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Göttingen Eine Zelle für Göttingen
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23:37 20.02.2015
Chefredakteur Uwe Graells
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So weit, so gut. Aber es geht um einen ganz besonderen Kerker. 1940 wurde Julius Klingebiel in Göttingen eingeliefert. Unheilbar krank. Schizophren. Die Malerei beruhigte Klingebiel sichtlich und so überließ ihm die Klinikleitung Pinsel und Farben. Entstanden ist quasi ein Meisterwerk der „outsider art“. Und das soll nun nach Hannover? Ins Sprengel-Museum? Auf keinen Fall.

Wem gehört denn dieses Kunstwerk? Nun gut, es ist auf einer Wand gemalt, die unstrittig im Besitz des Landes Niedersachsen ist. Aber mal ehrlich, soll dieses Argument für einen Abtransport der Klingebiel-Zelle ausreichen? Nein. Das Werk ist auch ein Denkmal und steht unter entsprechendem Schutz. Die Wandmalerei ist aber noch viel mehr. Sie ist ein Mahnmal – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn Klingebiel fiel Dank des Leiters der Göttinger Uni-Nervenklinik, Gottfried Ewald, nicht dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer. Dass der kranke Insasse auch nach der Gründung der Bundesrepublik nie vor einem Richter stand, sondern weiter weggesperrt wurde, ist der zweite Aspekt dieses Mahnmals. Das Werk zeigt aber vor allem eines: was für ein Potenzial in psychisch Erkrankten stecken kann.

Klingebiel hat einen Großteil seines Lebens in Göttingen verbracht. Das Werk ist hier entstanden. Es waren Göttinger Ärzte, die ihn begleitet haben. Und deshalb muss die Zelle in der Unistadt bleiben. Kunst muss aber auch frei zugänglich sein. Vielleicht findet sich ja im geplanten Kunstquartier ein perfekter Platz für Klingebiels Werk.

Die Kunst- und Kulturinteressierten in dieser Stadt haben derzeit jedenfalls einen Lauf. Kragenbär, Kunstquartier, Sockel-Denkmal und jetzt noch Klingebiel. Mal sehen, was der Landesvater dem OB antwortet.  

Von Uwe Graells
Den Autor erreichen Sie unter u.graells@goettinger-tageblatt.de.