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Göttingen Südniedersachsens Förster weiter im „Katastrophenmodus“
Die Region Göttingen Südniedersachsens Förster weiter im „Katastrophenmodus“
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19:21 20.01.2019
Ein Jahr nach Friederike: Nadelholzlager im Harz. Quelle: Meder
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Göttingen, Göttingen, Göttingen

Sturmtief Friederike hat am 18. Januar 2018 in der Region unzählige Bäume entwurzelt, die Schäden sind noch immer nicht ganz beseitigt. Denn: Nicht nur Sturm allein hat für eines der schlechtesten Jahre für den Wald gesorgt. Die anhaltende Nässe im Winter und frühen Frühjahr und die rekordverdächtige Trockenheit im Sommer kamen hinzu.

Die Landesforsten bilanzieren rund 1,6 Millionen Kubikmeter Sturmholz sowie 700 000 Kubikmeter so genanntes Kalamitätsholzes – also Holz von Bäumen, die durch Trockenheit und Borkenkäferfraß zerstört wurden. Das ist der größte Schaden in der jüngeren Vergangenheit. „Wir können die Säge nicht aus der Hand legen”, sagt Michael Rudolph, Sprecher der Landesforsten. Besonders schlimm hatte der Sturm vor einem Jahr Südniedersachsen erwischt.

Orkan, Borkenkäfer und große Hitze

Die Hauptschadensgebiete liegen niedersachsenweit laut Landesforsten im Solling, im Harz und im Leinebergland. „Zwar sind die Orkanschäden im Landeswald mittlerweile vollständig aufgearbeitet. Doch der Borkenkäfer beschäftigt uns weiterhin”, sagt Rudolph. Borkenkäfer haben mit geschädigten Nadelbäumen leichtes Spiel, in den kranken oder toten Stämmen finden sie leicht Unterschlupf. Und: Borkenkäfer mögen es warm.

Michael Rudolph, Pressesprecher Niedersächsische Landesforsten, vor eingeschweißtem Fichtenholz. So ist es für mehrere Jahre vor Parasiten- und Insektenbefall geschützt. Quelle: Christina Hinzmann

Normalerweise entstehen in einem guten Sommer zwei Generationen der Schädlinge. „Im vergangenen Sommer waren es mancherorts drei Generationen”, so Rudolph. Das sei sehr selten der Fall. Die Tiere halten derzeit Winterruhe im Boden und unter der Rinde der Bäume. Frost kann ihnen nur wenig anhaben. „Sie haben ein inneres Frostschutzsystem”, so der Fachmann. Aber: „Im Frühling,meisten um Ostern, fliegen sie wieder aus”, so Rudolph. Wenn die Flugsaison beginnt, suchen sich die Insekten neue Bäume – am besten kränkelnde.

Für den Kamin auf Nadelholz umsteigen

In den Landesforsten aber auch in privaten und anderen Revieren sind die Sturmschäden zwar größtenteils beseitigt. Aber: Es liegt eine große Menge Nadelholz auf den Lagerplätzen. Eigentlich, so Rudolph, sei jetzt im Winter die Haupteinschlagzeit für Laubholz. Schon im vergangenen Jahr konnte nur wenig Laubholz geerntet werden, denn es war durch den vielen und anhaltende Regen einfach zu matschig im Wald. „Wir mussten 2018 die Ernte vorzeitig einstellen”, so der Forstsprecher. Den Bedarf und Lieferverträge an die Abnehmer habe man nicht decken können. Dem Defizit an Laubholz steht ein massives Überangebot an Nadelholz gegenüber.

Rudolph rät seinen Stammkunden, die Laubholz als Brennholz bei den Landesforsten kaufen, übergangsweise auf Nadelholz umzusteigen. „Davon sind die Lager voll.” Die Aufräumarbeiten laufen weiter, das Holz muss abtransportiert werden doch die Kapazitäten für Transport und Verkauf sind begrenzt. “Der Markt ist übersättigt”, sagt Rudolph. Frisches Nadelholz wird nicht mehr gefällt.

