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Göttingen „Dieses Kabel versorgt die ganze Stadt“
Die Region Göttingen „Dieses Kabel versorgt die ganze Stadt“
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20:00 16.05.2019
EAM verlegt 110 KV-Leitung Quelle: Scharf
Göttingen

Wer derzeit in Stoßzeiten versucht, zügig über die Haupteinfallstraße von Grone in Richtung Innenstadt zu fahren, wird spätestens auf Höhe des Stadtfriedhofs ausgebremst. Eine Fahrspur ist gesperrt. Hier baut die EAM und investiert rund 3,5 Millionen Euro. Der kommunale Stromnetzbetreiber verlegt ein neues 110-KV-Kabel zwischen den Umspannwerken Grone und Leinestraße.

Was den ein oder anderen Verkehrsteilnehmer fluchen lässt, ist notwendig, um auch zukünftig die zuverlässige Stromversorgung im gesamten Stadtgebiet zu gewährleisten, sagt Armin Schülbe, Leiter des EAM-Regionalzentrums Nord. Zum Teil stammen die Kabel hier aus den 1960-er Jahren und bedürfen einer Erneuerung. Der 2,6 Kilometer lange Abschnitt, an dem seit März gebaut wird, ist Teil der ringförmig verlegten Hochspannungsleitung, die auf 19 Kilometern die vier Umspannwerke verbindet.

Verkehrsführung an der Baustelle

Während der Erneuerung des Hochspannungskabels werden sich Verkehrsbeeinträchtigungen in den Monaten bis Oktober nicht verhindern lassen, heißt es von der EAM. Die Iheringstraße ist stadteinwärts gesperrt und nur noch einseitig befahrbar. Eine Umleitung über das Groner Tor und den Rosdorfer Weg ist ausgeschildert. Für die Arbeiten an der Kasseler Landstraße stadteinwärts wird die Straße von zwei auf eine Fahrbahn verengt.

Wer bei Hochspannung an weithin sichtbare Überlandleitungen und große Masten denkt, wird innerhalb der Göttinger Stadtgrenzen lange suchen müssen. 2013 wurde das Stromnetz auf dem letzten Abschnitt zwischen Grone und Rosdorf unter die Erde gelegt. Und dort muss auch die neue dreiadrige Drehstromleitung hin. Allerdings muss dafür nur an einigen Stellen der Boden geöffnet werden. Die Leerrohre für die abgeschirmten Kupferadern werden im sogenannten Spülbohrverfahren in etwa 1,5 Metern Tiefe gebracht.

Dazu wird zunächst ein Gestänge in den Boden geschoben. Der Bohrkopf ist steuerbar und frisst sich auf der geplanten Trasse durch den Untergrund. Stößt er auf Widerstand wie Gestein, weichen die Arbeiter entweder auf eine andere Tiefe aus oder setzen schwereres Gerät ein. „Wir haben hier aber überwiegend Lehm-Ton-Boden“, erklärt Bauleiter René Föllmer. Bisher gab es also keine großen Schwierigkeiten.

Was ist eine 110 KV-Leitung?

Bei 110 KV-Leitungen handelt es sich um sogenannte Hochspannungsleitungen. Diese werden üblicherweise mit Dreiphasenwechselstrom betrieben, was gegenüber einer Gleichspannungsübertragung den Vorteil einer einfachen Spannungsänderung mit Transformatoren bietet. Andererseits bringt die Wechelspannungsübertragung höhere Übertragungsverluste mit sich.

Die EAM als Verteilnetzbetreiber unterhält neben den 1-KV-Ortsnetzes und 20 KV-Mittelspannungsnetzen in der Stadt Göttingen das 110-KV-Hochspannungsnetz.Dieses wird über zwei Übergabestellen durch den vorgelagerten Netzbetreiber mit Strom versorgt. In den Umspannwerken wird die Energie auf 20000 Volt Mittelspannung transformiert. An den elf Schaltstationen wird diese nochmals herabgesetzt und über das 1-KV-Netz an die Haushalte verteilt.

Hat der Bohrer sein Ziel erreicht, wird er zurückgezogen und spült auf dem Rückweg ein größeres Loch frei, in dem anschließend die Kunststoffrohre Platz finden. Die werden vor Ort auf eine Länge von 200 Meter zusammengeschweißt und bieten dem Stromkabel Schutz vor allem, was sie unterirdisch angreifen könnte, inklusive zukünftiger Tiefbauarbeiten. Liegen die Rohre, wird ein Drahtseil hindurchgeschossen, an dem schließlich vorsichtig die Kabel an ihren Bestimmungsort gezogen werden.

Die EAM schreibt in ihrer Pressemitteilung, mit dem kontinuierlichen Ausbau des Stromnetzes trage man den steigenden Anforderungen an die Stromversorgung Rechnung. Das neue Kabel entspreche dem neuesten technischen Stand und habe eine Übertragungskapazität von 120 Megavoltampere – deutlich mehr als das 50 Jahre alte Kabel. Damit können nicht nur bisher übliche Leistungsspitzen abgebildet werden, sondern auch zukünftigen Anforderungen.

Auf Elektromobilität vorbereitet

Arbeiten am Göttinger Stromnetz

Das seien beispielsweise Elektromobilität oder intelligent gesteuerte Netze, sogenannte Smart Grids. Schon jetzt betreibt die EAM in Göttingen mehrere Schnellladesäulen für Autos und bereitet sich auf die Versorgung von Elektrobussen vor. Die modernen Kabel ermöglichen aber auch eine bessere Fehlerortung und kürzere Reparaturzeiten. Denn auf ein stabiles Netz ist man stolz beim regionalen Stromnetzbetreiber.

Die Infrastruktur ist überall so konzipiert, dass kurzfristig auf eine Alternativleitung umgeschaltet werden kann. Selbst als Orkantief Friederike 2018 erst ein Umspannwerk beschädigte, und anschließend ein Baum in einer Oberleitung landete, fand sich eine Möglichkeit, um die Kunden zu versorgen. Zuständig dafür seien die Mitarbeiter der Energienetz Mitte. „Die kennen hier jeden Schaltkasten persönlich“, sagt Föllmer.

Besser als der Bundesdurchschnitt

„Wir liegen mit acht Minuten Ausfallzeit pro Jahr und Haushalt 44 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt“, betont Schülbe. Allerdings sei es im vergangenen Jahr zu Häufungen der Ausfälle gekommen. Ein Problem, mit dem bundesweit alle Stromnetzbetreiber zu kämpfen hatten. Der Grund wurde mittlerweile gefunden: Durch die Hitze war der Boden so ausgetrocknet, dass mechanische Schwingungen stärker und direkter auf die unterirdischen Kabel einwirken konnten.

Noch bevor das aktuelle Projekt abgeschlossen ist, hat die EAM bereits das nächste Projekt vor Augen. In den Jahren 2021 bis 2023 ist die Erneuerung des nächsten Abschnitts der 110-KV-Leitung geplant. Dann wird der Ring zwischen den Umspannwerken Leinestraße und Godehardstraße saniert. Schülbe betont abschließend noch einmal die Bedeutung der Investitionen in die Erneuerung des Stadtnetzes: „Dieses Kabel versorgt die ganze Stadt.“

Von Markus Scharf

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