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Göttingen Erdfälle auch in Südniedersachsen
Die Region Göttingen Erdfälle auch in Südniedersachsen
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20:53 04.11.2010
Erdfälle auch in der Region: Die Karte zeigt die Standorte.
Erdfälle auch in der Region: Die Karte zeigt die Standorte. Quelle: LBEG
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Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie registriert die Erdfälle in Niedersachsen. Auf dem Kartenmaterial des Landesamtes sind allein auf dem Gelände des Landeskrankenhauses Tiefenbrunn vier Erdfälle verzeichnet. In Göttingen sind im Wald nördlich und östlich des Kehrs 35 Erdfälle registriert. Jeweils knapp ein Dutzend aufgezeichneter Absackungen gibt es östlich und westlich von Reyershausen. Etliche Erdfälle sind auch zwischen Northeim, Moringen und Kalefeld zu finden. Vom Wieterberg im Osten Northeims bis zum Eulenberg im Nordosten Bühles gibt es sogar einen schmalen Streifen, der als erdfallgefährdetes Gebiet ausgewiesen ist – hier werden die entstandenen Krater nicht einzeln ausgewiesen. Ein großes gefährdetes Gebiet existiert im Harz.

Spektakulär ist allerdings mit etwa 35 mal 40 Meter die Größe des Kraters in Schmalkalden – ein seltener Einzelfall, wie Joachim Fritz vom Landesamt erklärt. 50 Prozent aller Erdfälle seien im Durchmesser kleiner als zwei Meter, weitere 40 Prozent sind zwei bis fünf Meter groß. Größer als zehn Meter sind nur etwa ein Prozent. Allerdings gilt auch: Viele Erdfälle werden gar nicht dokumentiert, weil sie niemand meldet. Das Landesamt hat 5500 Absackungen in der Datenbank, Fritz schätzt die tatsächliche Zahl doppelt so hoch. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Südniedersachsen 14 Erdfälle verzeichnet.

Das erklärt auch ein auf den ersten Blick merkwürdiges Phänomen: An der ICE-Strecke zwischen Mengershausen und Jühnde sind mehr als ein Dutzend Erdfälle verzeichnet. Dies habe auch schlichtweg damit zu tun, dass diese im Zuge der Bauarbeiten registriert worden seien, erläutert Fritz. Pro Jahr würden in Niedersachsen zehn bis zwanzig Erdfälle aufgezeichnet, so Fritz. Erdfälle treten in Gebieten auf, in den der Untergrund aus wasserlöslichen Kalk- oder Gipsgesteinen besteht. Wenn Grundwasser diese Gesteine auswäscht, bilden sich Höhlensysteme. Im Laufe der Zeit werden diese Höhlen häufig instabil – Teile der Decke können einbrechen. Setzt sich ein solcher Einsturz bis an die Erdoberfläche fort und der Erdboden sackt ein, entsteht ein Erdfall.

Das laut Fritz spektakulärste Beispiel für einen Erdfall in Südniedersachsen in den vergangenen Jahren stammt aus der Region: Im Northeimer Bergbad sackten 2009 Erdmassen ab – 15 Meter breit und drei Meter tief war das Loch. Dabei hatte es dort erst 2008 einen Erdfall gegeben – und weitere in den 80er und 90er Jahren. Das Thema Erdfälle ist auch für Bauherren wichtig: Schon kleine Löcher können große Schäden verursachen.

Auf der Internetseite des Landesamtes gibt es die Möglichkeit, Erdfälle zu melden: lbeg.niedersachsen.de. Bauherren können Informationen unter Telefon 0511/643-3565 oder -3422 erfragen.

Von Jörn Barke