Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Drogenprozess: Verteidigung plädiert auf Freispruch für 36-Jährigen
Die Region Göttingen Drogenprozess: Verteidigung plädiert auf Freispruch für 36-Jährigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 12.06.2019
Bei dem Angeklagten wurde Equipment für den Aufbau einer Indoor-Plantage gefunden. Quelle: dpa
Göttingen

Weil er einem damals 17-jährigen Jugendlichen mehrfach Marihuana verkauft haben soll, soll ein 36-jähriger Mann aus dem Altkreis Osterode eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten erhalten. Das hat die Staatsanwaltschaft zum Ende eines seit Januar laufenden Prozesses in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen gefordert.

Der Angeklagte habe sich der mehrfachen unerlaubten Angabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige schuldig gemacht, mehrere dieser Fälle seien als gewerbsmäßig zu werten. Die Staatsanwältin forderte außerdem, von dem Angeklagten einen Geldbetrag von 1805 Euro als Wertersatz einzuziehen. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch. Die Vorwürfe beruhten allein auf den Aussagen des damals 17-jährigen Zeugen. Diese seien allerdings widersprüchlich und nicht glaubhaft.

17-Jährigen angeheuert

Der 36-Jährige und der Jugendliche hätten sich vom örtlichen Schützenverein her gekannt, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Ende 2016 habe der Angeklagte dem heute 20-Jährigen zunächst 15 Gramm Marihuana verkauft, das dieser für sich und für andere Bekannte bestellt habe. Nachdem der Vater des damals 17-Jährigen auf dem Handy seines Sohnes auf den Chat-Austausch gestoßen war, habe es zunächst keine weiteren Kontakte mehr gegeben.

Im Mai 2017 habe der Angeklagte dann den 17-Jährigen dafür angeworben, bei ihm Marihuana auf Kommission zu erwerben, um es dann selbst gewinnbringend weiterzuverkaufen, sagte die Staatsanwältin. Der Jugendliche sei auf dieses Angebot eingegangen und habe mehrfach Chargen von je 20 beziehungsweise 100 Gramm Marihuana von dem Angeklagten bezogen. Einen Teil habe er selbst konsumiert, den übrigen Teil weiterverkauft und jeweils einen entsprechenden Gewinnanteil an den Angeklagten abgeführt. Im Juli 2017 habe dann der Vater des 17-Jährigen in dessen Schreibtisch den „Stoff“ entdeckt. Auf dessen Drängen hin sei der 17-Jährige dann gemeinsam mit seinem Vater zur Polizei gegangen, habe dort die Rest-Charge Marihuana abgegeben und ausgesagt.

Wohnräume und Werkstatt durchsucht

Die Polizei hatte danach die Wohnräume und die Werkstatt des Angeklagten durchsucht und dort Equipment für den Aufbau einer Indoor-Plantage gefunden, jedoch keine Drogen. Dies entlaste den 36-Jährigen aber nicht, sagte die Staatsanwältin. Die Angaben des Jugendlichen seien glaubhaft. Dieser habe auch kein Motiv gehabt, den Angeklagten zu Unrecht zu belasten. Vielmehr habe er sich durch seine Aussagen massiv selbst belastet. Außerdem habe ein anderer Zeuge ausgesagt, dass der 17-Jährige von einem Treffen mit dem Angeklagten mit einem Beutel Drogen zurückgekommen sei. Der 36-Jährige habe gewusst, dass dieser noch minderjährig gewesen sei. Er habe sich mit dem Drogenverkauf eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle verschaffen wollen.

Aussage gegen Aussage

Die Verteidigung machte dagegen geltend, dass Aussage gegen Aussage stehe und kein Zeuge den Angeklagten habe Drogen konsumieren oder verkaufen sehen. Nachdem der Vater des 17-Jährigen die Drogen gefunden hatte, habe der Sohn den Angeklagten belastet, um sich selbst zu schützen. Der 17-Jährige habe Straffreiheit durch die Kronzeugenregelung erreichen wollen, was ihm auch gelungen sei. Das Amtsgericht Herzberg habe den Jugendlichen in einem gesonderten Verfahren des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln für schuldig gesprochen, ohne eine Ahndung zu verhängen. Mit den Vorwürfen gegen den 36-Jährigen habe man „einem ungeliebten Mitbürger eins auswischen“ wollen. Dabei sei der Angeklagte vielfältig ehrenamtlich engagiert, unter anderem in der Feuerwehr, im Gemeinderat und im Kindergarten.

Von Heidi Niemann

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das ist wohl einmalig in Norddeutschland: Die Stadt Göttingen stellt jetzt mobile Fahrradständer – sogenannte CarBikePorts – auf. Sie will damit testen, wo feste Fahrradbügel fehlen. Dafür werden Parkplätze gestrichen.

15.06.2019

Joachim Posanz verteidigt seinen Europameistertitel in der Königsdiziplin des Feuerwehrsports Toughest Firefighter Alive (TFA) und sichert sich außerdem die deutsche Meisterschaft.

12.06.2019

Hinter den Plastik-Flamingos, die am Goerdelerweg Verwirrung gestiftet haben, steckt die evangelische Kirche. Die pinkfarbenen Vögel wurden dort zum Auftakt einer Fundraising-Aktion ausgesetzt.

12.06.2019