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Göttingen Streit und Sorge um Immobilienprojekt in der Göttinger Innenstadt
Die Region Göttingen Streit und Sorge um Immobilienprojekt in der Göttinger Innenstadt
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07:40 07.09.2019
Ehemalige Sparkassen-Immobilien in der Göttinger City: So könnte die Front zur Weender Straße aussehen. Quelle: Kiefer Architekten
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Göttingen

Es brodelt rund um das ehemalige Sparkassen-Areal in der Göttinger Innenstadt. Bewohner und Nachbarn fürchten bei einer Modernisierung einen Verdrängungseffekt zulasten der Mieter und jetzigen Innenstadtstruktur. Die Piraten im Rat kritisieren die aus ihrer Sicht mangelnde Informationspolitik durch Investor und Stadt. Die Stadt selber wiederum räumt ein, dass sich die bisherigen Pläne des Investors nicht mit den Vorstellungen der Stadt decken.

2018 hat das Hildesheimer Immobilienunternehmen HT Group – ein Gemeinschaftsunternehmen der Hanseatic Group und der Asset Immobilien GmbH & Co KG –das Gebäudeensemble der Sparkassen an der Weender Straße 13-15 gekauft. Die Sparkasseist in einen Neubau am Groner Tor gezogen.

„Wie lange können wir hier noch wohnen?“

Das Areal erstreckt sich über mehrere Gebäudeteile und Innenhöfe bis zur Gotmarstraße. Auf einer Gesamt-Nutzfläche von 21840 Quadratmetern sollein Mix aus Einzelhandel, Wohnungen, Gastronomie und Ladenpassage entstehen – im gehobenen Segment.

Genau das besorgt Nachbarn und Bewohner – darunter die Hausprojekte Gotmar 9 und Gotmar 10 sowie einige Ladenmieter. In einem offenen Brief und im Bauausschuss des Rates am Donnerstagabend haben sie ihrem Unmut Luft gemacht. „Mit großer Sorge haben wir den Verkauf des Sparkassenkomplexes und die mangelnde und bruchstückhafte Informationspolitik der Stadt und der Investorin über die tief greifende Umstrukturierung des Sparkassenviertels verfolgt“, schreiben sie. „Wir wollen wissen, was passiert und wie lange wir dort überhaupt noch wohnen können“, beklagte ein Mitstreiter lautstark im Ausschuss. Sie fürchten nach dem Umbau „einen Ort des Konsums“, der hier lebende Menschen verdrängt. Zugleich fordern die Kritiker auch in dieser Lage bezahlbaren Wohnraum.

Stadt fordert kleinteilige Gebäudestruktur

Ähnlich argumentierte im Ausschuss Pirat Francisco Welter-Schultes. Er kritisierte auch die Stadtverwaltung, und forderte mehr Transparenz und Informationen über eine Bürgerbeteiligung.

Ihre Kritik beziehen die Kritiker auf Informationen der Hanseatic-Group im Internet, die inzwischen nicht mehr einzusehen sind. Dazu zählen auch Foto-Animationen, nach denen ein großer, hoher Neubau das Areal durchziehen soll – ohne Innenhöfe und Freiflächen.

Animierte Luftaufnahme des ehemaligen Sparkassen-Areals am Göttinger Markt aus den Planskizzen der Hanseatic. Quelle: R

Im Ausschuss versuchten Stadtbaurat Thomas Dienberg und der Leiter des Fachbereiches Bauen, Maik Lindemann, zunächst, die Gemüter zu beruhigen. Zum einen seien Sparkasse und Investor verantwortlich für das Areal und verfahren, nicht die Stadt. Zum anderen gebe es Instrumente, die eine Zerstörung der innerstädtischen Strukturen dort verhindern sollen. „Wir haben einen gültigen Bebauungsplan und einen städtebaulichen Rahmenplan, über die die Stadt Einfluss hat, so Lindemann. Darin werde unter anderem eine kleinteilige Gebäudestruktur mit offenen Innenhöfen festgeschrieben.

„Das haben wir dem Investor gegenüber deutlich gemacht“, sagte Dienberg und ergänzte: „Auch, dass die bisher präsentierten Pläne dem nicht entsprechen und nicht das sind, was wir wollen.“ Allerdings habe die Verwaltung seitdem schon lange nichts mehr vom Investor gehört.

Der im vergangenen Jahr diskutierte und noch nicht beschlossene Rahmenplan aber sei der Öffentlichkeit kaum bekannt, konterten die Piraten und die Grünen. Dienberg pflichtet bei und kündigte schließlich auf Drängen Welter-Schultes eine baldige Bürgerinformation dazu an.

Die Sparkasse weist die Vorwürfe zurück. Sie habe die Immobilien verkauft und sei nicht mehr Herr des Verfahrens, sagte am Freitag ihr Sprecher André Kaufmann. Die Projektleitung der Hanseatic Group konnte sich auf Nachfrage am Freitag noch nicht zu ihren konkreten Plänen und einer mögliche Bürgerbeteiligung äußern.

Wer ist der Investor?

Die Sparkasse hat den Immobilienkomplex zwischen Weender Straße und Gothmarstraße im vergangenen Jahr an die Hildesheimer HT-Group verkauft – dem Vernehmen nach für 31,5 Millionen Euro. Die Grundbucheintragung erfolgte nach Angaben der Sparkasse am 25. Januar 2019.

Bei der HT-Group handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Hanseatic Group und der Asset Immobilien Group. Letztgenannte gehört zum sogenannten „Family Office“ der Familie Clemens Tönnies, erfolgreicher Fleisch- und Wurstfabrikant und Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. „Unser Ziel ist es, ein gut funktionierendes Quartier zu entwickeln und es in unserem Bestand zu halten“, hatte Christian Beilicke, CEO der Hanseatic Holding GmbH ,im vergangenen Jahr dem Tageblatt gegenüber gesagt. Vorgesehen sei ein Mix aus Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen. Die Hanseatic Holding ist seit 1993 im Immobiliengeschäft tätig und hat unter anderem im Herbst 2017 das Einkaufszentrum Königs-Galerie in der Kasseler Innenstadt übernommen.

Von Ulrich Schubert

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