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Göttingen Einkaufszentrum Carré steht offenbar vor dem Verkauf
Die Region Göttingen Einkaufszentrum Carré steht offenbar vor dem Verkauf
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10:50 24.11.2010
Von Michael Brakemeier
Baujahr 1972: Das Carré steht zum Verkauf.
Baujahr 1972: Das Carré steht zum Verkauf. Quelle: Heller
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Noch sei ein Kaufvertrag aber nicht unterschrieben, heißt es. Offiziell will die Geschäftsführung der SHB Muttergesellschaft, die FIHM Fonds und Immobilien Holding München AG, aber nach Auskunft von Sprecherin Aud Wiese keine Stellungnahme zu „möglichen Transaktionen bei Objekten und aktuellen Fondsangelegenheiten“ geben.
Hintergrund eines möglichen Verkaufes ist eine Finanzlücke, die sich zum Jahresende bei der Einkaufszentrum Carré Göttingen KG auftut. Die Geschäftsführung der dahinter stehenden Fondsgesellschaft als Eigentümer spricht von fehlenden vier Millionen Euro, die den stillen Gesellschaftern bis Mitte Januar sonst nicht zurückgezahlt werden könnten.

Auf einer außerordentlichen Gesellschaftersitzung der SHB Innovative Fondskonzepte AG & Co, Einkaufszentrum Carré Göttingen KG haben die Gesellschafter am 20. Oktober mit großer Mehrheit einem Verkauf des Carrés zugestimmt, um Geld in die Kassen des angeschlagenen Fonds zu spülen. Bis zum Jahresende droht eine Liquiditätslücke von rund vier Millionen Euro. Gegenüber stillen Gesellschaftern gibt es dann Rückzahlungsverpflichtungen, die nicht erfüllt werden können. In der Einladung zur Gesellschaftersitzung legen SHB-Vorstand Thomas Vogel und Markus Schottenhammel als geschäftsführender Kommanditist die Situation dar: Danach haben nur 31 Prozent der stillen Gesellschafter ihre Beteiligung verlängert. 69 Prozent müssen bis spätestens Mitte Januar ausbezahlt werden, insgesamt mehr als fünf Millionen Euro. „Zum heutigen Zeitpunkt verfügt die Fondsgesellschaft über eine Liquidität von rund 0,8 Millionen Euro, zum 31. Dezember wird eine Liquidität von rund 1,07 Million Euro erwartet. Die Fondsgesellschaft sieht sich aufgrund dieser Liquiditätslücke in Höhe von rund vier Millionen Euro mit der Möglichkeit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit als Insolvenzantragsgrund konfrontiert“, heißt es in dem Schreiben. Nach Tageblatt-Informationen gibt es bereits seit September Gespräche mit dem potenziellen Käufer.

Der Autor des Internetblogs Investorsadvice.de, Peter M. Moosmüller, sieht in einem zügigen Verkauf des Zentrums die „einzige ernstzunehmende Chance“. Und weiter: „Der Fortbestand dieses Unternehmens hängt also von diesem einen Lucky Punch ab. Wenn dieser Schlag daneben geht, dann ist die erste Insolvenz eines SHB / FIHM-Fonds unausweichlich.“ Eine Insolvenz des Carré-Fonds hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Muttergesellschaft. Moosmüller schreibt weiter: „Das Bittere daran ist, dass egal ob das Unternehmen fort besteht oder nicht, das Geld der Anleger weg ist.

Sollte der Verkauf klappen, muss zunächst die Bank, beziehungsweise das verbundene Darlehen abgelöst werden. Der verbleibende Betrag muss soviel ergeben, dass die stillen Gesellschafter ausbezahlt werden können. Das, was dann noch übrig bleibt, wird sich zwischen ein paar tausend Euro und bestenfalls ein bis drei Millionen Euro belaufen. Das von den Anlegern und Ratensparern bisher eingezahlte Eigenkapital ist damit weitestgehend pulverisiert“, glaubt der Investmentexperte.

Für die Mieter und Kunden des Carré dürften diese Verschiebungen hinter den Kulissen im Falle eines Verkaufs zunächst keine Auswirkungen haben. Die teils langfristigen Mietverträge würden auch bei einem Eigentümerwechsel bestehen bleiben. Weitere Informationen gibt es hier