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Göttingen E-Busse weder problemlos noch billig
Die Region Göttingen E-Busse weder problemlos noch billig
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17:43 24.05.2017
Von Matthias Heinzel
In Leipzig fahren bereits probeweise Elektrobusse mit Ladeeinrichtungen an den Endstationen. Quelle: dpa
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Göttingen

Das sei in erster Linie den höheren Preisen für Elektrobusse geschuldet, erklärte Fraunhofer-Gutachter Thoralf Knote im Umweltausschuss des Rates der Stadt Göttingen. Mit Batteriestrom betriebene Busse kosteten zweieinhalb- bis dreimal soviel wie herkömmliche Dieselbusse, für die nur etwa 16,3 Millionen Euro aufgewendet werden müssten. Aber auch die Installationen von Ladestationen gingen ins Geld. Dass die derzeit auf dem Markt verfügbaren Batteriebusse technisch ausgereift seien, sei eine Illusion, sagte Knote. Bei ihnen handele es sich bestenfalls um Vorserienfahrzeuge, die noch mit zahlreichen Kinderkrankheiten behaftet seien.

Nach wie vor ein großes Problem laut Knote: der Stromverbrauch von Heizung und gegebenenfalls Klimaanlage. Beide fräßen reichlich Energie und beeinträchtigten daher die ohnehin eingeschränkte Reichweite von 150 bis 200 Kilometern noch einmal erheblich. Dieses Problem, so Knote, sei „völlig ungelöst“. Stadt und Verkehrsbetriebe sollten sich daher überlegen, Fahrzeugheizungen mit Brennstoffen statt mit Strom zu betreiben, riet Knote. Andererseits sei bis 2030, erst recht bis 2040, mit großen Fortschritten in der für die Leistungsfähigkeit der Elektrobusse entscheidenden Batterietechnik zu erwarten. Knote rechnet bis 2025 mit einer Leistungssteigerung von etwa 30 Prozent.

Trotz dieser vor allem technisch bedingten Einschränkungen könne die Stadt bis zum Jahr 2018 sechs Elektrobusse beschaffen und auf dafür geeigneten Strecken einsetzen. Dafür kämen beispielsweise die Linien 41 und 42 (Weende-Grone) mit sechs Bussen in Frage. Folgen könnten die Linien 31 und 31 (Grone-Weende Nord) mit sieben Fahrzeugen. Für eine weitere Umstellungsstufe seien die Linien 11, 12 (Holtensen-Geismar), 21 und 22 (Geismar-Nikolausberg) vorstellbar. In diesen ersten Umstellungsstufen sei es sinnvoll, sich nicht nur auf eine Hauptladestation der Verkehrsbetriebe im Industriegebiet zu verlassen, sondern weitere Ladestationen an den Endhaltepunkten zu installieren. Nur dann sei der Betrieb reiner E-Bus-Linien möglich. Außerdem sollten als Reserve herkömmliche, aber moderne Dieselbuss als Reserve bereitgehalten werden. Erst später sei bei verbesserter Batterietechnik denkbar, auf Ladestationen an den Endhaltestellen zu verzichten, und erst 2040 sei ein Betrieb ausschließlich mit Elektrofahrzeugen vorstellbar.

Hybridbusse – Ungeeignet oder Einstieg in neue Technik?

Umstritten im Umweltausschuss war die Ausstattung der Göttinger Verkehrbetriebe (GöVB) mit Plug-In-Hybrid-Bussen – Fahrzeugen mit Elektromotor, Batterie mit nur moderater Leistung und Verbrennungsmotor. Gutachter Thoralf Knote riet von einer Beschaffung von Hybrid- wie auch von Brennstoffzellenbussen ab, weil solche Fahrzeuge für die Göttinger Topografie mit ihren teils steilen Strecken ihre Vorteile kaum ausspielen könnten. In seinem Gutachten führte Knote zudem aus, einziger Serienhersteller von Hybridbussen sei Volvo, dessen Fahrzeug allerdings gerade einmal zehn Kilometer weit rein elektrisch fahren könne. Dafür dauert das Aufladen der (kleinen) Batterie gerade einmal sechs Minuten.

Die CDU im Umweltausschuss hingegen hatte sich dagegen für die von Knote abgelehnten Hybridbusse eingesetzt, von denen die Verkehrsbetriebe ohnehin bereits drei Exemplare fest bestellt hat. Unterstützung für die von der CDU favorisierten Technik gab es denn auch von den Verkehrsbetrieben. Deren Führung erklärte, die Hybridfahrzeuge seien nicht nur wegen ihrer Einsatzmöglichkeiten im Streckennetz wichtig für das Unternehmen. Die Hybridtechnik als Einstieg in die ÖPNV-Elektromobilität sei geeignet, das GöVB-Wartungspersonal mit der für sie völlig neuen Elektrotechnik vertraut zu machen.

Hans Otto Arnold und Hans-Georg Scherer von der CDU sahen sich mit ihren früher vorgetragenen Hybrid-Forderungen bestätigt. „Mit dem jetzt vorgestellten und beschlossenen Konzept“, erklärte Scherer, „zeichnet sich jetzt endlich ein klarer Wandel ab, auch wenn der Systemwechsel Jahrzehnte bis zur vollen Umsetzung benötigen wird.“