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Göttingen Entscheidende Behandlungs-Beschleunigung
Die Region Göttingen Entscheidende Behandlungs-Beschleunigung
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18:52 29.11.2011
Von Matthias Heinzel
Volldigital: der neue Herzkatheter des Göttinger Herzzentrums in Betrieb. Quelle: EF
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Göttingen

Eröffnet wurde das Herzzentrum am 20. Dezember 2001. Seitdem arbeiten dort acht Abteilungen, der Schwerpunkt Kinderherzchirurgie und der Pflegedienst zusammen, sodass auch komplexe Krankheitsbilder interdisziplinär effektiv abgedeckt werden können. In enger Kooperation behandeln sie Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Lunge.

Jüngste technische Errungenschaft ist ein neuer Herzkatheter. Diese „modernste Untersuchungs- und Operationstechnik“, erklärt das Klinikum, setze „Maßstäbe in Südniedersachsen“. Die neue Anlage arbeite schneller, mit geringerer Strahlenbelastung, bildgenauer und schonender als die bisherige Technik. Unter anderem kann die Röntgenanlage des neuen Herzkatheters das Herz gleichzeitig aus zwei Perspektiven darstellen. Mit einem eingebauten Ultraschall können Innenansichten der Herzkranzgefäße dargestellt werden – ein entscheidender Vorteil: Die meisten Herzinfarkte werden durch eine durch Arteriosklerose veränderte Engstelle eines Herzkranzgefäßes ausgelöst. Mit volldigitaler Bildverarbeitung, dreidimensionaler Darstellungen des Herzens und Rotationsröntgen kann das Operationsteam live sehen, was bei der Untersuchung im Körper des Patienten geschieht und entsprechend gezielt vorgehen.

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„Mit diesem Herzkatheter“, sagt Prof. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender des Herzzentrums des Universitätsklinikums und Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumonologie, „können wir Untersuchungen durchführen, die früher undenkbar waren.“ Unter anderem können die Göttinger Herzspezialisten mit der neuen Technik auch die sogenannten Stents – innere Stützen, die das Gefäß offenhalten – in teilverschlossene Kleingefäße so einbauen, dass das Größenverhältnis zwischen Stent und Gefäßdurchmesser während der Implantation in Echtzeit abgebildet wird.
Aber nicht nur am Universitätsklinikum gibt es Fortschritte in der Kardiologe. Zwar arbeite das evangelische Krankenhaus Weende gern und erfolgreich mit den Spezialisten des Klinikums zusammen, erklärt Prof. Michael Karaus, medizinischer Geschäftsführer in Weende. Andererseits erweitere sein Krankenhaus seine kardiologische Kompetenz kontinuierlich. So werde es auch hier bald einen technisch hochgerüsteten Herzkathetermessplatz geben.

Volkskiller Herzinfarkt

Seit Jahren ist die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkt rückläufig – vor allem eine Folge besserer und vor allem schnellerer einsetzender medizinischer Behandlung. Dennoch bleibt der Infarkt hierzulande eine Haupttodesursache: Zurzeit liegt sie bei knapp 57 000 Fällen jährlich. Dabei ist die Zahl der Herzinfarkte mit jährlich etwa 280 000 etwa gleichgeblieben. Meistens ist es ein Blutgerinnsel, das ein arteriosklerotisch verengtes Herzkranzgefäß vollständig verschließt. Der Infarkt ist ein akut lebensbedrohliches Ereignis, bei dem schnelles Handeln auch vom Patienten und seiner Umgebung über Tod oder Leben entscheiden kann: Wer einen plötzlich auftretenden, mehr als 20 Minuten anhaltenden, meist starken und ausstrahlenden Schmerz in der Brust verspürt, muss sofort ins Krankenhaus.