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Göttingen Ein Ritt zu dritt ist die sicherste Variante
Die Region Göttingen Ein Ritt zu dritt ist die sicherste Variante
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20:24 26.03.2012
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Billingshausen

Unter Anleitung von Lehrrettungsassistent Oliver Blake von der Sanitätsschule aus Bockenem beschäftigten sich 15 Reiter einen Tag lang mit Erster Hilfe bei Reitunfällen. Sascha und Dennis spielen den Ernstfall: Schnell verschaffen sie sich ein Bild von dem, was mit der Frau passiert ist. Sie hat sich ihre linke Hand verletzt. Ein Fingerglied ist abgerissen, die Hand muss verbunden werden. Gekühlt verpackt legen die Helfer das Amputat gut sichtbar möglichst dicht an die Reiterin, damit es auf keinen Fall vergessen wird. Auch das Bein tut der Verletzten mächtig weh. Es muss sofort ruhig gestellt werden. Dann heißt es, auf den Rettungswagen zu warten, den die Helfer bereits alarmiert haben.

Sascha und Dennis haben ihre Sache gut gemacht, meint die Gruppe. Viel haben sie an diesem Tag gelernt. Die Situation zu erfassen und den Unfallort zu sichern, sind laut Kursleiter Blake die Grundvoraussetzungen für Sofortmaßnahmen am Unfallort. „Helfen darf jeder“, sagt er und betont, dass sich niemand fürchten solle, bei der Ersten Hilfe Schaden zu verursachen. Nur bei grob fahrlässigem Handeln könne ein Helfer belangt werden.

Wie verhalte ich mich bei einem Reitunfall? Tipps für erste Hilfe und die wichtigsten Maßnahmen nach einem Unfall von Reiter und Pferd gab es bei einem Seminar auf der Dream Ranch in Billingshausen.

„Wo ist der Reitunfall passiert?“, nennt Blake eine der entscheidenden Fragen. Der Rettungsdienst sei es gewohnt, normale postalische Adressen anzufahren. Im Gelände würden die Koordinaten und die Verlängerung postalischer Adressen helfen. Wichtig sei auch die Information, ob der Unfallort von einem Rettungswagen angefahren werden könne. Manchmal seien ein Pick-up oder die Feuerwehr hilfreich. Und damit man überhaupt helfen könne, sei ein Ritt zu dritt die sicherste Variante. Wichtig ist es außerdem, sich vor einem Ausritt abzumelden.

„Was ist das Schlimmste, was als nächstes passieren kann?“, fragt Blake weiter. Mit einem Körpercheck verschaffe man sich einen Überblick über das, was passiert sei. Immer wieder verweist Blake auf die Atemkontrolle. Denn schon nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff fange das Gehirn an, Schaden zu nehmen. In vielen praktischen Übungen auf der Terrasse und im Stall lernen die Reiter, wie sie einen Verletzten in die stabile Seitenlage bringen, üben achsengerechtes Drehen, wichtig für Wirbelsäulenverletzte, und für den Ernstfall die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Immer wieder betont Blake, dass es wichtig sei, überhaupt zu handeln. „Unfälle machen die Wirbelsäule kaputt, nicht Erste Hilfe“, betont er.

Ein Erste-Hilfe-Kurs ist für Reiter sinnvoll und sollte regelmäßig angeboten werden, sind sich am Ende alle Beteiligten einig. Das hat sich Ramona Westphal von der Dream Ranch nun vorgenommen.

Von Ute Lawrenz