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Göttingen Fällt die Entscheidung zugunsten der Adler Real Estate?
Die Region Göttingen Fällt die Entscheidung zugunsten der Adler Real Estate?
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19:12 23.04.2019
Ein Haus der Adler Real Estade in Grone Süd. Quelle: Christina Hinzmann
Grone

Die Adler Real Estate AG aus Berlin steht in den Startlöchern. Sie plant, nach eigenen Angaben 74 Millionen Euro in die rund 1100 Wohnungen in ihrem Besitz zu investieren. Bestehende Gebäude in Grone Nord und Süd sollen saniert, zum Teil um ein Stockwerk aufgestockt werden und Balkone und Aufzüge bekommen. Durch die Aufstockungen sollen 227 neue Wohnungen entstehen. Darüber hinaus will Adler das Wohnumfeld neu gestalten und eine neue Kindertagesstätte bauen.

Was für die Adler-Pläne fehlt, ist ein Bebauungsplan, der diese Vorhaben zulässt. So müsse für 177 der geplanten 227 neuen Wohnungen Baurecht geschaffen werden, wie Verwaltungssprecher Dominik Kimyon erläutert.

Sterr: „Göttingen braucht bezahlbare Wohnungen“

Die Entwürfe für die neuen Bebauungspläne hat die Verwaltung inzwischen vorgelegt. Sie stehen nun abschließend zur Diskussion.

Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr (SPD) hält die Pläne, neue Wohnungen zu bauen, „grundsätzlich“ für gut: „Göttingen braucht bezahlbare Wohnungen.“ So habe Adler sich bereit erklärt, 30 Prozent der neuen Wohnungen für Mieter mit unteren und mittleren Einkommen anzubieten – mit Mietpreisen von maximal 5,60 beziehungsweise 7 Euro pro Quadratmeter. Adler-Real-Estate-Sprecher Rolf-Dieter Grass bestätigt, dass Adler dem Göttinger Bündnis für Wohnen beigetreten ist. Entsprechende Regelungen sollen über einen städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Adler vereinbart werden.

Von den 177 neuen Wohnungen gilt nach Kimyons Angaben eine 45-prozentige Quote. So sollen 51 Wohnungen unter die Mietobergrenze von derzeit 5,60 Euro pro Quadratmeter fallen, 29 unter die Mietobergrenze von 7 Euro.

Kein Beschluss ohne städtebaulichen Vertrag

In der Verwaltungsvorlage dazu heißt es: „Um sicherzustellen, dass die genannten sozialen Folgen abgemildert werden, ist der städtebauliche Vertrag vor Satzungsbeschluss des Bebauungsplanes abzuschließen. Ohne eine verbindliche Verpflichtung seitens der Adler AG wird der Bebauungsplan nicht als Satzung beschlossen.“

Feststeht, dass es in den sanierten Wohnungen zu Mieterhöhungen kommen wird. „Die Modernisierungsumlage werden natürlich wir in Anspruch nehmen“, sagt Adler-Sprecher Grass. Die daraus folgenden Mieterhöhungen hielten sich aber „im Rahmen“. Dafür steige aber auch die Qualität der Wohnungen, erklärt Grass.

CDU kündigt Ablehnung der Bebauungspläne an

Hans Henning Eilert, Fraktionsvorsitzender der CDU im Ortsrat, kündigt gegenüber dem Tageblatt an, gegen die Änderungen der Bebauungspläne und damit gegen die Pläne der Adler Real Estate zu stimmen. Als Grund nennt Eilert die zu befürchtende, „massiven“ Mieterhöhungen. „Die können wir nicht mittragen“, sagt Eilert. Er hält die Adler Real Estate AG für eine Firma, „die abzockt“.

