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Göttingen 200 Jahre Skatspiel wird in Altenburg gefeiert
Die Region Göttingen 200 Jahre Skatspiel wird in Altenburg gefeiert
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16:28 19.12.2013
Von Jörn Barke
Vom Schloss aus: Blick auf das Landestheater Altenburg im Vordergrund und die Türme der Stadt.
Vom Schloss aus: Blick auf das Landestheater Altenburg im Vordergrund und die Türme der Stadt. Quelle: Barke
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Altenburg

Doch alle anderen können Altenburg ebenfalls  guten Gewissens besuchen, denn die ehemalige Residenzstadt hat auch jenseits des Skats ein paar gute Trümpfe. Schließlich hat kein geringerer als Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa die Stadt im Mittelalter gefördert.

Später wurde sie Fürstenresidenz, und im 19. Jahrhundert blühte die Stadt durch wirtschaftlich erfolgreiche Bürger. So hat die Stadt im äußersten Zipfel Thüringens heute nicht nur ein Schloss und mehrere Marktplätze aufzubieten, sondern auch Museen, Parks, ein Theater, einen großzügigen Neorenaissance-Bahnhof und so manch repräsentative Villa.

Uranbergbau und prunkvoller Festsaal

Eines darf man allerdings nicht erwarten: ein rundum saniertes Bilderbuchstädtchen. Altenburg hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und ist, weil von Hügeln durchzogen, im Stadtkern von Plattenbauten verschont geblieben. Dafür ist die Bausubstanz vieler alter Gebäude zu DDR-Zeiten arg heruntergekommen.

Zudem ist die Stadt zuletzt enorm geschrumpft: War die Stadt mit der ruhmreichen Vergangenheit durch den Zuzug von Arbeitern für den Uranbergbau bis 1981 auf knapp 56 000 Einwohner gewachsen, ging es dann nach der Wende steil bergab auf heute rund 34 000 Einwohner.

So sind deutliche Brüche im Stadtbild nicht verwunderlich. Es gibt ganze Zeilen, bei denen die Fenster der Häuser vernagelt sind. Symbolhaft verdichtet sich dieser Zwiespalt am Schloss. Von außen macht es einen trostlosen Eindruck, innen glänzt es gewaltig – unter anderem mit dem prunkvollen Festsaal. Auch die Schlosskirche mit spätgotischer Architektur und frühbarocker Ausstattung lohnt mehr als nur einen Blick.

Wegen Renovoerung geschloßen

Das Gebäude ist wegen einer Renovierung des Daches derzeit allerdings nicht zu besichtigen. Im Schlossmuseum werden unter anderem herzogliche Wohnkultur und eine Rüstkammer präsentiert. Eine aktuelle Sonderausstellung befasst sich mit dem Thema „Altenburg 1813. 200 Jahre  Völkerschlacht, 200 Jahre Skat“. Die Völkerschlacht bei Leipzig fand 1813 ganz in der Nähe Altenburgs statt, und 1813 wurde in einer Spielkladde in Altenburg erstmals das Wort „Scat“ notiert – der Auftakt für eine Erfolgsgeschichte.

Nach Angaben des in Altenburg ansässigen Deutschen Skatverbandes spielen noch immer rund 20 Millionen Menschen in Deutschland Skat. Das Skat-Jubiläum wird in diesem Jahr  in Altenburg noch mit mehreren Sonderaktionen zum Thema Skat und auch mit einer Sonderbriefmarke der Deutschen Post gefeiert. Natürlich beherbergt das Schloss auch ein Spielkartenmuseum. Zu sehen sind dort historische Spielkarten aus fünf Jahrhunderten und fünf Kontinenten.

Für Kunstkenner gibt es in Altenburg ein echtes Juwel: das Lindenau-Museum. Es beherbergt unter anderem eine exzellente Sammlung früher italienische Malerei vom 13. bis zum 16. Jahrhundert – mit 180 Tafelbildern laut Museum eine der größten Spezialsammlungen außerhalb des Ursprungslandes. Eine weitere Sammlung umfasst 400 antike Vasen aus dem 7. bis 2. Jahrhundert vor Christus.

Senf und frühe italienische Malerei

Das Lindenau-Museum zeigt auch moderne Kunst. So pflegt es das Werk von Gerhard Altenbourg (1926-1989), der seinen Künstlernamen nach der Residenzstadt wählte und dort den größten Teil seines Lebens verbrachte. In diesem Jahr wurden im Rahmen der neuen Reihe „Altenbourg im Dialog“ Werken des Künstlers Werke von Martin Disler (1949-1996) gegenübergestellt.

Doch auch für eher bodenständige Genüsse ist in Altenburg gesorgt: Der kleine, aber feine Senfladen bietet eine Fülle von Variationen aus eigener Herstellung: Von Bauernsenf über Skat-, Chili-, Trabi- und Whisky-Senf bis hin zum „verführerisch scharfen Erotik-Senf“. An regionalen Spezialitäten hält Altenburg außerdem Bier, Likör und Ziegenkäse aufrecht. Und die Konditorei Volkstädt bezeichnet sich als das ältestes Kaffeehaus Thüringens.

Ein Gang durch Altenburg ist auch ein Gang durch die Architekturgeschichte: Unter der gotischen Kirche St. Bartholomäi befindet sich eine romanische Krypta, es gibt das Renaissance-Rathaus und stattliche Barock-Gebäude. Bemerkenswert sind die „Roten Spitzen“, die bis 1172 unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa erbauten Türme der Backsteinromanik. Nur sie blieben von einem ehemaligen Augustinerkloster erhalten.

Austellung zur Geschichte

Heute beherbergen die roten Spitzen eine Multimedia-Ausstellung zur Geschichte des Klosters. Altenburg hat darüber hinaus noch einen ganz besondere Zeitreise zu bieten: in einen historischem Friseursalon mit einer komplett Ausstattung aus den 1920er- bis 1950er-Jahren – unter anderem mit Wandverkleidungen aus rotem Marmor.

In Altenburg werden seit 500 Jahren Spielkarten hergestellt – historische Spielkarten haben einen erheblichen Sammlerwert. Heute produziert dort die Spielkartenfabrik ASS Altenburger, die zum weltweit größten Spielkartenkonzern Cartamundi mit Hauptsitz in Belgien gehört. Die ASS produziert nicht nur traditionelle Skatblätter, sondern unter anderem auch Quartette, Puzzles, Brett- und Tischspiele.

2014 kann Altenburg dann noch mit einem anderen Schwerpunkt auftrumpfen: Im Schloss und in der Bartholomäikirche gibt es dann eine Ausstellung zu Georg Spalatin, einem Vertrauten Martin Luthers und wichtigen Akteur der Reformation. Der 1484 geborene Spalatin war ab 1525 Pfarrer in Altenburg, wo er 1545 starb.

Als Folge der ruhmreichen Vergangenheit kann Altenburg auch ein Landestheater sein eigen nennen, das mittlerweile mit den Bühnen der Stadt Gera fusioniert ist – als ein Fünf-Sparten-Haus. Am Altenburger Theater hat zur Wendezeit der Schriftsteller Ingo Schulze gewirkt. Dessen Roman „Simple Storys“ spielt in einem ganz und gar untouristischen Altenburg und bildet so einen Kontrast zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Die Reise fand statt auf Einladung der Altenburger Tourismus GmbH und der Thüringer Tourismus GmbH.