern dienten nur dazu, Vorauszahlungen von Kaufinteressenten zu kassieren. Seit Montag muss sich der 33-jährige Betreiber gemeinsam mit zwei Mitangeklagten wegen gewerbsmäßigen Betruges vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Der Staatsanwalt brauchte fast eine Dreiviertelstunde, bis er alle Anklagevorwürfe verlesen hatte. Der 33-Jährige Hauptangeklagte ist wegen 451 Straftaten angeklagt, die beiden mutmaßlichen Komplizen wegen 166 beziehungsweise 174 Taten. Insgesamt soll das Trio knapp 370 000 Euro von arglosen Online-Nutzern kassiert haben. Da nicht alle Taten angezeigt wurden, wird ihnen nur ein Schaden von rund 140 000 Euro zur Last gelegt.

Taten aus dem offenen Vollzug heraus begangen

Fast zwei Jahre lang hatte der 33-Jährige an seinem Wohnsitz im spanischen Alicante die fingierten Shops betrieben. Anfang Juli klickten dann bei ihm die Handschellen, ebenso bei zwei 55 und 35 Jahre alten Männern im Rheinland. Diese sollen ihn bei seinen Taten unterstützt haben, indem sie ihm für seine krummen Geschäfte Konten zur Verfügung stellten. Dafür erhielten sie jeweils 50 Prozent der von den Kunden überwiesenen Kaufsumme. Alle drei sitzen seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft.

Für den 55-Jährigen war dies allerdings nur mit einem Umzug in eine andere Gefängniszelle verbunden. Er ist bereits wegen Betrugsdelikten vorbestraft und hatte seine Taten begangen, als er zum Ende seiner mehrjährigen Haftstrafe im offenen Vollzug untergebracht war. Der Angeklagte verfügt indes nicht nur über einschlägige Erfahrung mit krummen Geschäften, sondern auch über eine bemerkenswerte berufliche Qualifikation:

Doktortitel in Zahnmedizin

Er ist zweifach promoviert und hat einen Doktorgrad der Medizin und der Zahnmedizin. Er soll über einen Mittelsmann eine Reihe von polnischen Staatsangehörigen dazu gebracht haben, gegen eine Entschädigung nach Deutschland zu kommen, hier ein Konto zu eröffnen und ihm die Dokumente mit den entsprechenden Bankdaten zu überlassen.

Spezialermittler der Polizei und Staatsanwaltschaft waren den Betrügern durch akribische Kleinarbeit auf die Spur gekommen. Anlass war eine Strafanzeige gegen einen Internethändler aus Northeim gewesen. Online-Kunden hatten diesen angezeigt, weil angeblich bei ihm bestellte Waren nicht geliefert worden seien. Es stellte sich jedoch heraus, dass Hacker sich unbemerkt seines Onlineshops bemächtigt hatten und darüber hinaus noch diverse weitere betrügerische Shops betrieben.

Von Heidi Nieman

Dieser Artikel wurde aktualisiert.