Mieter „zahlen Zeche“

Ortsratsmitglied Hendrik Falkenberg (GöLinke) kündigt an, „ jegliche Änderungen“ der seit Langem gültigen Bebauungspläne abzulehnen. Die geplanten Baumaßnahmen dienten nur zur Profitmaximierung der Adler AG, und die Mieter sollen „die Zeche zahlen“. Er werde sich sowohl im als auch außerhalb des Ortsrats für die Erhaltung des „bezahlbaren Wohnraums“.

Für die SPD-Fraktion kündigt Sterr an, die Verwaltungsvorlage bis zu Ortsratssitzung zu prüfen. So habe der Ortsrat nach Ortsbegehungen „differenziert Stellung“ abgegeben. Augenmerk habe dabei etwa auf dem Schattenwurf der aufgestockten Gebäude und die Auswirkungen auf die Nachbargebäude gelegen. Auch spricht sich die SPD dafür aus, die geplante Kindertagesstätte in einem separaten Gebäude einzurichten. Laut Verwaltungsvorlage plant die Adler AG aber an der Harzstraße den Neubau eines Kindergartens mit darüber liegenden Wohnungen.

Grüne prüfen Verwaltungsvorlagen

Träger öffentlicher Belange und Privatpersonen hatten zu den geplanten Änderungen der Bebauungspläne Stellung bezogen und Anregungen vorgebracht. Dazu heißt es in den Verwaltungsvorlagen: „Aus der Prüfung der eingegangenen Stellungnahmen sowie den erarbeiteten Abwägungsvorschlägen ergeben sich keine Änderungen der Festsetzungen des Bebauungsplanes.“

Auch die Grünen wollen die Vorlage bis zur Sitzung prüfen. Laut Maria Gerl-Plein (Grüne) sei die bisherige Linie der Grünen gewesen zu betonen, dass es wichtig sei, „dass etwas passiert“. Der geplante städtebauliche Vertrag sei geeignet, das Vorhaben in die richtigen Bahnen zu lenken.

Protest vom Verein „IN Grone

Unterdessen hat der Verein „IN Grone die Adler-Mieter aufgerufen, zur Ortsratssitzung zu kommen. „Sie sollten den Ortsratsmitgliedern gut zuzuhören, warum sie – voraussichtlich – den Empfehlungen der Verwaltung zur Ablehnung sämtlicher Einwände zu den B-Plänen in Grone-Nord und Grone-Süd zustimmen werden“, heißt es in dem Aufruf. So sähe die Verwaltung in den von Mietern bemängelten „ungenügendem Parkraum“, der „Verdunklung der unteren Wohnungen durch die Aufstockung der Gebäude“, bei der „Verteuerung der Mieten“ und einer „Verdrängung des Milieus“ „kein Problem“, schildert Gunnar Siebecke vom Vereinsvorstand.

Siebecke kündigte an, dass Mieter und Freunde die Ortsratsmitglieder etwa fragen werden, „was sie denn von den sich anbahnenden Verdrängungen durch enorme Mietsteigerungen halten, wie sie denn ,barrierearme’ Wohnungen mit sechs bis acht Stufen vor der Wohnungstür einschätzen“.

Ratsentscheidung im Mai

Über die Änderungen der Bebauungspläne, die die Sanierungs- und Modernisierungspläne der Adler Real Estate AG erst ermöglichen, diskutiert nach dem Ortsrat in Grone der Bauausschuss. Die endgültige Entscheidung darüber soll in der Mai-Sitzung des Rates fallen.

Der Ortsrat Grone tagt am Donnerstag, 25. April, ab 20 Uhr im Bürgerhaus, Martin-Luther-Straße 10. Weitere Themen ist die Innenbereichssatzung für die Siedlung Springmühle sowie ein Zuschuss für ein Projekt der katholischen Kirchengemeinde.

Mieterinitiative trifft sich

Am Dienstag, 7. Mai, fragt sich die Mieterinitiative angesichts der Adler-Pläne „Was können wir noch tun? Ab 18 Uhr sollen im Nachbarschaftszentrum Grone „Aktionsvorschläge“ entwickelt werden.

Von Michael Brakemeier

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