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Göttingen Erdkabel für neue Stromtrasse nur in Göttingen
Die Region Göttingen Erdkabel für neue Stromtrasse nur in Göttingen
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20:00 12.08.2011
Von Gerald Kräft
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Hannover / Kassel

Das ist das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, das am Freitag in Hannover und Kassel bekannt gegeben wurde. Niedersachsen und Hessen sind sich über die Trassenführung einig. Die Regionalversammlung Nordhessen muss im September noch zustimmen. Die rund 190 Kilometer lange 380-Kilovolt-Leitung von Wahle bei Peine und Mecklar in Hessen muss nach Ansicht der Bundesregierung und der Stromversorger dringend gebaut werden, um Strom aus Windkraftanlagen von Norden in den Süden leiten zu können. Der niederländische Staatskonzern Tennet, der das Höchst- und Hochspannungsnetz von Eon in Deutschland übernommen hat, muss jetzt noch ein Planfeststellungsverfahren vor dem Bau abwarten. Erst dann steht der genaue Trassenverlauf und der Standort der neuen Masten fest. Der nun ausgewählte Trassenverlauf folgt in der Region im wesentlichen einer alten 220-Kilovolt-Leitung, die abgebaut werden soll.

Betroffene Kommunen und Bürgerinitiativen hatten gefordert, die Stromleitung auf ganzer Länge unter die Erde zu legen. Eine Vorgabe des Bundestages gibt es dazu nicht. Tennet befürchtet, auf den höheren Kosten für Erdkabel sitzen zu bleiben. „Wir sind die Verlierer der Raumordnung“, sagte der Gandersheimer Peter Gosslar von der Initiative Pro Erdkabel, „aber wir haben die Schlacht noch nicht verloren.“ Er kündigte an, dass sich die Initiative entlang der Trasse neu organisieren und einen Verein gründen werde, um ein Klagerecht zu bekommen. „Wir sind inzwischen zu Bildungswutbürgern geworden.“

Landwirte stehen einer Erdkabeltrasse hingegen skeptisch gegenüber. Auf Landwirte und Grundeigentümer komme eine erhebliche Baustelle zu, erklärte der Göttinger Kreislandvolkverband. Der Verband geht davon aus, dass die Leitung aufgrund der dauerhaften Temperaturerhöhung (Betriebstemperatur ca. 40 Grad Celsius, zugelassen bis 70 Grad und der gestörten Grundwasserführung dauerhaft sichtbar bleibt.

Die Göttinger Stadtverwaltung zeigte sich mit dem Ergebnis des Verfahrens zufrieden. Erdkabel seien vom Stadtrat gefordert worden und seien aufgrund der Abstände zur Bebauung sachlich gerechtfertigt, so Sprecher Detlef Johannson. Die ausgewählte Stromtrasse folgt im Norden des Landkreises der A 7 und umgeht damit das geplante Logistikgewerbegebiet zwischen Holtensen und Lenglern.

Südlich von Göttingen schwenkt die Trasse Richtung Hann. Münden. Die neue Leitung soll einen größeren Abstand von Laubach erhalten als die bestehende. Die Landtagsgrünen kritisierten die Ankündigung, lediglich sieben Kilometer der Höchstspannungsleitung unterirdisch zu verlegen, als „äußerst mickrig“. „Der Berg kreiste und gebar eine Maus“, so der Göttinger Abgeordnete und Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel. Die Realisierung einer vollständig unterirdischen Pilottrasse in Gleichspannungs-Technik sei ohne Not verworfen worden. Der Einbecker FDP-Abgeordnete Christian Grascha forderte, eine stärkere Parallelführung zur A 7 noch einmal zu prüfen.