Hoffen auf kühlen Frühsommer

Die Fachleute hoffen auf einen feuchten und kühlen Frühsommer. Denn: „Die Brutzeit des Borkenkäfers ist ab Mai”, sagt Rodolph. Wenn es dann nass und kühl ist, „freut sich der Baum”. Nicht der Käfer. Die Förster bleiben also „im Katastrophenmodus“. Ab etwa April werden die derzeit in der Bodenstreu überwinternden Käfern wieder aktiv.

Ein schweres Jahr für den Wald

Januar 2018: Am 18. des Monats fegt Sturmtief Friederike über Südniedersachsen. Während der Sturm über die Region tobte, gingen in der Leitstelle der Feuerwehr für die Region rund 1200 Anrufe dort ein.Umgestürzte Bäume machten einen Großteil der Einsätze aus. In Duderstadt wurde ein Teil der Innenstadt wegen der Gefahr herabfallender Ziegel abgesperrt. Bei Hann.Münden musste die A7 Gesperrt werden. Schlimmer noch traf es den Oberharz. Wegen zahlreicher umgekippter Bäume waren etliche Straßen unpassierbar. Ein Polizeisprecher bezeichnete die Lage als chaotisch. Das enorme Ausmaß der Schäden wird erst einige Tage später deutlich. Wilhelm Schirmer, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Hattorf, schätzte damals: „Mindestens 40 bis 50 Prozent der gesamten Fichtenbestände liegen am Boden.“

Die Fichten sind massiv durch Borkenkäfer geschädigt. Quelle: Christina Hinzmann

Im April 2018 beginnt dann eine rekordverdächtige Dürreperiode, die bis in den November anhält. Die Trockenheit geht mit einem besonders warmen Sommer einher. Die durch den Sturm geschädigten Fichtenbestände bieten eine ideale Angriffsfläche für den Borkenkäfer. Zudem sind längst nicht alle umgeknickten Bäume beseitigt. Bereits im Mai 2019 sprechen Fachleute von einer drohenden Borkenkäfer-Plage.

Im September bilanzieren die Landesforsten, dass bis zu 40 Prozent der Fichtenbestände in der Region zerstört sind. Eine dritte Generation von Borkenkäfern steht in den Startlöchern. Regen lässt weiter auf sich warten. Im Oktober wird klar, die Preise für Fichtenholz fallen in den Keller. Es gibt endlich Regen. Die Borkenkäfer gehen in die Winterruhe.

Hier gibt es Brennholz

Holz ist als natürlicher, nachwachsender Rohstoff auch für den privaten Kaminofen geeignet. Derzeit lagern große Mengen Fichtenholz in den südniedersächsischen Wäldern. Unter anderem die Landesforsten verkaufen Brennholz auch an private Ofen-Besitzer. Für den Verkauf sind die Niedersächsischen Forstämter oder Revierförstereien zuständig. Im Bereich Göttingen sind das beispielsweise das Forstamt Reinhausen und das Forstamt Hann. Münden. In der Regel bieten die Forstämter das Brennholz bereits vorkonfektioniert in Form ganzer Stämme oder als Stammabschnitte am befahrbaren Weg an. Dort kann der Käufer das Holz erwerben und nach eigenem Bedarf selbst zerkleinern. In einigen Bereichen werden auch andere Formen des Brennholzverkaufes angeboten.

Holzstapel im Wald nach dem letzten Sturm. Quelle: Christina Hinzmann / GT

In Ausnahmefällen, so teilen es die Landesforsten mit, kann Brennholz aber auch selber hergestellt werden, zum Beispiel durch das Fällen von schwachen Bäumen in Beständen oder durch die Aufarbeitung von Baumkronen. Wer in den Niedersächsischen Landesforsten mit der Motorsäge arbeiten will, muss aber einen Motorsägen-Kurs absolviert haben oder die Sachkunde anderweitig nachweisen. Viele Forstämter bieten entsprechende Kurse an. Auch dazu erteilen die Mitarbeiter im zuständigen Forstamt Informationen.

Von Britta Bielefeld

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