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Göttingen Der letzte Kürschner der Region gibt sein Pelzgeschäft auf
Die Region Göttingen Der letzte Kürschner der Region gibt sein Pelzgeschäft auf
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00:21 21.03.2019
Kürschner Erich Fütterer, der letzte seiner Zunft in Göttingen und Südniedersachsen, schließt seine Türen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Als Erich Fütterer 1970 sein Pelzgeschäft eröffnete, gab es in der Region Göttingen noch rund ein Dutzend Anbieter. Heute ist der 77-Jährige der letzte seiner Art in Südniedersachsen. Ende Juni wird auch sein Geschäft Geschichte sein. Das Haus in der Jüdenstraße 18 wird nach einem Besitzerwechsel umgebaut. Fütterer nutzt das, um den Pelz endgültig an den Nagel zu hängen, und hat den Schlussverkauf gestartet.

Fütterer achtet auf Qualität und leistet Maßarbeit am Kunden. Quelle: Christina Hinzmann

In der Handwerksrolle sei im Landkreis Göttingen samt Osterode nur noch Fütterer eingetragen, ansonsten noch ein Kürschner in Northeim, teilt Stefan Pietsch von der Handwerkskammer mit. Auch letzterer habe inzwischen sein Geschäft aufgegeben, berichtet Fütterer. Sein Laden ist von außen nur am Ausleger erkennbar und wirkt aus der Zeit gefallen. Auf rotem Teppichboden stapeln sich Decken aus Pelzen von Wolf über Schakal bis Bisam, auf Bügeln hängen Pelzmäntel jedweder Art, an Wandhaken wärmende Mützen, Schals und Muffs. Vor allem Decken seien in jüngerer Vergangenheit gefragt gewesen. Gefertigt hat Fütterer sie aus alten Pelzmänteln und -jacken, oftmals Erbstücke. Nur noch selten hat er in den vergangenen Jahren neue Pelze an- und verkauft, in erster Linie Änderungsarbeiten vorgenommen. Immer gehe es auch um Typberatung, sagt Fütterer, der Mäntel und Jacken in Maßschneiderei fertigt ( „Ich will die Kunden bekleiden, nicht verkleiden“). Als Prunkstück hält Fütterer einen marineblauen Nerzmantel in die Höhe – dann zeigt er auf eine Waschbärmütze und erzählt von der Aufbauarbeit der Hudson Bay Company und ihrer Trapper in Kanada.

Image hat sich gewandelt

Erich Fütter hat viel Zeit in seinem Atelier zugebracht. Jetzt zieht er einen Schlussstrich.. Quelle: Christina Hinzmann

Nicht nur das Image von Pelzen hat sich gewandelt, auch der Geschmack hat sich umgekrempelt ( „Immer häufiger wird innen Pelz und außen Textil gewünscht“), die mit bis zu 70 Arbeitsschritten und mühseliger Handarbeit verbundene Kürschnerei ist von einem gefragten und angesehenen zu einem aussterbenden Gewerbe geworden. In den Wirtschaftswunderjahren galten Pelzmäntel als Inbegriff von Mondänität und Luxus. „Man trug Pelz“. Das galt auch noch für Fütterers Anfangsjahre in Göttingen. Heute näht er Persianer, die Großmütter in der Kirche oder Hippies auf der Piste getragen haben, zu Decken um. Auch das ist mit hohem Aufwand verbunden, erkennbar schon am Labyrinth von Nähten auf der Rückseite. Einen Zuhälter habe er wissentlich noch nicht als Kunden gehabt, betuchte Russen schon. Für die sei der Pelz immer noch ein Imagefaktor.

Viele alte Mäntel hat Fütterer zu Decken umgearbeitet. Die liegen im Trend. Quelle: Christina Hinzmann

Schon in eigenem Interesse und wegen der Qualitätsansprüche habe er beim Einkauf neuer Pelze stets darauf geachtet, dass die Tiere nicht aus Zuchtfarmen mit quälerischer Haltung stammen, sagt Fütterer: „Sonst gibt es minderwertige Felle.“ Es habe zwar auch schon Parolen an seiner Fassade gegeben, er habe aber noch nie einen Kunden mit besprühtem Pelz gehabt. Schockbildern von Tierschützern misstraut Fütterer und beklagt, dass alle Kürschner und Pelzhändler über einen Kamm geschoren würden. Als Laus im Pelz erscheinen ihm Osteuropäer, die in der Vergangenheit den Markt mit Billigimporten überschwemmt hätten. Ein Dorn im Auge ist ihm auch der Niedergang von Qualität. „Textilien aus PET-Flaschen werden heute als Pelz oder Daune verkauft“, sagt der 77-Jährige kopfschüttelnd. „Die Mode hat sich immer gewandelt, der Pelz als Naturmaterial verändert sich mit.“ Da Pelze aus vielen Einzelstücken zusammengesetzt seien, könne man jeden Pelz immer wieder umarbeiten und anders verwenden. Daher habe der Pelz eine sehr lange Lebensdauer.

In Mailand das Handwerk erlernt

Fütterer stammt aus Siemerode im Eichsfeld, ist 1945 mit seinen Eltern erst nach Kerstlingerode, dann nach Göttingen gezogen. Das Kürschnerhandwerk lernte er in Mailand gemeinsam mit seinem Bruder. Während der nach Bozen ging, zog es Erich Fütterer Mitte der 1960er-Jahre zunächst nach Südafrika, wo Kürschner gesucht wurden. Sein Sohn hat ebenfalls das Kürschnerhandwerk erlernt. Auch er übt es nicht mehr aus.

Von Kuno Mahnkopf

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