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Göttingen Cybercrime: Ermittler fürchten, dass Spezialeinheiten aufgelöst werden
Die Region Göttingen Cybercrime: Ermittler fürchten, dass Spezialeinheiten aufgelöst werden
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18:32 17.09.2019
Die Ermittler der Task Force Cybercrime/Digitale Spuren zerschlagen kriminelle Netzwerke. Quelle: dpa
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Göttingen

Vor drei Jahren wurde bei der Polizeiinspektion Göttingen die landesweit erste Spezialeinheit „Task Force Cybercrime/Digitale Spuren“ eingerichtet. Die Ermittler sind darauf spezialisiert, Internet-Betrügern das Handwerk zu legen und kriminelle Netzwerke zu zerschlagen.

Seitdem haben die Cybercrime-Fahnder zahlreiche Ermittlungserfolge erzielt. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius war deshalb auch voll des Lobes, als er den Spezialisten vor genau zwei Jahren einen Besuch abstattete. Die Task Force leiste herausragende Arbeit und zeichne sich durch große Kreativität, Innovationsfreude und hohe Bereitschaft zu weiteren fachlichen Qualifizierungen aus, erklärte er damals.

Inzwischen aber herrscht in den mittlerweile zwölf Task Forces, die landesweit eingerichtet wurden, große Unruhe: Die Ermittler fürchten, dass die Spezialeinheiten aufgelöst und in andere Fachkommissariate integriert werden.

Derzeit in den Kriminaldienst eingegliedert

Derzeit sind die Task Forces in den Zentralen Kriminaldienst der jeweiligen Polizei eingegliedert. Von ihrer Struktur her sind sie ähnlich aufgebaut wie ein Fachkommissariat. Anders als die Kommissariate sind sie aber nicht auf eine bestimmte Kategorie von Straftaten wie etwa Diebstahls-, Drogen- oder Gewaltdelikte spezialisiert, sondern auf ein Tatmittel, nämlich die digitale Kommunikation. Die Ermittler versuchen, den in der Anonymität des Internets agierenden Tätern auf die Schliche zu kommen und die oft bandenmäßig organisierten Strukturen der Cyber-Kriminalität aufzuklären.

Ursprünglich als Pilotprojekt konzipiert, haben sich die Task Forces inzwischen zu eingespielten Teams entwickelt. Die Göttinger Spezialeinheit beispielsweise ist inzwischen auf 19 Mitarbeiter angewachsen, darunter drei Informatiker. Deren Spezial-Knowhow ist vor allem dann gefragt, wenn die Ermittler große Datenmengen zu bewältigen haben und besonders komplexe Strukturen entschlüsseln müssen. Die Pilotphase sollte eigentlich nur bis Ende 2017 gehen. Seitdem gab es jedoch noch keine Entscheidung darüber, wie es mit den Spezialteams weitergehen soll.

Die Ungewissheit über die berufliche Zukunft und fehlende Aufstiegsmöglichkeiten hat in den Task-Force-Einheiten inzwischen zu einigem Unmut geführt. „Die Pilotphase wurde immer wieder verlängert, und man hat uns immer weiter hingehalten“, ärgert sich einer der Cybercrime-Ermittler.

Einige Spezialisten hätten deshalb bereits Konsequenzen gezogen und sich wegen der fehlenden beruflichen Perspektive und Planungssicherheit anders orientiert. Dies sei auch deshalb ärgerlich, weil die Qualifizierung der Mitarbeiter schließlich viel Geld gekostet habe.

In Bayern und Sachsen sei man weiter

In anderen Bundesländern wie beispielsweise Bayern und Sachsen sei man dagegen schon viel weiter. Dort gebe es eigenständige Fachkommissariate, die sich ausschließlich mit Internet-Kriminalität beschäftigen. Sollten in Niedersachsen die Cybercrime-Spezialisten dagegen wieder in andere Fachkommissariate eingegliedert werden, wäre dies ein Rückschritt.

Möglicherweise gibt es in dieser Woche mehr Klarheit darüber, wie es mit den Task Forces weitergeht. Am Donnerstag kommen in Hannover auf Einladung des niedersächsischen Innenministeriums die Leiter der Polizeiinspektionen und zahlreiche weitere Führungskräfte der Polizei zusammen. Dort sollen die bisherigen Ergebnisse des Projekts „Strategische Organisationsanpassung“ vorgestellt werden, mit dem die Polizei Niedersachsen auf neue Herausforderungen und Entwicklungen reagieren will.

Dabei soll es auch um die künftige Polizeiarbeit bei der Bekämpfung der Internet-Kriminalität gehen. Zu konkreten Inhalten wollte das niedersächsische Innenministerium am Dienstag noch keine Angaben machen. Hierzu werde sich Innenminister Pistorius erst am Donnerstag äußern, hieß es.

Von Heidi Niemann

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