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Göttingen Ein vorübergehendes Leben im Schatten
Die Region Göttingen Ein vorübergehendes Leben im Schatten
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20:46 18.01.2016
Kritischer Blicke im Gewächshaus: von links Martin Schwerdtfeger und Erwin Bergmeier. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Die alten Gebäude wurden wegen gravierender baulicher und technischer Mängel abgerissen, weil die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Die meisten Pflanzen verweilen jetzt vorübergehend dicht gedrängt im Cykadeenhaus.

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Durch die Enge würden sich auch Schädlinge schneller verbreiten, sagt Erwin Bergmeier. Er ist Direktor des Botanischen Garten Göttingen und zeigt auf die Tillandsien. Sie seien absolut selten und wurden nur ein einziges Mal in der Natur gefunden.

Sie kämen nur noch in wenigen botanischen Gärten vor, im alten Viktoriahaus hingen sie über dem Wasserbecken. „Besser werden sie hier nicht“, sagt Gartenkustos Michael Schwerdtfeger. Er wirft einen kritischen Blick auf die Exoten, die sich bereits leicht verfärbt haben. Den Plänen für ein neues Gewächshaus fiebern beide entgegen.

„Wir diskutieren im Moment erste mögliche Konzepte“, erklärt Romas Bielke, Pressesprecher der Uni Göttingen. An diesem Prozess seien Mitarbeiter des Alten Botanischen Gartens, des Gebäudemanagements, der zentralen Kustodie und des Präsidiums beteiligt.  

Wenn es nach den Wünschen von Bergmeier und Schwerdtfeger geht, soll das neue Viktoriahaus inklusive der Anbauten eine Größe von zwölf mal 40 Meter haben. Das Haus solle auch für Reservepflanzen und Anzuchten genutzt werden. Die Größe sei erforderlich, um im neuen Gewächshaus auch Gruppen und Schulklassen herumführen zu können. Das war aus Platzgründen bisher nicht möglich.

Doch nicht nur für Besucher, auch für Pflanzen gab es wenig Platz: „Unsere Victoria mit ihrem Hofstaat musste sich im Becken drängeln“, erklärt Schwerdtfeger. Victoria ist eine Riesenseerose, die von tropischen Sumpf- und Wasserpflanzen, seltenen Orchideen und Bromelien umrahmt wurde. Sie hat die Übergangslösung am besten verkraftet: Sie ist nur einjährig und wächst jedes Jahr aus einem Samenkorn. Auch die übrigen Wasserpflanzen sind es von Natur aus gewohnt, in Trockenzeit zu gehen. Sie werden wie Tulpenzwiebeln gelagert.     

„Dieses Stück ist älter als unsere Studenten“, sagt Schwerdtfeger und zeigt auf eine 30-jährige Orchidee mit drei Meter hohem Blütenstand. Sie hängt eigentlich über dem Wasser, jetzt fehle ihr die Luftfeuchtigkeit. Der Blütenstand würde ans Glas des Gewächshausdaches stoßen und wenn es nachts kalt werde, würde er eingehen.

Der kommende Winter wird laut Bergmeier entscheidend sein: „In diesem Winter konnten wir Verluste noch vermeiden.“ Ob das Überleben aller Pflanzen noch einmal sichergestellt werden könnte, sei fraglich.

Von Katrin Westphal