Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Erste 150 Asylbewerber kommen im Januar
Die Region Göttingen Erste 150 Asylbewerber kommen im Januar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 12.11.2010
Von Jürgen Gückel
Grenzdurchgangslager Friedland: Vom Januar an mit neuer Aufgabe. Bis zu 3500 Asylbewerber pro Jahr erhalten Erstaufnahme.
Grenzdurchgangslager Friedland: Vom Januar an mit neuer Aufgabe. Bis zu 3500 Asylbewerber pro Jahr erhalten Erstaufnahme. Quelle: Heller
Anzeige

In gut sechs Wochen werden die ersten Asylbewerber erwartet. In dieser Woche beschloss das Landeskabinett die neue Struktur der Landesaufnahmebehörde, mit der dem Lager Friedland auch eine völlig neue Aufgabe zugewiesen wird: die Erstaufnahme von bis zu 3500 Asylbewerbern im Jahr. Vor gut 65 Jahren waren es Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene, die in Friedland „das Tor zur Freiheit“ fanden. Dann kamen Kriegsgefangene, Spätaussiedler, Flüchtlinge aus Ungarn, Korea, Vietnam, Indien und weiteren Brennpunkten der Weltgeschichte. Zuletzt wurden 2500 irakische Christen, alles Flüchtlinge aus Nachbarländern, aufgenommen.

Vom 1. Januar an beginnt die Aufnahme von Asylbewerbern aller Nationen. Die Landesaufnahmebehörde, so informierte GDL-Leiter Heinrich Hörnschemeyer den Friedländer Rat, gibt den Standort Bramsche auf. Die dortigen Räume schließen zum Juni 2011. Zentrale der Behörde bleibt Braunschweig; Oldenburg und Friedland sind Außenstellen. Das hiesige Lager übernimmt die Erstaufnahme, die nach sechs bis acht Wochen, maximal nach drei Monaten abgeschlossen sein soll. Dann werden die Asylbewerber verteilt. In Friedland werden sie ihre Anträge stellen, Formalitäten erfüllen, Untersuchungen absolvieren. Eine Entscheidung über ihre Asylanträge erfolgt hier noch nicht.

Von den 36 000 Asylbewerbern bundesweit übernimmt Niedersachsen 9,3 Prozent. Das sind rund 3500 im Jahr. In Friedland werden zunächst 150 Plätze für sie eingerichtet. Sie sollen zunächst von Irak-Flüchtlingen, einer großen Gruppe der Bewerber, genutzt werden. Im Jahresverlauf wird die Kapazität auf 350 erweitert. Die Aufnahme von Spätaussiedlern und jüdischen Migranten sowie das Angebot der Integrationskurse für Spätaussiedler versieht das GDL wie bisher. Die Zahl der Neuankömmlinge ist 2010 allerdings auf bisher 2000 gesunken. 2300 werden es wohl bis zum Jahresende – 1000 weniger als 2009.

Rund 100 Beschäftigte hat das GDL derzeit, plus knapp 100 im benachbarten Bundesamt sowie noch einmal so viele bei den Hilfsorganisationen. Weil auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Stellen einrichten wird, steigt die Zahl der Arbeitsplätze durch die neue Aufgabe.

Die Politik begrüßte die Sicherung der Jobs. Der Sorge der Bevölkerung, die durch den neuen Personenkreis im Lager eine mögliche Zunahme von Kriminalität fürchtet, begegnete der Rat mit einer innovativen Idee: Ein CDU-Antrag sieht – aus vorhandenem Personal – die Einrichtung einer Anlaufstelle in der Gemeindeverwaltung vor. Hier können Sorgen vorgetragen werden, ohne gleich die Polizei einzuschalten. Regelmäßig soll die Stelle dem Rat berichten. Der Rat stimmte dem einstimmig zu.