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Göttingen Ein faszinierender Mensch und Vermittler
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19:54 25.09.2009
Buchvorstellung im Jühnder Schlossturm: Hubertus Menke (v. l.), Gerd Busse und Jörg Mitzkat.
Buchvorstellung im Jühnder Schlossturm: Hubertus Menke (v. l.), Gerd Busse und Jörg Mitzkat. Quelle: Hinzmann
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Autor Gerd Busse, Verleger Jörg Mitzkat und Hubertus Menke, Vorsitzender der Sohnrey-Gesellschaft, stellten das Buch „Zwischen Hütte und Schloss“ gestern in Sohnreys Geburtsort Jühnde vor. Busse, Esebecker Ortsheimatpfleger und früherer Universitäts-Dozent für Geografie und Heimatkunde, sichtete umfangreiches Archivmaterial, darunter Brief-Durchschriften im Jühnder Sohnrey-Archiv. Sohnreys Konzepte gegen die Landflucht hätten durchaus aktuelle Bezüge, so Busse. Auch Entwicklung von Identität sei nötig, um Leben auf dem Lande wieder lebenswert zu machen. Seine Ideen vom genossenschaftlichen Zusammenstehen ließen sich auf die Moderne übertrage, ein Beispiel sei das Bioenergiedorf Jühnde.

Zwischen Schloss und Hütte

Sohnrey wurde 1859 in Jühnde geboren. Er kam als uneheliches Kind einer Tagelöhnerin und des Gutsherren Oskar Freiherr Grote zur Welt. Sohnrey wuchs in kleinbäuerlicher Umgebung auf und lernte die starken sozialen Gegensätze auf dem Land kennen. Ein bestimmendes Motiv für seine Arbeit – „Vermittler zwischen dem Schloss des Kaisers und der Hütte des Landarbeiters“. Sohnrey arbeitete als Volksschullehrer und Redakteur unter anderem in Northeim bevor er 1894 als Schriftsteller nach Berlin ging.
Um die Landflucht während der Industrialisierung zu bremsen, entwickelte er ein Heimatpflegekonzept, in dessen Mittelpunkt die überkommene dörfliche Kultur stand. Er fand Unterstützung als Sozialreformer aus konservativer Sicht. Sohnrey hoffte, dass der Nationalsozialismus seine Anliegen fortführen würde, passte sich an, ohne jedoch Parteimitglied zu werden. Sein „Deutscher Verein für Wohlfahrts- und Heimatpflege“ wurde aufgelöst. Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus sei ambivalent gewesen, so Busse. Er sei durchaus sehenden Auges auf sie zugegangen, habe sich aber auch missbraucht gefühlt und schlaflose Nächte durch Schuldgefühle gehabt. Ein faszinierender Mensch mit faszinierender Biografie, so Mitzkat. Sohnrey starb am 26. Januar 1948 in Neuhaus im Solling. Er ist auf dem Friedhof in Jühnde beerdigt.
Gerd Busse, Zwischen Hütte und Schloss, Heinrich Sohnrey - Schriftsteller, Sozialreformer, Volkskundler, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2009, 336 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-940751-18-8.

Von Gerald Kräft

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