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Göttingen Dreiste Diebe stehlen Jägern Hochsitze vom Feld
Die Region Göttingen Dreiste Diebe stehlen Jägern Hochsitze vom Feld
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19:43 16.08.2011
Von Jürgen Gückel
Ungewöhnliche Beute: einer der zwei gestohlenen Hochsitze.
Ungewöhnliche Beute: einer der zwei gestohlenen Hochsitze. Quelle: Gückel
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Varmissen

Für Mirjam Wissel ist die Tat der vorläufige Höhepunkt eines seit Jahren schwieriger werdenden Kampfes gegen Diebstahl und Vandalismus, gegen wachsende Wildschweinpopulation, zunehmende Wildschäden und steigende Gefahr von Wildunfällen. Die 39-Jährige ist seit sechs Jahren Revieraufseherin der Gemeindejagd, die durch die viel befahrene B 3 durschnitten wird. Weil auch in diesem Feld- und Waldrevier immer mehr Mais und Raps angebaut werden, in denen sich Wildschweine wohl und in Sicherheit fühlen, werde es immer schwerer, die Sauen einerseits von der Straße fern zu halten, andererseits vernünftig und sicher zu bejagen und damit in akzeptabler Anzahl zu halten.

Die drehbaren Hochsitze, flexibel einsetzbar, weil transportabel, helfen dabei. Jetzt sind sie weg. Andere hölzerne Hochsitze werden immer wieder beschädigt, die Sprossen angesägt, die Kabinen aufgebrochen. Wilduhren, mit denen Jäger Wildwechsel überwachen, werden gestohlen. Die an der B 3 aufgestellten Stäbe mit flatternden Reflektoren, so Wissel, hätten genau eine Woche gewirkt. Dann waren auch sei gestohlen. Jetzt musste der Pächter für mehr als 1000 Euro modernste Reflektoren kaufen, um Wild von der Straße fern zu halten.

Bejage man das Schwarzwild nicht hinreichend, so Wissel, schlage sich das sofort bei zunehmenden Wildschäden nieder – zuletzt jährlich 500 Euro Schadensersatz für Landwirte, Tendenz steigend. Viele Kollegen seien dazu übergegangen, ihre Wildschadenszahlungen bei Abschluss neuer Verträge zu deckeln. Wissel begrüßt Pläne, die Schäden künftig zu dritteln: je ein Drittel tragen Pächter, Genossenschaften und Landwirte. Dann hätten alle Interesse, den Schaden gering zu halten. „Man ist doch auf ein gutes Verhältnis mit den Landwirten angewiesen.“

Und das Verhältnis der Jäger untereinander? Wissel mag niemandem etwas unterstellen, aber wer jagdliche Einrichtungen wie Hochsitze oder Wilduhren stehle, der müsse zumindest etwas von Jagd verstehen. „Militante Jagdgegner sind das jedenfalls nicht.“

Auch die Hochsitzdiebe müssen sich im Revier ausgekannt haben. Von der Straße aus war zumindest eines der Rohrgestelle gar nicht zu sehen. An zwei Tagen nacheinander müssen die Täter am 13. und 14. August ins Maisfeld gefahren sein und des nachts die mächtig klappernden Stahlkonstruktionen über einen Feldweg an Ossenfeld vorbei abgefahren haben. Zeugenhinweise werden erbeten unter Telefon 0 55 02 / 21 72.