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00:23 10.03.2019
Die Gruppe der neuen Deutschen im Ratssaal, mit Ratsherr Mehmet Tugcu (re.) und Ordnungsdezernent Christian Schmetz (3. von re.). Quelle: Meinhard Ulrich
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Göttingen

Jetzt sind sie Deutsche. Der Fachdienst für Ausländerangelegenheiten der Stadtverwaltung Göttingen hat am 6. März im Saal des Neuen Rathauses eine Einbürgerungsfeier ausgerichtet. Die eingebürgerten 19 Personen stammen aus dem Libanon, der Türkei, Kroatien, Serbien, Aserbaidschan, Indien, Frankreich, Kasachstan, Marokko und Großbritannien. Mehrere der nun offiziellen Deutschen sind jedoch bereits in der Bundesrepublik geboren. Sie alle erhielten nach einem Prüfverfahren ihre Einbürgerungsurkunden.

Bevor es zu Problemen kommt

„Es ist schön, in so viele neue deutsche Gesichter zu schauen“, sagte Joachim Rogge vom Fachdienst Ausländerangelegenheiten der Stadtverwaltung Göttingen zu Beginn der Feierstunde. Zur Runde gehörte auch Nils Elias aus Großbritannien. Er lebt, wie er erklärte, schon längere Zeit in Göttingen und angesichts des drohenden harten Brexit habe er sich gesagt: „Es macht Sinn, jetzt die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, bevor es zu Problemen kommt.“

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Zwei Landsleute taten es ihm an diesem Tag gleich. Der Anteil von Personen aus Großbritannien, die sich entscheiden, Deutsche zu werden, habe seit der Brexit-Abstimmung auf der Insel zugenommen, versicherte Joachim Rogge. Kam bis zum Juni 2016 bei jeder dritten Einbürgerungsfeier allenfalls ein Brite, sind es derzeit pro Termin drei und mehr. Ein Problem bei einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) erklärte Rogge so: „Jeder EU-Bürger kann zwei Staatsangehörigkeiten haben. Wenn Großbritannien nicht mehr Teil der EU ist, ist die doppelte Staatsbürgerschaft für die Briten nicht mehr möglich.“ Was letztlich bedeute, dass sie auch die Rechte von EU-Bürgern – etwa auf eine freie Arbeitsplatzwahl innerhalb der Union - verlieren.

Deutschland kein Neuland

Zur Zeremonie gehört der Eid auf die Verfassung, den Dirk Wolf (re.) und Christian Schmetz abnahmen. Quelle: Ulrich Meinhard

„Für die meisten hier im Ratssaal ist Deutschland kein Neuland. Viele leben schon seit Jahren, manche seit Jahrzehnten hier“, stellte Rogge fest. Das erklärte die gute beziehungsweise sogar akzentfreie Aussprache des Hochdeutschen. Denn jeder der neuen deutschen Staatsbürger hatte noch eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich das Schwören des Einbürgerungseides. Er ist die persönliche Verpflichtung, die deutschen Gesetze einzuhalten, er ist das Bekenntnis zu den Werten des deutschen Grundgesetzes.

Rogge war es wichtig zu erwähnen, dass „unser Land aus seiner Geschichte gelernt hat. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, zitierte er den ersten Satz des Grundgesetzes und hob weiter hervor: „Das ist unser oberstes Verfassungsprinzip“. Mit der nun erfolgten Einbürgerung stehe den neuen Deutschen vieles offen. „Sie können wählen. Sie können sich wählen lassen. Sie haben das Recht, sich niederzulassen, sich selbständig zu machen, innerhalb der EU zu reisen und noch vieles mehr“, zählte er auf.

Ratsherr hatte einst die Idee zur Feier

Bei der Einbürgerungsfeier trafen die Anwesenden Dirk Wolf wieder. Er ist im Rathaus der erste Ansprechpartner für Ausländer, die Deutsche werden wollen. Den Termin ließ sich auch Ratsherr Mehmet Tugcu (Grüne) nicht entgehen, er brachte vor Jahren die Idee für die feierlich im Ratssaal ausgerichtete Veranstaltung in den Rat ein. Der zuständige Dezernent Christian Schmetz beteiligte sich aktiv an der Feier. „Das ist ein schöner Termin“, sagte er. So sah das auch Marica Sajnovic, die von den Zuschauerreihen aus die Zeremonie verfolgte. „Das mache ich jetzt auch“, rief sie beim Verlassen des Ratssaals den Umstehenden freudig zu.

Immer mehr Briten werden Niedersachsen

Laut dem Landesministerium für Europaangelegenheiten steigt seit dem Brexit-Referendum die Zahl der britischen Mitbürger in Niedersachsen kontinuierlich an, die die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben. Allein im Januar und Februar haben sich in den Städten Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Hildesheim, Lüneburg, Göttingen, Wilhelmshaven und Emden 162 Personen mit britischer Herkunft einbürgern lassen. Das entspricht 67 Prozent aller Fälle des Jahres 2018 in den genannten Städten. Die Stadtverwaltung Göttingen richtet einmal im Monat eine Einbürgerungsfeier aus. In anderen Städten gibt es nur einmal im Jahr eine solche Feier. Eine Einbürgerung scheitert zuweilen an den schlechten Sprachkenntnissen. Ab einem Alter von 65 Jahren muss der Antragsteller allerdings keinen Sprachtest mehr ablegen. mei

Von Ulrich Meinhard

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