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Göttingen EcoBus geht in neue Testphase
Die Region Göttingen EcoBus geht in neue Testphase
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20:32 22.08.2019
"Die Pilotprojekte haben gezeigt, dass der EcoBus als modernes, flexibles Verkehrsmittel für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen wahrgenommen und genutzt wird“: Prof. Stephan Herminghaus, Initiator des EcoBus-Projekts (li.), und Jan Schlüter (Begleitforschung, Gruppe "Next Generation Mobility"). Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen

„Wir freuen uns, dass unser Forschungsprojekt EcoBus ausgesprochen gut in den beiden Pilotregionen angenommen worden ist“, sagte Prof. Stephan Herminghaus. Er ist Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sowie Initiator des EcoBus-Projekts. Während der ersten Pilotphase vom 10. Juni bis 5. August des vergangenen Jahres in Bad Gandersheim und der Gemeinde Kalefeld hätten mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Angebot des EcoBus genutzt. Beim darauffolgenden Piloten im Harz seien zum Ende, 28. Februar 2019, statistisch fast ein Siebtel aller Einwohner bei EcoBus angemeldet gewesen. „Das verdeutlicht, dass viele im ländlichen Raum auf ein solches flexibles ÖPNV-Angebot geradezu gewartet haben“, so Herminghaus weiter. Damit habe man eine „respektable Marktduchdringung in Rekordzeit erreicht.“

„Komplexes Fluid Verkehr“

Das Vorhaben EcoBus bezeichnet der Physiker Herminghaus als ein „komplexes Fluid Verkehr“, und ist sich bewusst, dass es eine große Verantwortung bedeutet, sich solcher Systeme anzunehmen. EcoBus, so Herminghaus, greife eine alte Idee auf: Fahrtenwünsche werden vom Auftraggeber an eine Zentrale gegeben, und diese koordiniert daraus eine Route für den Fahrer. EcoBus funktioniert anders. Hier kommt ein Bus direkt zum Nutzer und bringt ihn ans gewünschte Ziel. „Fahren Sie mit EcoBus, kommen Sie entspannt an und tun dabei etwas für die Umwelt“, heißt es im Prospekt. Das System EcoBus will über eine intelligente Verknüpfung von Fahrtwünschen günstige und flexible Fahrten anbieten. Alle Verbindungen im Einsatzgebiet sollen zu jedem gewünschten Zeitpunkt während der Betriebszeiten bedient werden.

"Die Pilotprojekte haben gezeigt, dass der EcoBus als modernes, flexibles Verkehrsmittel für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen wahrgenommen und genutzt wird“: Prof. Stephan Herminghaus, Initiator des EcoBus-Projekts (li.), und Jan Schlüter (Begleitforschung, Gruppe "Next Generation Mobility"). Quelle: Markus Hartwig

Außerdem seien die eigenen theoretischen Vorhersagen bestätigt worden, was das Projekt in eine gute Startposition für die geplanten Weiterentwicklungen bringe. Insbesondere die „Poolingrate“, also der Anteil von Fahrten, bei denen zwei oder mehr Fahrtanfragen durch den Algorithmus der Software kombiniert würden, sei für die Weiterentwicklung des Systems interessant.

Kombination mit Linienverkehr

Zusätzlich habe sich nach der Auswertung der beiden Pilotphasen bestätigt, dass gerade bei längeren Strecken das Gesamtsystem besser wird, wenn ein „On-Demand-Verkehr“ wie der EcoBus mit einem Linienverkehr kombiniert werde. Der Zug oder Linienbus übernehme in diesem Fall den schnellen Transport zwischen den größeren Orten, während der EcoBus im direkten Anschluss daran für die flexible Feinverteilung auf der sogenannten „letzten Meile“ sorgt. Herminghaus: „Dieses anspruchsvolle algorithmische Neuland testen wir ab Oktober 2019 über ein weiteres Pilotprojekt am Stadtrand von Leipzig.“

Keine Haltestellen und Fahrpläne mehr

Es habe sich gezeigt, dass der EcoBus – entgegen einem Anruf-Sammeltaxi – als modernes, flexibles Verkehrsmittel für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen wahrgenommen und genutzt werde. Diese eher soziologische Erkenntnis ist durch die Begleitforschung der Gruppe „Next Generation Mobility“ unter Leitung von Jan Schlüter entstanden. Grund für die Akzeptanz sei, „dass der Fahrgast beim EcoBus keinerlei Erkenntnisse über Haltestellen und Fahrpläne benötigt. Er kann den EcoBus leicht online und in Echtzeit bestellen und wie beim Pkw prinzipiell jederzeit von Tür zu Tür fahren.“

Autonomes Fahren gebe neue Dimension

Ein zukunftsfähiger ÖPNV sollte intermodular aufgestellt sein. Das bedeutet, die Wegketten müssten optimiert und alles aus einer Hand – also nicht privat – angeboten werden. „Hiermit stärken wir die Linienverkehre und befähigen die Verkehrsunternehmen zu einer intelligent vernetzten Mobilität“, so Projektleiter Herminghaus. Das autonome Fahren würde diesem zusätzlich eine neue Dimension geben.

Von Markus Hartwig

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