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Göttingen Eins, zwei, drei – Göttingens Lampen-Lachnummer
Die Region Göttingen Eins, zwei, drei – Göttingens Lampen-Lachnummer
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17:33 16.03.2012
Von Ilse Stein
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Das sollte dann zu einer sogenannten Bürgerbeteiligung führen – ein Wort, dass ich derzeit schon nicht mehr hören kann. (Es hat im allgemeinen politischen Sprachgebrauch gerade den „Runden Tisch“ abgelöst.) Die Reaktion folgte denn auch sofort: Von Kopfschütteln der Passanten, entsetzten Leserbriefen bis zur schriftlichen Ablehnung der SPD-Fraktion an den Stadtbaurat (redet man eigentlich vorher in den Ausschüssen nicht über so etwas?).

Ilse Stein

Klar war der Bürgerwille: Keine der drei Lampen sollte es werden. Denn nicht nur, dass sie nach allgemeiner Ansicht (meiner übrigens auch) von geradezu ausgesuchter Hässlichkeit sind, man hatte auch noch so einiges vergessen.

Die Lampen, die zu sehen waren (so wurde im Nachhinein umfänglich und in schönstem Bürokratendeutsch erläutert), hatte man einen Meter höher aufgebaut als sie es später tatsächlich sein sollten. Ach ja, die Wattzahl entsprach auch nicht der, die es eigentlich mal sein sollte. Das sei „nicht gut überlegt worden“, sagte doch der Stadtbaurat allen Ernstes. Und natürlich wolle man die Lampen dann auch noch so drehen, dass sie nicht in die Wohnungen der Anwohner hinein blenden. Nicht gut überlegt? Gar nicht nachgedacht?

Aber schon ist die nächste Lösung auf dem Tisch: Wieder werden zwei Lampen aufgestellt. Eine davon ist aus dem Sortiment der drei bisherigen, eine ein Modell, wie es schon in den City-Seitenstraßen zu sehen ist. Eine davon soll es nun sein.

Da freuen wir uns doch schon auf die nächsten Bürgerbeteiligungen aus dem Hause Dienberg. Wenn es dann um die Aufstellung der sogenannten Sitzmöbel geht. Das sollen angeblich unglaublich lange Sitzbänke werden, um die man dann herum wandern muss, wenn man die Schaufenster sehen will. Vermutlich hat da ein Planer beim Blättern in den schönsten Katalogen eher an Schlafbänke gedacht.

Und wenn dann erst die (von den Göttingern so geliebten) drehbaren Kugeln verschwunden sind (ganz über Nacht), dann wollen wir mal hören, wie laut der Ärger darüber ins Rathaus brandet. Denn dass unser City-Erneuerer Dienberg dieses vorhat, hat er mal ganz leise irgendwann erwähnt. Ganz ohne Bürgerbeteiligung.

Mit Bürgerbeteiligung erleben wir dann hoffentlich, dass der Stadtbaurat etwas erlebt, was er sonst bisher nur von seinem obersten Dienstherren Wolfgang Meyer kennt: Er wird ordentlich abgemeiert.
Und während den Göttingern gerade ein, zwei, drei Lampen abhanden gekommen sind, hat sich die SPD im Duderstädter Rat ganz ohne Bürgerbeteiligung um drei Mitglieder verringert. Sozusagen halbiert. Weil die eine Hälfte das Hineinreden der Partei in die Arbeit der gewählten Bürgervertreter nicht mehr dulden wollte (was in der Göttinger sozialdemokratischen Fraktion ebenfalls immer wieder für Ärger hinter den Kulissen sorgt). Dafür erklärt der verbliebene Rest, dass man sich überaus einig sei. Mit Blick auf die Landtags- und Bundestagswahlen des kommenden Jahres ist das auch wirklich empfehlenswert.