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Göttingen Drogenberatung: Mehr Klienten
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00:17 25.02.2017
Von Jörn Barke
Der Konsum von Cannabis-Produkten nimmt besonders bei jungen Menschen weiter zu, sagt die Polizei. Quelle: dpa
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Göttingen

2014 habe die Drogenberatungsstelle im Drobz noch 138 Beratungen verzeichnet, erklärt Markus Lingemann. In den vergangenen beiden Jahren seien es dagegen jeweils um die 180 Beratungen gewesen. Auch die Zahl derjenigen, die beim Drobz eine ambulante Therapie absolvieren, sei von 2015 auf 2016 von 13 auf 23 gestiegen.

Im Hinblick auf die Zahl der Drogentoten seien die vergangenen drei Jahre schlimm gewesen, meint Thomas Klaproth vom Kontaktladen im Drobz. Mehrere Stammkunden seien gestorben. Kurz vor Weihnachten habe es zwei Männer getroffen, die erst Mitte dreißig gewesen seien. In solchen Fällen würden im Kontaktladen Fotos der Toten und Kerzen aufgestellt. Am 21. Juli beteilige sich das Drobz zudem mit einem Stand in der Fußgängerzone am Gedenktag für Drogentote.

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Die Polizeiinspektion Göttingen habe 2015 in ihrem Bereich 14 Drogentote registriert, erklärt Sprecherin Jasmin Kaatz. Für 2016 zeichne sich allerdings ein Rückgang der Zahl ab. Die Angaben beruhten auf Mitteilungen der Fachkommissariate, die für die Aufklärung von unnatürlichen oder ungeklärten Todesfällen zuständig seien. Bei den Fällen 2016 habe eher selten eine Überdosis zum Tod geführt. Meist sei dieser durch einen langjährigen Konsum mit entsprechenden gesundheitlichen Langzeitschäden verursacht worden.

Die Polizei verzeichnet laut Kaatz aktuell eine deutliche Zunahme des Aufkommens sogenannter Designerdrogen, die auch Legal Highs, Kräutermischungen oder Badesalze genannt werden. Dabei handelt es sich um künstliche hergestellte Rauschmittel, die aufgrund kurzfristiger Veränderung der chemischen Zusammenstellung zunächst nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, bis sie verboten werden. „Die Substanzen werden häufig im Internet aus dem Ausland erworben und gelangen auf dem Postweg nach Deutschland“, erläutert Kaatz.

Auch das Drobz beobachtet das Aufkommen dieser Drogen. Sie verursachten häufig heftige Schäden, die zunächst noch gar nicht bekannt seien, so Lingemann. Sie würden oft auch zur Leistungssteigerung genommen, im Partybereich, aber auch von Studenten oder arbeitenden Menschen.

In der Beratungsstelle sei die Hauptdiagnose seit einigen Jahren Cannabis-Konsum, führt Lingemann aus. An zweiter Stelle stehe das Thema Amphetamine. Der Konsum von Cannabisprodukten nehme besonders auch bei jungen Menschen stark zu, betont Kaatz: „Die von dieser Droge ausgehenden Gefahren werden leider häufig immer noch zu sehr unterschätzt.“

Opiatabhängige werden im Drobz in einer eigenen Abteilung bei der Drogenersatztherapie begleitet. Die Modedroge MDPV ist nach übereinstimmenden Beobachtungen von Drobz und Polizei mittlerweile nicht mehr so stark verbreitet. Dies führt Kaatz auf „umfangreiche polizeiliche Maßnahmen“ zurück. Allerdings sei die Tendenz wieder leicht ansteigend: „Der günstige Preis sticht hier das immense gesundheitliche Gefahrenpotenzial noch immer aus.“